Ausflug ins private Naturparadies


Nach sehr vielen Reisen durch Kuba war es Zeit für etwas Neues! Über Panama geht es von Havanna aus nach Costa Rica.

Ein wunderschöner Aufenthalt in der Laguna del Lagarto Lodge

An meinem Ziel, der Laguna del Lagarto Lodge, komme ich 15 Uhr an. Nach langer aber sehr interessanter Fahrt von San Jose nach Boca Tapata inklusive 6 Kilometer abenteuerlicher Schotterstraße wurde es Zeit für einen Imbiss. Mir wurde ein Plätzchen mit atemberaubender Aussicht auf die Lagune nebst Regenwald angewiesen. Es war ganz still in der Lodge. Nur das Krächzen, Zwitschern der Vögel und Knacken von Ästen hallten durch das Tal. Man bekam den wunderbaren Eindruck am Ende der Welt ganz allein mit der Natur zu sein. Das Restaurant ragte über den Hügel hinaus und bot einen idealen Beobachtungsplatz. Vor Regen und Sonne schützte ein Dach, ansonsten war alles offen. Dies bedeutete Essen im Freien mit traumhafter Aussicht, sogar bei Regen! Während mir das Sandwich serviert wurde, landete schon der erste Gelbschnabel Tukan (Tucan de Swainson) auf den Futterplatz direkt vor meiner Nase. Genüsslich widmete er seine gesamte Aufmerksamkeit der Bananenstaude. Anschließend näherten sich zwei große Pavons auf der Grasfläche. Sie schienen mit ihrer Ausbeute unzufrieden, denn sie schwangen sich kurzerhand in die Lüfte, um neben dem Tukan Platz zu nehmen. Zack, weg war er.

Auf dem Weg zu meinem Bungalow sah ich einen langen, dunklen Schwanz unter dem Pfahlbau verschwinden. Oh, Katzen gibt es auch, wunderte ich mich noch. Bis ich kurz darauf den Rest des Schwanzes durch das Gras pirschen sah. Der „Rest“ gehörte keinesfalls einer Hauskatze, sondern einem wohlgenährten Nasenbären. Schwer beschäftigt schnüffelte er über den Rasen, ohne Notiz von mir zu nehmen. Ich hatte also bereits am Ankunftstag, noch vor Einbruch der Dunkelheit, einen großzügigen Einblick in die örtliche Artenvielfalt erhalten. Das selbst Säugetiere die Lodge durchstreiften, hätte ich mir nie träumen lassen. Die Wahl der Laguna del Lagarto Lodge, im abgelegenem Boca Tapada Gebiet, deren Website viele Beobachtungsmöglichkeiten direkt in der Lodge versprach, traf ich auf Grund meiner momentanen eingeschränkten Lauffähigkeit. Natürlich glaube ich nicht an Versprechungen im Internet. Dennoch klang es sensationell genug, um die Reise anzutreten. Dass man wahrhaftig mitten im Regenwald wohnte, ein Pfad von der Lodge direkt in den Urwald geschlagen wurde, um Führungen, aber auch freie Wanderwege anzubieten, hatte ich so nicht erwartet.

Nasenbär in Costa Rica

Brüllaffe in Costa Rica

"Monos" im Urwald

Natürlich wollte ich trotz meiner kleinen Gehbehinderung wenigstens einen klitzekleinen Teil des 110 Hektar umfassenden Urwaldes sehen. Also half mir der liebenswerte Hotelmanager Adolfo. Es gab einen Pfad, den ich mit Krücken begehen konnte. Wir durchstreiften den Rand des Brüllaffengebietes. Später rief man mich, als die „Monos“, die Affen, sich durch die Baumwipfeln hangelten. Man konnte es von der Lodge aus sehen! Nach 4 Tagen wollte ich dieses kleine Paradies gar nicht mehr verlassen. Es gab so viel zu sehen, zu erleben. Dabei hatte ich noch nicht einmal die übrigen 100 Hektar Regenwald erkundet. Mit Guide oder allein, mit Wanderkarte, (Schlangen-)Stock und Gummistiefeln ausgerüstet, kann man die ausgeschilderten Pfade durchstreifen. Nachtwächter Henry lud mich abends zu einer Kaiman Fütterung ein. Als er mir versicherte, dass es sich dabei um seine Haustiere handelte, die in der Lagune erschienen, wenn er sie riefe, zweifelte ich an Henrys Verstand.

Ich tat ihm den Gefallen und wir liefen zur Lagune. Es war stockdunkel. Tagsüber hatte ich dort mit der Kamera gelauert, aber nicht ein Kaimanauge entdeckt. Als Henry begann die Namen der Kaimane in die Dunkelheit zu brüllen, schmunzelte ich in mich hinein. Ein klassischer Touri- Trick, lustige, deutsche Namen: Mama hässlich, kleine Dicke und so weiter. Als plötzlich 4 reflektierende Augenpaare auf uns zuschoben, schmunzelte und zweifelte ich nicht mehr, sondern versteckte mich selbstlos hinter dem Nachtwächter. Die Tiere weder ausgestopft, noch Computeranimationen. Es kamen 5 schwergewichtige Kaimane aus allen Ecken auf uns zu. Der Größte schleppte sich über den Hügel, der die Straße von einer weiteren Lagune trennte. Diese Dame blieb allerdings im Wasser und ließ sich dort mit Würstchen bedienen. Sie war immerhin schon 20 Jahre alt. Henry kannte ihre Familienverhältnisse. Wir standen im Dunkeln in einer Runde voller Kaimane und Henry machte Witze, fass doch mal den Schwanz von ihr an. Oh nein, das würde ich sicher nicht tun. Am Ende tat ich es doch. Beeindruckend.

Eine waschechte Dschungel-Erfahrung im Paradies

Man erwacht durch interessanteste Vogelgeräusch, hört oft in der Frühe die Brüllaffen ihrem Namen alle Ehre machen und schlummert sanft während des Abendkonzertes der Grillen. Die Aras versuchte ich bis zum letzten Tag in den Baumkronen aufzuspüren. Ich hörte sie täglich, sah sie allerdings nur in großer Höhe zu ihren Schlafplätzen fliegen. Doch am letzten Morgen war das Glück auf meiner Seite. Ein Ara-Pärchen flog tatsächlich laut schimpfend über meinen Frühstückstisch! Rot und blau schimmerte ihr Federkleid in der Morgensonne. War ich im Paradies? Ich erfuhr, dass mein Paradiso auch eine sehr interessante Geschichte hatte. Am letzten Abend kam Kurt Schmack, der Eigentümer vorbei und setzte sich auf ein Bierchen zu mir. Sein Vater, ein deutscher Auswanderer, eröffnete 1992 diese Lodge, um den Regenwald erhalten zu können. Inzwischen ist er über 80 und hat seinem Sohn Kurt alles übertragen. 2003 erschien in der Zeitschrift GEO eine Reportage über Lagarto Öko Tourismus und Naturschutz.

Aras in Costa Rica

Die ARD war 2006 mit dem Weltspiegel auch schon vor Ort. Kurts Mutter stammt aus Guatemala, wo auch er geboren wurde. Seine Frau hingegen ist Costa Ricanerin, einige Angestellte kamen als Flüchtlinge aus dem angrenzenden Nicaragua und wurden hier aufgenommen. Einer davon ist Adolfo. Somit setzt diese Lodge ebenfalls ein Zeichen für interkulturelles Zusammenleben zwischen Menschen untereinander im Einklag mit der Natur. Jeder einzelne Tourist, der in diese Lodge kommt, trägt dazu bei, dass dieser wundervolle Regenwald dem Land erhalten bleibt.

Die Öko Lodge ist einfach gehalten, was mir sehr gefiel. Es entspricht der natürlichen Umgebung. Ein Luxus-Hotel im Regenwald lehne ich ab! Es hat mir an nichts gefehlt und war es traumhaft. Zudem überraschte man mich all abendlich mit schmackhaften Mahlzeiten, angerichtet wie im Sterne Restaurant. Ein Hoch auch auf die Köche am Ende der Welt.
Tipp: Auf jeden Urlaub in den Tropen sollte man sich gut vorbereiten, mitbringen, was man als nötig erachtet - im Regenwald gibt es keine Supermärkte, nur Natur pur. Alles was in der Lodge vorhanden ist, muss aus den größeren Städten geliefert werden. Wir Europäer erwarten viel zu oft Perfektion in allen Teilen der Welt, weil wir es so gewohnt sind. Die Realität sieht jedoch anders aus. Für mich steht jedenfalls fest, wenn die Beine wieder wanderfähig sind, bin ich wieder in der Lodge!

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