Expedition durch den Humboldt-Park (Teil 5)


Die Durchquerung des Humboldt-Nationalparkes mit Touristengruppen war viele Jahre unmöglich, nur in Randzonen war es erlaubt für Besucher im Park zu wandern. Zu viele kubanische Institutionen hatten ihre eigenen Interessen im Park und zeigten gegenüber unserem Projekt einer Parkdurchwanderung kein großes Entgegenkommen. Vor Kurzem hat sich nun der Wind gedreht und ich hatte das große Glück mit kubanischen Kollegen den Park mehrfach zu queren, um eine Route für Wandergruppen zu erkunden.

Wie schon in Teil 4 meines Expeditionsberichts beschrieben, hatten uns die Behörden für unsere erste Prospektion nur die Südroute am Rio Jaguani entlang als Ausgang aus dem Park Richtung Baracoa genehmigt. Bei der Durchführung mussten wir dann schnell erkennen, dass die Unwegbarkeiten und Verzögerungen bei der vielfachen Querung des Flusses das Unternehmen für Touristengruppen unmöglich machen würde. So beantragte ich umgehend nach der Rückkehr von der ersten Prospektion bei den Behörden erneut die Erlaubnis ostwärts den Alto de Iberia überqueren zu dürfen, um in der Nähe der Bahia de Taco, ca. 25 km nördlich von Baracoa auf die Küstenstraße am Atlantik treffen zu können. Nach 2 Monaten hielt ich dann endlich die ersehnte Genehmigung des Tourismusministeriums in Händen und die Vorbereitungen für eine erneute Prospektion begannen.

Bahia de Taco

Neuer Weg, neues Glück

Schnell war klar, dass wir die erneute Querung des Parkes im Anschluss an die kubanische Naturtourismus-Messe TURNAT durchführen würden, da diese in besagtem Jahr in Bayamo stattfand und somit die Reisekosten für die kubanischen Kollegen, die mit mir aus Havanna anreisten, niedriger ausfallen würden. Für kubanische Agenturen kein unwichtiger Faktor bei leeren Kassen! Nach einem kurzen Zwischenstopp fand sich unsere Truppe, dieselben Mitglieder wie bei der ersten Prospektion, im kleinen Hotel Marti in Guantanamo ein, um am nächsten Tag die Unternehmung zu beginnen. Im Unterschied zum letzten Mal hatten wir beschlossen, schon am ersten Tag ohne Zwischenübernachtung La Melba zu erreichen. Der Weg war uns ja jetzt bekannt und laut Aussagen der Parkverwaltung auch schon hergerichtet worden. Und so taten wir es dann auch und erreichten nach einem Gewaltmarsch in der Abenddämmerung die kleine Siedlung im Parkzentrum, wo man uns schon erwartete. Der Empfang fiel wie erwartet herzlich aus. Nach einer kurzen Einweisung in die Details der bevorstehenden Wanderung über den Alto de Iberia schliefen wir dann schnell ein. Erik war es diesmal, der sich ein gesondertes Quartier besorgt hatte, um uns durch sein Schnarchen nicht zu stören!

Ausblick auf die Rcükseite von El Yunque

Wir hatten am Vorabend erfahren, dass der Humboldt Nationalpark von der Parkverwaltung in vier Teile aufgespalten war, die eigens ihren jeweiligen Sektor betreuten. Für uns bedeutete dies einen Begleiterwechsel am Alto de Iberia, wo uns laut Aussagen der Waldarbeiter ein Team aus Baracoa empfangen und an die Küste führen würde. Es hörte sich recht einfach und sicher an und so zogen wir gleich nach einem kleinen Frühstück los. Für den ersten Wanderabschnitt entlang der Ausfallstraße Richtung Norden nach Moa hatten wir uns - um Zeit zu sparen - einen Jeep organisiert, der uns die 5 Kilometer bis zur Abzweigung in die Berge brachte. Ab hier ging es dann auf Schusters Rappen Richtung Osten stetig aufwärts, allerdings ohne größere Schwierigkeiten. Je höher wir kamen desto spärlicher fiel der Bewuchs aus und umso herrlichere Rundumblicke ergaben sich. Auch den Yunque, das Wahrzeichen Baracoas konnte man von hier in der Ferne erkennen.

Pünktlich gegen Mittag erreichten wir dann das Hochplateau des Berges. Kein Wald mehr, keine schmerzenden Beine und...kein Team aus Baracoa! Zuerst warteten wir ein Weilchen – niemand hier in Kuba ist pünktlich und im Oriente noch viel weniger. Aber nach einer halben Stunde holten wir dann doch besorgt die Handys aus den Rucksäcken, um das fehlende Team aus Baracoa anzurufen. Doch, wenn es einmal schief läuft, dann richtig! Genau, kein Empfang! Auch das in die Luft recken der Arme nutzte nichts, wir waren in einem Teil des Parkes, der wie es schien außerhalb des Mobilfunkbereiches lag! Aber in Kuba löst sich fast jedes Problem: uns kam Eduardos veraltetes Nokia-Handy zu Hilfe. Da wir ihn die letzten Tage immer wieder aufgezogen hatten, hatte er es zunächst gar nicht erst herausgeholt. Keine Kamera, kein Videoplayer und schon gar keine Stereomusik – ein ganz normales Telefon halt. Nun hatte er es doch in die Hand genommen und siehe da: ein Balken! Ein kleines Bälkchen zwar nur, aber groß genug, um Telefonkontakt zum Team aus Baracoa herzustellen. Die Erleichterung war groß und wir leisteten Abbitte bei Eduardo. Kurz darauf erschien dann auch die verspätete Begleitung und wir machten uns glücklich an den Abstieg Richtung Meer.

Ende gut, alles gut!

Der Abstieg war steil und wir vermerkten das in unseren Notizen. Hier hatten die Waldarbeiter noch Verbesserungen vorzunehmen, um die Touristengruppen nicht zu gefährden. Nachdem wir auch noch einen kleinen Platz an einem kleinen Flusslauf ausgemacht hatten, der später als Zeltplatz für die Wanderer dienen sollte, erreichten wir schließlich den offiziellen Wanderweg Balcon de Iberia auf dessen Rückseite. Macheten und Motorsäge wurden weggepackt, denn von hier aus war es fast ein einfacher Spaziergang im Vergleich zu dem anstrengenden Trek der letzten zwei Tage. Man brachte uns zum Besucherzentrum, wo schon eine Flasche Sekt darauf wartete geköpft zu werden. Wir hatten es geschafft! Nur zwei Monate später trafen die ersten Wandergruppen aus Deutschland ein und absolvierten erfolgreich "unseren" Humboldt-Trek! ...und wann kommen Sie?

Balcon de Iberia

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