Fleischlos glücklich in Bogotá?


Vegetarisch und auch vegan sind keine Fremdwörter mehr in Kolumbien. Vor fünfzehn Jahren bekam man bei der Frage nach fleischloser Kost noch pollo, Hühnchen vorgesetzt. Wenn man auch das ablehnte, blieb nur noch Reis mit Kartoffeln übrig und statt Cola bekam dann aus Vorsicht des Kellners stilles Wasser gereicht.

Doch seitdem hat sich viel geändert. Dort wo sich die Touristen kreuzen, bekommt man nun sehr viel leichter vegetarisch und teilweise sogar veganes Essen. Auch Kolumbianer sträuben sich nun nicht mehr gegen das immer noch aus Sicht vieler magere Essen, auch wenn so manche doch den Salat lieber gegen ein Spiegelei eintauschen. Das hat allerdings einen anderen Grund. Vor allem in Großstädten wie in Bogotá werden Gemüse oft in Flussnähe angepflanzt und mit verunreinigtem Wasser bewässert. Das Klärsystem gehört nicht zu den Prioritäten kolumbianischer Regionalregierungen. Der Rio Bogotá beispielsweise gehört zu den schmutzigsten Flüssen der Welt. Deswegen sollte man Salate gut abwaschen. Kolumbianer nutzen dazu teilweise sogar clorox, ein starkes Chlorreinigungsmittel, ob das nun gesünder ist, lässt sich schwer sagen.

Doch hier eine kurze Liste der besten vegetarischen bzw. veganen Restaurants in und um die Altstadt La Candelaria in Bogotá, bei denen ich esse und nie Beschwerden hatte. Die meisten öffnen nur kurz zur Mittagszeit und nur von Montag bis Freitag, vor allem um die Studenten und Werktätigen satt zu kriegen. Für abends und fürs Wochenende werde ich noch eine gesonderte Liste erstellen. Menüs bestehen aus einer Suppe oder Creme, Hauptgericht inklusive einem Saft und manchmal auch noch einem kleinen Nachtisch.

Ökoladen Aromas del Tierra Orgánica_Stephan Kroener

Donde Lexly
Mercado La Concordia, Calle 12c #1, Mo-Fr von 12 bis 15 Uhr.

Das essen bei Lex, einer stämmigen Costeña, die seit Jahren in Bogotá lebt, ist einfach aber der Hammer. Täglich gibt es drei Gerichte, pollo (Hühnchen, Reis, Kartoffeln, Bohnen und Kochbanane), vegetariano (pollo ohne Hühnchen aber mit Ei) oder vegano (vegetariano ohne Spiegelei). Alle Gemüse, Salate und Eier kommen aus ökologischem Anbau von der Finca der Familie im nahen Silvania, Cundinamarca (bei Wunsch kann man diese auch besuchen und so die Produktion des gerade Gegessenen kennenlernen). Was sie nicht verwendet, wird in dem kleinen Ökoladen Aromas del Tierra Orgánica etwas unterhalb ihres Lokals weiter verkauft (Ein Tipp für alle möglichen essbaren Mitbringsel, @aromas_tierra, Mo-Sa von 10 bis 17 und So bis 15 Uhr). Menü: 7.000 Pesos.

Insider: Der Mercado la Concordia wird seit Jahren umgebaut. Seitdem kochen die Marktfrauen vor dessen Tür in aus Recyclematerial gefertigten chuzos (Kochbuden vor denen einige Bänke und Tische stehen). Eigentlich sollten sie nach dem Umbau wieder zurück in die historische Markthalle von 1934, doch die Stadtregierung hat die Mieten derartig erhöht, dass viele sich das nicht mehr leisten können. Lex wird im nahen Hostel Yepeto, das ihrer Schwester gehört, weiter servieren (Carrera 1Bis #12D-78, @yepeto_hostal).

Integro
Calle 7 #5-12, Mo-Fr von 11 bis 16:30, @restaurante_integro

Es soll ja Leute geben, die denken Vegetarier können nicht essen, hier werden sie belehrt. Die Portionen sind riesig. Hinter einer einfachen grünen Metalltür bekommt man täglich wechselnde Menüs geboten (Tipp: ich bevorzuge die Lasagne, dienstags, oder die Paella, donnerstags, wer aber mal etwas anderes probieren mag, sollte sich die Bandeja Paisa Vegetariano, immer freitags, nicht entgehen lassen). Auch vegane Optionen, selbstgemachtes Tofu, Gluten und vegetarische Tamales To-Go. Menü: 16.000 Pesos.

Herbolario
Calle 6c #7-25, Barrio Santa Barbara, Mo-Fr von 08 bis 16 Uhr, @casaherbolario.

Direkt hinter der Kirche von San Augustin gegenüber des Präsidentenpalast. Vegan und gesund, jeden Tag bekommt das Menü einen anderen internationalen Dreh- und Angelpunkt. Die Portionen sind relativ klein, dafür sieht und schmeckt man ihnen den Einfallsreichtum der peruanischen Köchin und Inhaberin Alma an. In das wunderschön hergerichtete Kolonialhaus, einem der letzten des Viertels, kommen vor allem viele Beamte aus den umliegenden Ministerien zum Essen. Im zweiten Stock, mit viel Licht und Grünpflanzen. Tipp: Samstags werden ganzheitliche Naturheilkurse angeboten. Menü: 18.000 Pesos.

Weitere vegetarische Optionen bieten:

  • Das ReverdeSer mit seiner auf makrobiotische Ernährung spezialisierten Küche (Calle 17 # 2-46, Mo-Fr von 12 bis 16 Uhr, Tel.: (1) 2840 820, @ReverdeSerCocina, Preis 13-17.000 Pesos)
  • Das für meinen Geschmack etwas zu touristische Dos gatos y Simone mit guten, klassischen Salaten (Carrera 2A #16A-04, Mo-Fr von 07 bis 21, Sa von 12:30 bis 21 Uhr, Tel.: (1) 2817 095, @dosgatosysimone, Preis: 17-32.000 Pesos)
  • Das Loto Azul, hat einen spirituellen Ansatz, der sich aber nicht aufs Essen auswirkt, dafür gibt es Yoga-Kurse zum Nachtisch (Carrera 5Bis #12C-02, Mo-Fr von 07 bis 17:30, Sa 08 bis 16, So 12 bis 16 Uhr, Tel.: (1) 2828 686, @lotoazulveg, govindaslotoazul.com, Preis 11- 14.500 Pesos)
  • und das meiner Ansicht nach stark überbewertete Quinua Amaranto (Calle 11 # 2 – 95, Di-Fr von 08:30 bis 19, Sa-Mo von 09 bis 16 Uhr, Tel.: (1) 3363 409, quinuayamaranto.com.co, Preis: 18.000 Pesos).

Aber macht euch gerne ein eigenes Geschmacksbild.
Guten Appetit.

  • Unser Blogger in Kolumbien

    Stephan Kroener hat einen Großteil der letzten Jahre in Kolumbien verbracht. Seit 2018 unterstützt er avenTOURa mit Erlebnisberichten zu seinem Lieblingsland.

avenTOURa ist mit Auszeichnungen und Mitgliedschaften seit nahezu 25 Jahren in der Touristikbranche etabliert.