Beobachtungen im kubanischen Alltag...


...von einem der auszog, um Kuba zu (er)leben. avenTOURa-Blogger Christoph Blaha lebt seit vielen Jahren auf Kuba und berichtet von den kleinen und großen Besonderheiten im kubanischen Alltag.

Kubaner & Zeit

Zeit ist ein dehnbarer Begriff, vor allem in Kuba. Man sollte nach Kuba viel Zeit mitbringen, sie wird hier benötigt. Ob an der Bushaltestelle, an der Supermarkt-Kasse oder beim Geldwechseln: Mann/Frau wartet! Die sogenannte "Kola" (= Warteschlange) ist allgegenwärtig und "ultimo" (= der Letzte in der Warteschlange) sind geflügelte Worte, die hier jeder kennt. Man lebt hier mit dem allgegenwärtigen Mangel, es gibt fast von allem zu wenig... Doch eines ist im Überfluss vorhanden: die Zeit!

Reisen & Schlafen

Ich war viel unterwegs in den letzten Jahren auf Kuba, beruflich wie privat und meist in Gesellschaft von Kunden, Kollegen oder Familienmitgliedern. Ich könnte Bände füllen über Traumstraßen, interessante Begebenheiten unterwegs, idyllische Provinzdörfer und spektakuläre Landschaften. Wir Deutschen lieben das... Der Weg ist das Ziel! Den meisten meiner kubanischen Reisebegleitern ist dieses Motto jedoch fremd, kaum geht es los schlafen sie ein und werden meist erst kurz vor Ankunft wieder wach. Das ist der sogenannte Energiesparmodus, der erst dann Kräfte freisetzt, wenn der Kubaner sie wirklich benötigt: beim Tanzen und Feiern!

Kubaner & Extreme

Schonmal VIAZUL (Bus auf Kuba) gefahren und fast erfroren? Oder in der Casa de la Musica zu nah an den Boxen gestanden? Kubaner lieben die Extreme und zeigen das auch deutlich. Ich habe beim Kauf der letzten Stereoanlage gelernt, dass es keinesfalls die Details wie Höhen oder Bässe sind, die bei der Kaufentscheidung wichtig sind, Hauptsache laut, laut ist gut! Schließlich lebt der Kubaner in ständigem Konkurrenzkampf zu seinen Nachbarn, und wer die beste/stärkste Anlage hat setzt sich im Nachbarschaftsstreit durch und hört letztendlich die Musik, die ihm gefällt! Evolution auf Kubanisch!

Kubaner & Essen

Waren Sie schonmal bei einer ganz normalen kubanischen Familie zum Essen? Bei mir ist das ja seit knapp 10 Jahren der Alltag und es lassen sich zum Teil erstaunliche Beobachtungen machen. Bei uns Deutschen isst ja das Auge quasi mit und macht uns zu Künstlern dekorativen Essens! Links das Fleisch, rechts die Beilage, das ganze verziert mit einem Klecks Sauce und Gemüse, der Salat und der Nachtisch auf kleinen Tellern daneben. Vielleicht war das auf Kuba vor der "Spezialperiode" ähnlich, heute spielt sich das anders ab. Hauptdarsteller sind ein großer Suppenteller und ein großer Löffel, je größer desto besser. Allein die Grundportion Reis, die zwingend zu jeder kubanischen Mahlzeit gehört, ist so groß, dass wir sagen würden "der Teller ist übervoll". Darüber werden dann die üblichen Verdächtigen angehäuft, Bohnen, Ei und vielleicht noch etwas Hühner- oder Schweinefleisch. Getoppt wird das ganze dann durch den Salat (Tomate oder Gurke), auch Süssspeisen wie Kuchen wurden schon auf dem selben Teller gesichtet. Die Kunst besteht nun darin, soviel wie möglich pro Löffel im Mund zu platzieren, die Technik müssten sich die Kubaner eigentlich patentieren lassen! Ich habe gelernt, der Deutsche isst um zu genießen, der Kubaner um sich zu füllen, wer weiss schon wann es hier das nächste reichhaltige Essen gibt. Mahlzeit!

avenTOURa ist mit Auszeichnungen und Mitgliedschaften seit mehr als 20 Jahren in der Touristikbranche etabliert.