Expedition durch den Humboldt-Park (Teil 3)


Früh am Morgen, kurz nach dem Hellwerden geht es heute los; wir haben uns zum Ziel gesetzt La Melba im Zentrum des Humboldt-Nationalparks zu erreichen – immerhin knapp 40 Kilometer! Später sollen die Wandergruppen dann die Tour in zwei Etappen absolvieren mit einer Zwischenübernachtung im Zelt.

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Uns begleitet ein Maultier zum Tragen des Gepäcks sowie zwei Waldarbeiter, die die Wege hier kennen und mit Macheten und Motorsägen ausgestattet sind, um schlecht begehbare Stellen frei zu machen und zu säubern. Die ersten Kilometer erscheinen noch recht einfach. Wir wandern durch breite Schneisen, die von den Waldarbeitern zum Abtransport von Baumstämmen in den Wald geschlagen wurden und wir kommen gut vorwärts. Doch kurz später verengen sich die Wege zu Pfaden, die manchmal nicht einfach zu erkennen sind. Ohne unsere erfahrenen Begleiter würden wir uns hier hoffnungslos verirren. Das macht es natürlich auch interessant und spannend, die Abenteuerlust wird geweckt und die nächsten Stunden des Wanderns vergehen wie im Flug. Es geht anfangs stetig aufwärts, hinauf zum "Loma del Mulo", der höchsten Erhebung in diesem Parkbereich. Je höher wir kommen, desto öfter ergeben sich herrliche Rundumblicke über die benachbarten bewaldeten Berge, immer weder unterbrochen von kleinen Tälern mit Flussläufen und Bächen, die von kleinen Wasserfällen gespeist werden.

Flussüberquerung

Es ist kurz nach 11 Uhr vormittags als wir den Rio Jaguani erreichen, neben Toa und Duaba einer der größten Flüsse dieses Teiles von Kuba. Gerade in der Regenzeit schwellen die Flüsse oft nach starken Regenfällen an und die Parkdurchquerung wird unmöglich. Wir sind – Gott sei Dank – in der Trockenzeit unterwegs, so wie später die Reisegruppen und müssen daher diese Befürchtung nicht haben. Heute ist der Jaguani nur relativ schmal und wir haben keine Mühe ihn zu durchwaten, lediglich das Maultier stellt sich etwas störrisch an, aber mit etwas gutem Zureden und einem Zuckerli geht es dann doch weiter! An der Nordseite des Flusses geht es entlang durch bewaldete Uferhänge. Wir schlagen uns mit den Macheten etwas nach oben durch, hier ist es etwas einfacher zu laufen. Ich spreche mit den Waldarbeitern ab, diese Route in den nächsten Wochen gut freizulegen und etwas zu säubern, damit es später für die Gruppen etwas einfacher wird. Sie versprechen mir das auch und ich habe im Kopf schon die nächste Prospektion vor mir um zu überprüfen, ob alles dann auch umgesetzt wird was wir hier besprechen. Vertrauen ist gut in Kuba, Kontrolle jedoch besser!

Am frühen Nachmittag erreichen wir den Zusammenfluss von Rio Piloto und Rio Jaguani. Hier soll laut Planungen die Zeltübernachtung stattfinden. Wir sind seit knapp 7 Stunden unterwegs, mehr kann man Touristen im Urlaub nicht zumuten. Wir packen unseren Mittagsproviant aus und setzen uns an das Ufer des Flüsschens um zu verschnaufen. Unsere Füße sind für das Bad im kühlen Nass äußerst dankbar, aber wir wissen, dass die Rast nur kurz sein darf. Wir haben noch ein großes Stück Wanderung vor uns! Eine kurze Erkundung der Umgebung führt uns zu einem freien betonierten Platz, vormals Boden eines Waldarbeiterhauses. Für uns die Ideale Stelle für das Zeltcamp. Die Waldarbeiter werden dahingehend instruiert, den Platz dementsprechend herzurichten.

Eine alte, fast verfallene Holzbrücke über den Rio Piloto erleichtert uns die Querung. Es geht jetzt ostwärts den Jaguani entlang bis wir nach weiteren zwei Stunden Wanderung eine ehemalige kleine verfallene Waldarbeitersiedlung erreichen. Hier treffen wir auch auf die, in den Karten des Parkes, eingezeichnete kleine Straße. Wir können Macheten und Motorsägen vorerst einpacken. Eine kleine Gruppe Reiter nähert sich uns neugierig. Unser CITMA-Teilnehmer gibt Entwarnung, er kennt die Leute, sie kommen aus La Melba und hielten seit geraumer Zeit schon nach uns Ausschau. Die letzten sieben Kilometer bis La Melba sind dann zwar einfach zu wandern auf der kleinen Straße entlang des Flusses, aber die Beine sind müde und die Füße nach knapp 35 Kilometern und über 10 Stunden wund gelaufen. Endlich, kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir die ersten Häuser des kleinen Ortes. Euphorie macht sich breit und als wir am Besucherzentrum der Parkverwaltung eintreffen, ist die Freude bei allen groß und der Empfang herzlich. Es folgt eine kurze Besprechung über das Erlebte und die Planung. Danach veschwinden wir frisch geduscht im Gästezimmer mit seinen vier Hochbetten, um ins Reich der Träume zu entfliehen. Und wenn unser Guide Erik nicht so geschnarcht hätte wäre das wohl auch schnell der Fall gewesen – aber das ist eben Kuba. Es gibt viele Probleme und immer auch eine Lösung derselben. Ich ziehe mit meinem Schlafsack ins Wohnzimmer um und entschlafe seelig...

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