Expedition durch den Humboldt-Park (Teil 4)


Der Ort La Melba liegt zentral im Humboldt Nationalpark. Hier hat die Parkverwaltung ein kleines Besucher- und Verwaltungszentrum eingerichtet. Mir und meinen Kollegen diente es als Übernachtungsort während meiner Prospektionsreisen durch den Park. Der Ort, der hauptsächlich von den im Park beschäftigten Arbeitern bewohnt wird, kann außer einem kleinen Kulturzentrum nichts großartiges aufweisen und trotzdem waren wir jedesmal bei unseren Besuchen berührt von der Herzlichkeit des Empfanges hier.

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Schon beim ersten Besuch hatten wir mit den Bewohnern ausgemacht, für die kommenden Touristengruppen hier eine Fiesta Cubana zu veranstalten mit Spanferkelessen. Man war begeistert, denn so würde auch etwas Geld für die hier Wohnenden hängenbleiben. So ein Spanferkel wird von staatlicher Seite nicht organisiert, sondern muss privat beschafft werden. Wie schon vorab beschrieben hatte man uns für die erste Prospektion den südlichen Weg am Rio Jaguani entlang Richtung Toa als Ausgang aus dem Park genehmigt. Ich nutzte trotzdem die Chance mich bei den Arbeitern zum östlichen Weg über den Alto de Iberia zu informieren, das war die ursprüngliche Idee gewesen um zur Atlantikküste zu gelangen und ich wollte nichts unversucht lassen. Die Arbeiter machten mir auch Hoffnung, Ja, es gäbe Wege, man müsste diese nur herrichten und genehmigen lassen.

Meine Kollegen hatten nur wenig geschlafen die Nacht zuvor. Unser Cubanacan-Guide Erik hatte im Schlaf gefühlt den halben Baumbestand des Humboldtparkes abgesägt. Während ich mich zum Schlafen daher ins Wohnzimmer verkrümelt hatte, waren die anderen geblieben und hatten kaum ein Auge zugetan! Die Stimmung war daher ein wenig getrübt, auch weil uns der örtliche Führer, der uns heute begleiten würde vorgewarnt hatte. Wir würden den Fluss mehrere Male überqueren müssen auf unserem Weg, so hieß es. Wir machten uns also auf und wanderten am Rio Jaguani entlang heraus aus dem Ort. Am frühen Morgen, wenn der Tau noch auf den Blättern funkelt und der Nebel in den Flusstälern hängt, bietet sich dem Besucher dieses Ortes ein fantastisches Bild.

Aber das Wandern auf Geröll den Fluss entlang ließ diese magische Stimmung schnell verschwinden. Schon nach wenigen Stunden hatten wir den Fluss zehnmal kreuzen müssen um vorwärts zu kommen und es war kein Ende in Sicht. Mir und meinen Kollegen war schnell klar: für Touristengruppen ungeeignet! Aber gut, es half ja nichts, wir mussten ja schließlich heraus aus diesem Park. Ein Jeep sollte uns bei Erreichen des Toas erwarten und nach Baracoa zu unserem Hotel bringen. Am kommenden Morgen war unser Rückflug nach Havanna gebucht. Doch der Toa war weit! Unsere Mittagsrast am Fluss nutzten wir zum Kriegsrat. Wie oft würden wir den Fluss noch queren müssen? Wann würden wir am Toa eintreffen? All das waren unsere Fragen an den lokalen Führer. Er blickte etwas zerknirscht und konnte uns keine genaue Zeit nennen, er hatte die Strecke noch nie an einem Tag zurückgelegt!

Ein Lichtblick

Der Nachmittag verging und es wurde Abend.Ddie Stimmung war gedrückt und wir versuchten uns mit witzigen Geschichten über früher Erlebtes bei Laune zu halten. Als wir schließlich kaum mehr die Hand vor Augen sahen, so dunkel war es, bedeutete unser Führer, dass es nur noch viermal galt den Fluss zu queren bevor wir den Toa erreichen würden. Wir waren also ganz nah am Ziel. Aber ich hielt dagegen, dass es in der Dunkelheit ganz unmöglich sei weiterzuwandern, die Gefahr zu stürzen und sich zu verletzen war einfach zu groß. Doch was tun? In diesem Moment, der recht auswegslos erschien rief plötzlich Norge: "Da hinten sehe ich ein Licht!" Und tatsächlich: in kurzer Entfernung konnten wir ein Licht erkennen und als wir uns näherten erkannten wir, dass es sich um einen kleinen Bauernhof handelte.
Stellen Sie sich vor, Sie sind Bauer und wohnen mit Ihrer Familie in einem entlegenen Tal und des Nachts klopfen auf einmal 6 Männer, die recht schmutzig und erschöpft aussehen an Ihre Türe. Wie würden Sie reagieren?

Ich erlebte in diesem Augenblick wieder einmal das Kuba das ich so sehr liebe. Der Grund, warum es mich hierherzog und warum ich vermutlich auch meinen Lebensabend hier verleben möchte! Der Hausherr zögerte keinen Moment als wir baten auf der Veranda nächtigen zu dürfen. Er holte uns herein und der Tisch und Stühle wurde für uns freigemacht. Seine Frau fragte ob wir Hunger hätten, sie würde uns sofort etwas zu Essen machen. Und die Kinder bestaunten uns mit großen Augen! Letztendlich musste nur Erik auf der Veranda schlafen und das auch nur weil wir darauf bestanden, er hatte den Kollegen schon die letzte Nacht gekostet. Für mich als Ausländer und Eduardo, der schon die 60 überschritten hatte, wurde das Ehebett frei gemacht, für die anderen Matrazen in den Flur gelegt. Diese Herzlichkeit und Liebenswürdigkeit der einfachen Leute in Kuba werde ich meinen Lebtag nicht vergessen! Der Abschied am nächsten Morgen fiel herzlich aus, das restliche übrige Geld für Spesen erhielt der Familienvater. Der überglückliche Mann wollte es gar nicht glauben und weigerte sich es anzunehmen. Aber ich bestand darauf!

Was soll ich sagen, am Toa angekommen war der Jeep natürlich weg. Wir drängten uns mit anderen Einheimischen auf einen Laster Richtung Baracoa und als wir in den Ort einfuhren hörten wir schon Propellergeräusche vom nahen Flugplatz. Unser Flug! Wir sprangen vom Laster und hetzten so gut es ging die letzten 200 Meter zum Flugplatz. Und wir hatten unverschämtes Glück, denn es war ein Ersatzflug nach Havanna und es waren Plätze frei, die wir gegen ein kleines Trinkgeld auch bekamen. Kurz nach dem Abheben drehte der Flieger und wir überflogen den Humboldt Nationalpark, den wir erst am Morgen verlassen hatten. Fast glaubte ich sie zu erkennen, die Bauernfamilie, wie sie da unten stand und uns zum Abschied winkte...

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