Expedition durch den Humboldt-Park (Teil 2)


Der Alexander-von-Humboldt-Nationalpark im östlichsten Teil Kubas ganz in der Nähe des kleinen Küstenstädtchens Baracoa, ist mit seinen knapp 600 km² nicht nur der größte Kubas, sondern auch einer der schönsten und faszinierendsten Nationalparks der größten der Antilleninseln. Benannt nach dem berühmten deutschen Naturforscher, der Kuba Anfang des 19. Jahrhunderts ausführlich bereist und beschrieben hatte, ist der Park bislang eines der noch am wenigsten erschlossenen Naturschutzgebiete, lediglich ein verschwindend kleiner Teil am nordöstlichen Rand konnte bis vor kurzem von Urlaubern besucht und bewandert werden, was der Flora und Fauna dieses Gebietes sicherlich nicht geschadet hat.

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Die Theorie

Wir hatten bei unserem Aufenthalt in Guantanamo wichtige Verbündete für unser Vorhaben der Parkdurchquerung gewonnen. Sowohl der Verantwortliche der Umweltbehörde CITMA, als auch die Zuständigen des Tourismusministeriums und angeschlossener touristischer Organisationen waren von der Idee begeistert, zumal hier nicht nur ein Plan vorhanden war, sondern die Touristengruppen auch schon real vorhanden und somit auch die kommerzielle Seite abgesichert war. Man muss sich aber in Kuba immer darüber im Klaren sein, dass ein derartiges kommerzielles Vorhaben nicht wie in anderen Ländern schon allein aufgrund des zu erwartenden Geldes von den Behörden durchgewunken wird, hier spielen oft auch andere Dinge eine wichtige Rolle und so musste ich noch ein halbes Jahr warten bis endlich die Genehmigung für mich eintraf, den Park zum Zwecke einer kommerziellen Unternehmung zu durchwandern.

Unsere erste Expedition sollte die Erkundung einer Route zum Ziel haben, auf der später die Touristengruppen in einem 4-tägigem Trek von der Südwestseite des Parkes bis zum Meer auf der Nordseite wandern sollten. Ich hatte mich in die Literatur zum Humboldtpark vertieft und den Behörden und Organisationen vorgeschlagen in der Nähe des Ortes Palenque zu starten und in einem ersten zweitägigen Abschnitt zum kleinen Örtchen La Melba ins Parkzentrum vorzustoßen. Hier gab es eine Zufahrtsstraße von Norden, die die Waldarbeiter hier als Versorgungsweg nach Moa ca. 50 km entfernt nutzten. Auch für mich war es wichtig zu wissen, hier eine Möglichkeit zu haben, im Falle von Notfällen bzw. Erkrankung von Kunden Hilfe holen bzw. diese evakuieren zu können. Zudem war der Ort ideal für einen kulturellen Austausch mit den Einheimischen und Arbeitern. Ich hatte vor hier eine kleine 'Fiesta Cubana' mit Spanferkelessen organisieren lassen. Der zweite Abschnitt sollte dann die Überquerung des Bergrückens 'Alto de Iberia' zum Inhalt haben, an dessen Nordseite in der Nähe des Meeres dann der schon vorhandene Wanderweg 'Balcon de Iberia' erreicht würde. Dieser wäre dann der Abschluss des Trekkings, gefolgt vom Transport ins nahe Baracoa mit dem Gruppenbus.

Soweit zur Theorie, die sich nach unserem Eintreffen am Vorabend der ersten Expedition in einem Gespräch mit den örtlichen Vertretern der Behörden als nicht komplett durführbar herausstellte. Die Genehmigung für den Wanderabschnitt über den Alto de Iberia lag wegen angeblicher Undurchführbarkeit nicht vor, protestieren half nichts. Somit waren wir gezwungen ab Melba die Route entlang des Rio Jaguani zu nehmen und zu hoffen, dass diese auch für Touristengruppen durchführbar wäre. Aber gut, zumindest den ersten Abschnitt ins Parkinnere hatte man unverändert übernommen und mich trennte nur noch eine Nacht von einer meiner faszinierendsten Touren, die ich in Kuba kennenlernen durfte.

Die Praxis

Im Morgengrauen hielt der Chauffeur, der uns an den Rand des Parkes bringen sollte, vor dem kleinen Hotel Marti in Guantanamo und wir starteten unsere Tour. Unsere Expedition bestand aus 5 Mitgliedern, Erik und Norge, zwei kubanische Reiseleitern der staatlichen Agentur Cubanacan, die später die Gruppen betreuen sollten, Eduardo, ein älterer Mitarbeiter von Cubanacan, der später die Kommunikation mit den örtlichen Behörden als Auftrag hatte, Jorge, ein Vertreter der CITMA-Behörde ... und ich. Wir hatten Gepäck für 3 bis 4 Tage vorbereitet, dass später von Mulis durch den Park transportiert werden sollte.

Wir kamen mit dem Wagen bis an eine kleine Brücke über den Rio Rijito, wenige Kilometer hinter Palenque. Ein Teil war nach starken Regenfällen weggeschwemmt worden und so waren wir gezwungen unser Gepäck zu schultern und die Wanderung begann. Erstes Ziel war der kleine Ort Rijito, wo wir ein kleines Besucherzentrum besichtigten. Hier, so der Plan für unsere Gruppen, sollte in Zukunft der Empfang durch die Parkleitung sowie eine Einführung mit Landkarten stattfinden, um die Kunden über Route und weitere Details des Treks zu informieren. Nach kurzem Halt ging es für uns weiter und wenig später standen wir am Parkeingang, gekennzeichnet durch ein großes Holzschild und ein verlassenes Wachhäuschen. Wie vormals Boris Becker sagte ich leise zu mir: "Ich bin drin!"

Die ersten Kilometer waren einfach gewesen, wir wanderten auf breiten Wegen der Landarbeiter und erreichten gegen Mittag deren kleines Camp Ojito de Agua, unser heutiges Etappenziel. Mehrere Holzhütten, eine kleine Radiostation und Küche versorgen die Arbeiter hier mit dem Nötigsten. Heute war unser Besuch und die anstehende Expedition natürlich das Gesprächsthema Nummer eins! Man zeigte uns einen kleinen Hochstand ganz in der Nähe, leider stark baufällig und ich wies die Arbeiter darauf hin, dass aus Sicherheitsgründen vor einer Renovierung kein Kunde diesen benutzen werden könne, man versprach mir bis zum Eintreffen der ersten Kunden Abhilfe zu schaffen. Obwohl nicht ganz ungefährlich kletterte ich nach oben und wurde mit einem herrlichen Rundumblick belohnt, weitere sollten in den nächsten Tagen folgen.

Am Nachmittag präparierten wir unsere Vorräte für die nächsten Tage. Ein Waldarbeiter, der uns mit dem Muli bis La Melba begleiten sollte, packte Macheten und eine Motorsäge mit ein. Wir waren nicht sicher was uns in den nächsten zwei Tagen erwarten würde und wollten auf Nummer sicher gehen. Ich wurde gefragt wieviel Wasser ich für die Wanderung benötigen würde, Norge war dabei die Wasserflaschen abzuzählen. Meine Antwort überraschte ihn wie auch die anderen. "Ich trinke kein Wasser, für mich brauchst Du nichts einpacken." Er stutzte, fragte nochmals, schließlich würden wir die nächsten Tage ca. 70 km zu Fuß zurücklegen und es erschien ihm undenkbar dies ohne Wasser zu tun aber ich blieb dabei. Ich hatte mein eigenes Dopingmittel dabei und bereits im Rucksack verstaut. Drei Dosen TuKola, mein Lieblingsgetränk.

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