Die Schatzinsel: Isla de la Juventud


Es war in einem meiner ersten Jahre auf Kuba und ich fühlte mich etwas gestresst in Havanna, als mir unser Büroleiter Jorge riet: "Wenn Du Ruhe suchst, dann flieg auf die Isla de la Juventud, die kennst du ja noch nicht!". Und so stand ich einige Tage später am Hafen von Nueva Gerona, der Hauptstadt der "Insel der Jugend"...

Ich hatte die Schnellfähre benutzt, die von Batabano aus zweimal täglich zur Isla de la Juventud übersetzt. Die Fahrt dauert etwa drei Stunden. Der klimatisierte Passagierraum darf während der Fahrt nicht verlassen werden. Wie auf Kuba üblich, läuft die Klimaanlage darin auf Hochtouren, was nicht selten zu unterkühlten Passagieren führt. Dies sind vor allem Touristen, die zum ersten Mal auf Kuba sind und nicht gewohnt sind, sich, trotz tropischer Temperaturen, bei solchen Fahrten mit Decken und warmer Kleidung einzupacken. Sobald wir in Nuevo Gerona anlegten, war das Frösteln aber schnell vorbei und ich beschloss bei zukünftigen Besuchen dieser Insel den ca. 30-minütigen Flug zu bevorzugen. Die Isla de la Juventud soll angeblich als Vorlage für den Roman Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson gedient haben. Schnell stellte sich heraus, dass Jorge Recht gehabt hatte: Die Isla de la Juventud war ein Hort der Ruhe – sofern man nicht ausgerechnet im zentralen Geschehen der Calle Marti, der einzigen belebteren Straße, sitzt. Die Sehenswürdigkeiten Nueva Geronas lassen sich an einer Hand abzählen und können gut an einem Tag besichtigt werden. Das ehemalige Gefängnis Presidio Modelo, das kleine Museum am Parque Heroico und die Finca El Abra, in der Jose Marti für kurze Zeit im Exil lebte. Selbst für einen kurzen Strandbesuch an der bekannten, dunkelsandigen Playa Bibijagua bleibt Zeit.

Strand am Punta Frances

Höhlenmalerei

Leuchtturm Carapachibey

Presidio Modelo

Schatzsuche im Süden

Doch meine Kollegen vom örtlichen Büro hatten noch einen weiteren Tipp für mich parat. Dieser stellte sich als Hauptgewinn für meine Erholungssuche heraus. Ich beschloss in die Südzone der Insel zu fahren, in die sich nur wenige Urlauber verirren, aufgrund notwendiger Genehmigung, die vorab eingeholt werden müssen und schlechter Wegstrecken. Zu Unrecht, wie sich herausstellte. Die komplette Südhälfte der Isla de la Juventud ist Sperrzone. Gerüchten zufolge, soll hier das Militär geheime Stützpunkte unterhalten. Dies kann ich jedoch von keinem meiner – inzwischen zahlreichen – Besuchen dort bestätigen.
Kurz nach der Grenze zur "Zone" biegt eine circa 20 Kilometer lange Piste nach Osten zum Meer ab. Am Ende der Strecke, kurz vor der Küste, befindet sich eine meteorologische Station, die der Hurrikan-Überwachung dient, sowie mehrere Höhlen, die vor hunderten von Jahren Eingeborenen Schutz boten und für religiöse Zeremonien benutzt wurden. Noch heute zeugen etliche Wandmalereien davon. Zumeist sind es konzentrische Kreise oder Kreuze, die einen astrologischen Bezug nahe legen. Ein weiteres Highlight ist der Leuchtturm Carapachibey, einer der höchsten Lateinamerikas. Mit ein wenig Glück lässt der Wärter einen hinaufsteigen und es bietet sich dem Besucher ein grandioser Rundumblick über die Südzone und das karibische Meer.

Am Ende des Weges, der selbst mit geländegängigem Fahrzeug viel Geduld und Sitzfleisch erfordert, liegt schließlich der kleine Fischerort Cocodrilo (ehemals Jacksonville), gegründet von Aussiedlern der Cayman-Inseln. Auf Anfrage bekommt man hier vorzügliche Fischgerichte von Privat gekocht und für den Hunger zwischendurch. Früher gab es hier am Ortsrand auch eine kleine Schildkrötenfarm, die aber durch einen Hurrikan fast komplett zerstört wurde. Heutiges Highlight des kleinen Örtchens sind die nahen Sandstrände bei Punta Frances, die den Cayos im Norden Kubas hinsichtlich Bade- und Schnorchelvergnügen in Nichts nachstehen.

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