Das Memorial Jose Marti


Der Halt am Revolutionsplatz gehört heutzutage zum Standardrepertoire fast jeder ordentlichen Rundreise durch Kuba. Wer etwas mehr gezahlt hat absolviert den Stop im Oldtimer, "Otto-Normaltourist" fährt im Bus der Reisegruppe vor. Doch neben den Konterfeis von Che Guevara und Camilo Cienfuegos ist es vor allem ein Denkmal, das den Platz überstrahlt und ihm seine Identität verleiht. Und nicht nur dem Platz, sondern im Grunde genommen der gesamten Nation Kubas: Das Memorial Jose Marti, errichtet zu Ehren des eigentlichen und wahren Helden der kubanischen Revolutionen.

Heute sind es nicht Statuen von Fidel oder Raul Castro – der Revolutionsführer Fidel hat in seinem Testament den Kult um seine Person sogar schriftlich verboten – nein, es sind die Büsten von Jose Marti, dem Poeten und Widerstandskämpfer, die, die kubanische Bevölkerung überall auf der Insel vor Schulen, Ministerien und auf Plätzen aufstellt und verehrt. Er einte die revolutionären Kräfte am Ende des 19. Jahrhunderts und führte sie fast zum Sieg gegen die spanische Kolonialmacht. Vermutlich wäre er, der Dichter und Vordenker der Unabhängigkeit, auch der erste Präsident eines unabhängigen Kubas geworden, wenn er nicht schon gleich zu Beginn des zweiten Unabhängigkeitskrieges im Jahre 1895 in einem vermeidbaren Scharmützel bei Dos Rios, einem kleinen Örtchen in der Provinz Granma nahe Jiguani, gefallen wäre. Die Yankees aus dem Norden nutzten die Gunst der Stunde und als die kubanischen Revolutionäre den Sieg schon fast sicher glaubten, rissen sich die US-Amerikaner ihn unter den Nagel und bestimmten dann für mehr als 50 Jahre die Geschicke der Insel.

Somit blieben lange Zeit nur ein weißer Obelisk am Todesort, die Grabstätte auf dem Ifigenia-Friedhof in Santiago de Cuba, die unzähligen Büsten und Statuen und eben die Gedenkstätte auf dem heutigen Revolutionsplatz, die das Ende dieses schönen Traumes rund um einen Präsidenten Jose Marti verkörpern.

Die Pläne für das heutige Monument stammen aus den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Letztlich wurde die Gedenkstätte in ihrer heutigen Form im Jahre 1958, kurz vor dem Sieg der kubanischen Revolution Fidel Castros fertiggestellt. Es ist mit seinen knapp 140 Metern heute eines der höchsten Gebäude der kubanischen Hauptstadt und die Höhe verleiht ihm auch einen besonderen Reiz, der Ausblick vom Mirador ganz oben ist fantastisch und der Reisende sollte schon alleine deswegen der Gedenkstätte einen Besuch abstatten und sie nicht nur von weitem fotografieren.

Im Erdgeschoss des sternförmigen Bauwerkes ist ein Museum beheimatet, das Auskunft zu Leben und Werk des Poeten gibt. Briefe und alte Fotografien auf Schautafeln gehören genauso zum Inventar wie eine Kopie des Säbels von Simon Bolivar, dem Bruder im Geiste, gestiftet von Hugo Chavez, dem verstorbenen Präsidenten Venezuelas.

Der Lift, der, der 567-stufigen Treppe unbedingt vorzuziehen ist, bringt den Besucher in weniger als 30 Sekunden zur Aussichtsplattform, die Fenster gewähren einen guten Rundumblick und lassen bei gutem Wetter Fernsichten bis zu 60 Kilometer weit zu. Die Hauptstadt liegt einem quasi zu Füßen und die Besucher des Revolutionsplatzes und Ihre Fahrzeuge mutieren zu Spielzeuggröße. In jedem der fünf Flügel wurden die Himmelsrichtungen und wichtige Weltstädte mit der zugehörigen Entfernung in den Boden eingelassen, ich lerne dass Berlin 8374 Kilometer in nordöstlicher Richtung liegt. Nach Miami - Traum vieler Kubaner - sind es nur 365 Kilometer, zumindest den Zahlen nach sehr nahe!

Beim Verlassen des Gebäudes fällt mir die 17 Meter hohe Marti-Statue ins Auge, die Größte im Lande. Sie zeigt den Poeten in Denkerpose. Was mag er hinsichtlich des langsamen unaufhaltbaren Umbruches, der sich gerade auf der Insel vollzieht wohl denken...?

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