Ein Hauch Modernität im Land der Oldtimer


Früher hätte man vor einer Reise nach Kuba gesagt: „Jetzt schalte ich ab, ich bin zwei Wochen nicht erreichbar“ oder, wie in dem Bestseller von Hape Kerkeling formuliert „Ich bin dann mal weg“. Urlaub war zu diesen Zeiten anders definiert und man hatte zwei Wochen lang Zeit und Ruhe,um z.B. endlich das längst gekaufte Buch zu lesen. Besonders Kuba war der perfekte Ort dafür, um der Überflutung an Informationen zu entfliehen. Doch der Wandel der Zeit, auch als 4. Industrielle Revolution oder Industrie 4.0 bekannt, macht auch auf Kuba keinen Halt...

Das Internet hat mittlerweile die Insel erreicht und ist mit mehr als 725 WLAN-Hotspots (Stand Juli 2018) über das ganze Land verteilt. Jetzt gibt es keine Entschuldigung mehr, um sich nicht während des Urlaubs zu Hause zu melden. So kann man schnell mit dem Smartphone vom Parque del amor ein tolles Urlaubsbild an Freunde und Verwandte in der Heimat senden. Wo das ist? Wir haben für Sie hier die WLAN-Hotspots in einer Tabelle nach Regionen zusammengestellt.
Sicherlich ist das für alle Reisenden, deren Smartphone-Nutzung zur Normalität oder auch zur Notwendigkeit geworden ist, von Vorteil, wenn man sich beispielsweise mitten in der Sierrita am Rande der Sierra Maestra im Osten Kubas über Google Maps orientieren möchte. Das ist besonders auch für all diejenigen eine kleine Hilfe, die in Zeiten der schnellen Kommunikation nicht den Anschluss verlieren möchten. Reisende, die sich ganz individuell und unabhängig mit dem Auto, öffentlichen Bus oder Fahrrad auf Kuba bewegen möchten, werden es zudem zu schätzen wissen.

WLAN Hotspot am Boulevard San Rafael in Havanna

An vielen Orten kann es so sein, dass Sie nicht mehr nach einem WLAN-Hotspot suchen müssen. Es genügt, wenn Sie sich an der Versammlung von immer mehr, aber nicht nur jungen Kubanern, orientieren, die starrend auf Ihre Smartphones blicken. Auch Touristen sitzen oder stehen öfters in Empfangsnähe, um für sich so viele MBs wie möglich zu nutzen. Dieses, für kubanische Verhältnisse ungewöhnliche Bild, das früher eher für das Schlange stehen der Kubaner typisch war, die mit der Versorgungskarte libreta an den Lebensmittelverteilungspunkten die subventionierte Ware abholen wollten, wird heute durch die Reisenden mit ihrem Rucksack, kurzen Hosen und Wanderschuhen nicht nur ergänzt, sondern, wie ich meine, vervollständigt. Dieses Bild von den vielen öffentlichen und immer mehr werdenden WLAN-Hotspots gehört heute zu Kuba dazu und wird einige Zeit bleiben, bis das Internet flächendeckend auch die privaten Haushalte erreicht. Wenn man bedenkt, dass die Insel auf Grund Ihrer internen strukturellen Schwierigkeiten, verstärkt durch die seit Jahrzehnte anhaltende US-Wirtschaftsblockade, nicht in der Lage war, das Internet für alle zugänglich zu machen, so kann die aktuelle Entwicklung als eine kleine Revolution, als ein Hauch Modernität im Land der Oldtimer angesehen werden. Erst seit der Aktivierung der Glasfaserverbindung ALBA in Venezuela im Jahr 2012 hat sich auch für Kuba ein neues Kapitel in der Verbreitung des Internets eröffnet.

Das Internet war schon in der politischen Agenda Fidel Castros und Hugo Chavez Thema gewesen. Sie wird mit den gegenwärtigen Möglichkeiten umgesetzt und auch wenn das Internet auf Kuba nicht kostenlos ist, belegen die Zahlen von ETECSA (Telekommunikationsdienstleister Kubas) aus dem Jahr 2017, dass mehr als vier Millionen Kubaner Zugang zum Internet hatten. Das sind mehr als 40 % der Bevölkerung, weshalb das Jahr 2017 als Internetboom auf der Insel verstanden wird. Entgegen der allgemeinen Vorstellung, dass gerade die Social Media Portale wie Facebook, WhatsApp und Messenger auf Kuba blockiert werden, bedienen sich die Kubaner gerade dieser Medien, um in Kontakt mit Freunden und Angehörigen im Ausland zu bleiben. Die kubanischen Behörden starteten das Pilotprogramm „Nauta Hogar“, um mehr als einer halben Million Familien Internetzugang zu ermöglichen, aber die monatliche Rate von 17$ bis 80 $, abhängig von den gebuchten Stunden, sind auf der Insel hohe Tarife, die sich nicht jeder leisten kann. Auch, wenn diese Dienstleistung einiges kostet, hat das erfinderische Talent in der Not dazu geführt, dass geschickte kubanische IT-Tüftler das Netz von ETECSA klonten und das Telefon und den eigenen Rechner in einen Hot-Spot verwandelten, um unerlaubte WLAN-Zugangspunkte zu niedrigeren Kosten anzubieten. Der neue kubanische Präsident Miguel Diaz-Canel hat auch die Weiterentwicklung des Internets auf der Insel in der letzten Vollversammlung der Partei zum Thema gemacht und plädierte für die Stärkung der „kubanischen Werte der Revolution“ gegen die „Hegemonie der amerikanischen Kultur“.

Aber liebe Leserinnen und Leser, soweit wollte ich mit der Frage der Funktionalität und den Tipps für eine WLAN-Verbindung auf Kuba nicht gehen. Doch wie so vieles, das Kuba betrifft, landet man plötzlich bei politischen Themen. Wie auch immer sich das Internet auf der Insel entwickeln mag und wie viele Hot-Spots eingerichtet werden, die Besucher haben immer noch durch den Ausschaltknopf des Smartphones die Wahl, zur Entspannung und zum guten Buch in der schönsten Zeit des Jahres kommen zu können oder nicht.
Für heute schalte ich ab und bin dann mal weg...

  • Zuständigkeit

    Marketing und Kommunikation; Reiseberatung und Produktmanagement Kolumbien

    Reiseerfahrung

    Mittel- und Südamerika, Nordafrika und Europa

    Lieblingsstädte

    Havanna, Cartagena de Indias, Villa de Leyva, Paris, Florenz

    Lieblingsgebiete

    Karibik, die Anden

    Mein Herz schlägt für

    Meine Familie

    Der besondere Tipp

    Der Sonnenuntergang im Tal von Viñales mit Blick auf die Mogotes und dort in einem Schaukelstuhl sitzend eine Cohiba und einen Mojito genießen.

    Hobbies

    Fotografieren, Reisen, Fahrrad fahren, Lesen

    Mein Lebensmotto

    Frei nach Heraklit: "Alles fließt"

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