Ausflug in die Provinz... Mal anders!


Mein Geburtstag steht an und ich habe beschlossen, der mittlerweile doch hektisch gewordenen Hauptstadt für ein paar Tage den Rücken zu kehren und gemütlich im Kreise der Familie zu feiern, bei der Großmutter meiner kleinen Tochter in Ciego de Avila.

Wer heutzutage in Kuba verreist und über kein eigenes Fahrzeug verfügt, hat mehrere Möglichkeiten dies zu tun. Für Touristen nach wie vor zu empfehlen ist entweder die Busgesellschaft VIAZUL, im Volksmund wegen der ständig auf Hochtouren laufenden Klimaanlage auch "Friazul" genannt, oder die seit einigen Jahren staatseigene Konkurrenz "Conectando Cuba", die auf ähnlichen Routen verkehrt und die wichtigsten touristischen Zentren verbindet. Für die ca. 6-stündige Tour ins Zentrum der Insel berappt der Kunde knapp 30 CUC und kommt auch relativ pünktlich an. Zu einem ähnlichen Preis bieten übrigens private Fahrer direkt vor der VIAZUL-Busstation in Havanna eine Art Sammeltaxi an, die Fahrt kostet ca. 100 CUC pro Auto und wenn genügend Fahrgäste zusammenkommen spart man sogar etwas und wird oft auch bis zur gewünschten Adresse gefahren. Blöd nur wenn man allein reist und kein anderer Fahrgast zum selben Ziel will! Ich habe mich daher diesmal für eine andere, nämlich die "Sparfuchs"-Variante entschieden, die ähnlich lange dauert wie der VIAZUL-Bus, mir aber die Frostbeulen erspart: den "Camion" (Lastwagen). Ich hätte mit meiner Aufenthaltsgenehmigung auch den günstigen Astro-Bus wählen können, der Kubaner für unschlagbare 4 CUC bis nach Ciego kutschiert, allerdings sind die Busse weit im voraus zu buchen und wer sich nur noch auf der Warteliste wiederfindet hat schon die ein oder andere Nacht im Busbanhof verbracht! Dann also doch lieber den Lastwagen!

Rein Komforttechnisch ist es natürlich nicht die wahre Freude, aber die Vorteile wiegen das aus meiner Sicht heute auf! Für 6 bis 10 CUC bin ich innert 6 Stunden am Ziel und habe dabei auch noch eine ca. 45-minütige Essenspause inkludiert. Wer die Economy-Klassen der renommierten Fluggesellschaften, die Kuba anfliegen überlebt hat, wird sicherlich auch eine Fahrt im Camion überstehen, denke ich leise bei mir.

Die Lastwagen Richtung Oriente starten am Wartelisten-Busbahnhof Villanueva, etwas südlich der Altstadt in der Nähe der Via Blanca und fassen 40 Personen. Abfahrt ist, wenn der Lastwagen voll ist, ich habe aber noch nie länger als 2 Stunden gewartet. Glück für mich, dass alle Camiones Ciego de Avila passieren müssen, ich kann mir also einen bereits gut gefüllten aussuchen, heute ist es der nach Bayamo. Kaum habe ich mich gesetzt und bezahlt, sind auch schon die fliegenden Händler, die Kekse, Eiswasser oder Erfrischungsgetränke an den Mann/die Frau bringen wollen verschwunden und der Laster rollt durch die Schranke nach draußen.

Bereits nach kurzer Zeit befürchte ich allerdings zu früh oder gar nie bei meiner Familie anzukommen, der Chauffeur fährt wie der Henker und ich hoffe im Stillen, dass er nicht zu denen gehört hat, die heutzutage problemlos für 200 CUC auf dem Schwarzmarkt einen LKW- oder Busführerschein kaufen können. Die Strassenverhältnisse auf der Autopista tun das übrige um das aufrüttelnde Fahrterlebnis zu verstärken. Meinen Nachbarn interessiert das nicht, er ist - typisch für viele Kubaner - kurz nach Fahrtbeginn eingeschlafen und wird erst wieder zur Essensrast wach.

Taguasco, früher ein verschlafener Ort am Ende der Autopista bei km 353 ist heute das gastronomische Mekka der kubanischen Fernfahrer-Szene. Strategisch günstig gelegen, haben sich die Bewohner heute darauf verlegt, die Durchreisenden mit Essbarem zu versorgen. Star der Szene ist der Paladar Maria am Ortsausgang, nahezu alle Lastwagen bringen ihre Fartgäste hierher.

Ein typisch kubanisches Essen kostet zwischen 40 und 80 Peso (ca. 2-3 CUC), wer es günstiger haben will, ernährt sich von Pesopizza oder Brötchen mit gegrilltem Schweinefleisch. Die Getränke werden etwas teurer als in den staatlichen Läden angeboten. Desweiteren können sich die Fahrtgäste an etlichen konkurrierenden Ständen mit Keksen oder selbstgemachtem Turon eindecken um die Stunden während der Fahrt zu überstehen.

Für mich endet kurz später die Fahrt, wir sind in Ciego de Avila angekommen. Ein kurzes drücken der Klingel im Laster neben dem Ausgang und er stoppt. Noch knapp 200 Meter zu Fuß und ich bin bei meiner Famile, wo mich schon die Großmutter mit einem köstlichen Bohneneintopf ("Potaje") erwartet. Mahlzeit!

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