Die nasse Seite des Mondes: Kalt, aber schön


Folgen sie uns weiter auf den Spuren der ersten Mondlandung und auf dem Camino Real durch den Páramo de la Cruz Verde, nur 30 Minuten von Bogotá entfernt. Durch das „Meer der Stille“ reisen wir auf unserer „Erdumwanderung“ wie die Muiscas von der Lagune Teusacá bis zum „Mondberg“

“The Eagle has landed” funkte Neil Armstrong seinen Kollegen in Houston, als die gleichnamige Mondfähre nach viereinhalb Tagen am 20 Juli endlich auf der Mondoberfläche gelandet war. Adler gibt es im Páramo des Naturparks Mataredonda schon, Kondore leider nicht. Während sich der Der US-amerikanische Weißkopfseeadler, das Wappentier der USA, seit den 1960er Jahren, also seit der Apollo-11-Mission in deren Siegel er ebenfalls prangt, mehr und mehr erholt hat und heute nicht mehr als gefährdet gilt, ist sein kolumbianisches Pendant, der Andenkondor, zumindest in Kolumbien, fast ausgestorben. Nur noch 180 Tiere sollen in punktuellen Gegenden des nördlichsten Landes Südamerikas leben. Neue Auswilderungsprogramme laufen nur beschwerlich an.

Auch eine andere vormals endemische Art hat es schwer. Der Oso Anteojo (dt. Brillenbär) ist der einzige freilebende Bär in Südamerika und kann bis zu 190 Zentimeter groß und 175 Kilogramm schwer werden. Seinen Namen erhielt er aufgrund seiner markanten Gesichtsfärbung.

Im Páramo von Mataredonda

Seit 1973 wird er von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) als gefährdet aufgelistet. Seit 1977 ist er auch Teil des Washingtoner Artenschutzabkommens, trotzdem geht man davon aus, dass die Bestände weiter zurückgehen und ab 2030 als vom Aussterben bedroht gelten werden.
Für ganz Kolumbien schätzt man, dass es noch 6.000 Tiere gibt - 200 werden pro Jahr in den Ländern der nördlichen Anden erlegt. Im Páramo von Mataredonda wurde er seit langem nicht mehr gesichtet. Da der Brillenbär ein Allesfresser ist, stellt er für den Menschen keine Gefahr da, trotzdem sollten Sie ihm bei einer zufälligen und eher außergewöhnlichen Begegnung nicht streicheln. Bleiben Sie lieber bei der Vogelbeobachtung. Diese wird von vielen Tourismusagenturen als Highlight beschrieben.

Weltraummüll im Páramo

Nachdem Neil Armstrong und sein Kollege Buzz Aldrin ihren Vogel gelandet hatten, machten sie sich für den Ausstieg bereit. Doch bevor Armstrong seinen markanten Stiefelabdruck in den Mondstaub drückte und seinen noch markanteren filmreifen Spruch an die Millionen von Zuhörern weltweit rief, bekam er von Aldrin aus der Raumkapsel noch den vier Tage alten Müll zugeworfen. Urinbeutel, Lebensmittelverpackungen und anderes nicht mehr benötigtes Material wurden in einem etwa einen Meter großen Stoffbeutel gesammelt und musste direkt bei der Landung entsorgt werden, um die im Orbit wartende Columbia für den Rückflug zur Erde möglichst leicht zu machen.

So kam es zu dem denkwürdigen Ergebnis, dass bevor noch der erste Mensch den Mond betreten hatte, sein Müll schon da war. Zu diesem Stoffbeutel der genau wie auch das US-Sternenbanner nach dem Start der Mondfähre verbrannte, kamen im Laufe der nächsten Jahrzehnte weitere 200 Tonnen Schrott hinzu - unter anderem ausgebrannte Raketenstufen, ein Mondauto und ein paar Golfbälle des Astronauten Alan Shepard.

Auf diese menschliche Unsitte seinen Müll in fremden Gegenden liegen zu lassen, wird auch am Eingang zum Naturpark Mataredonda hingewiesen. Nehmen Sie deshalb bitte ihre Lebensmittelverpackungen und Urinbeutel wieder zurück zur Erde und nach Bogotá. Sie können gerne mit Ihrem Präsidenten telefonieren, wie es die beiden Astronauten vor 50 Jahren getan haben, nehmen Sie aber bitte keine Gesteinsproben mit und hießen Sie nicht Ihre Flagge, denn auch diese kann in den starken Winden bald zu Müll werden.

In ähnlicher Weise wird uns dies auch von Víctor Julio Sabogal Mora erklärt. Er ist Nachkomme der gleichnamigen muisca Familie, die seit knapp 400 Jahren die Gegend des Páramo bewohnt. Bekannt wurden die Sabogales besonders als Chirrinchi-Produzenten, einem seit der Kolonialzeit illegal fermentierten, alkoholhaltigen kolumbianischen Traditionsgetränk. Sein Vater beschloss vor dreißig Jahren die Landwirtschaft aufzugeben und auf seinem privaten Grund den Naturpark Mataredonda zu gründen. Dieser befindet sich auf dem 87.000 Hektar großen Páramo de la Cruz Verde (dt. Páramo des Grünes Kreuzes). “Es gibt nur einen Hahn und eine Henne, der Rest ist Teil des Parks“, mit diesem wollen die Sabogales “Wasser, Erde und Luft schützen”.

Der Camino Real nach Choachí

Der Páramo ist ein komplexes Ökosystem, das fast ausschließlich im nördlichen Südamerika vorkommt. Es wird als eine tropisch-äquatoriale Hochlandsteppe oder auch als Bergtundra bezeichnet. Über die Hälfte der weltweit vorkommenden Páramos befinden sich in Kolumbien. Das Wort Páramo stammt aus dem Altspanischen und bedeutet "schlechtes, baumfreies Land", was darauf hinweist, wie die ersten Konquistadoren im 16. Jahrhundert dieses einmalige Ökosystem und seine Wert sahen. Victor malt uns im großen rustikalen Empfangs- und Wirtschaftsgebäude einen Weg auf, da wir entschieden haben nicht die bekannten und gut ausgeschilderten Wanderrouten zu beschreiten, sondern uns auf neue Entdeckungen zu begeben. Wir wollen den Camino Real nach Choachí folgen. Der sogenannte „Königliche Weg“ ist ein noch teilweise gepflasterter etwa ein bis anderthalb Meter breiter Pfad, der sich von Mataredonda bis fast in das Dorf Choachí zieht. Angelegt wurde er vor über 500 Jahren von den Muiscas, um den Handel mit den unterschiedlichen Siedlungen der Region zu fördern.

Auch wurde der Weg für die rituelle „Erdumwanderung“ benutzt. Die indigenen „Muiscanauten“ liefen damals die fünf heiligen Lagunen ihrer Welt ab: Guatavita, Guasca, Siecha, Ubaque und eben Teusacá. Letztere befindet sich im Naturpark Mataredonda.

Ob diese „Muiscanauten“ die gleichen Gedanken hatten wie die beiden Astronauten, die 400 Jahre später im Mare Tranquillitatis, dem als „Meer der Stille“ genannten Landeort der Eagle-Mondkapsel, umherwanderten, ist nicht bekannt. Dass die Stille aber etwas ist, der man auf seinem Weg durch den Páramo lauschen kann, lässt sich gut begreifen, während wir von Stein zu Stein hüpfen, um das Meer unter uns zu überqueren. Kurz nach der kolumbianischen Unabhängigkeit 1810 ließ der Ururgroßvater von Victor den Weg befestigen und ausbauen. Damit verband er die Hauptstadt Bogotá über den Páramo bis in die östlichen Ebenen, den Llanos Orientales. Heute ist der Saumweg ein geschütztes historisch-kulturelles Denkmal.

  • Unser Blogger in Kolumbien

    Stephan Kroener hat einen Großteil der letzten Jahre in Kolumbien verbracht. Seit 2018 unterstützt er avenTOURa mit Erlebnisberichten zu seinem Lieblingsland.

avenTOURa ist mit Auszeichnungen und Mitgliedschaften seit mehr als 20 Jahren in der Touristikbranche etabliert.