Gibara - das Trinidad des Nordens?


Der kleine Fischerort Gibara an der Nordküste der Provinz Holguin, wegen der weißgetünchten Fassaden seiner Häuser auch "La Villa Blanca" genannt, führte bislang ein beschauliches und ruhiges Dasein im Schatten der Baderegion rund um Guardalavaca. Nur wenige Touristen verirrten sich hierher, um den Charme dieses Ortes zu genießen, der Ende des 19. Jahrhunderts viele vor dem kubanischen Bürgerkrieg geflohene spanische Familien aus Holguin Zuflucht geboten hatte. Aber der Ort steht vor dem Umbruch, er soll zu einem neuen Touristenzentrum ausgebaut werden. So sieht es zumindest das kubanische Tourismusministerium vor, dass pünktlich zur FITUR im Mai 2017 den Ort zum neuen Tourismusziel Kubas ausrief.

Ich hatte Gelegenheit am Vorabend der Eröffnungszeremonie den kleinen Ort zu besuchen, den viele meiner Kollegen schon als das neue "Trinidad des Nordens" betitelten. Ich war im Rahmen einer Prospektionsreise durch Ostkuba in der Region rund um Baracoa unterwegs. Ich und mein Kollege Rigo wollten die touristische Infrastruktur dort nach den verheerenden Wirbelstürmen des Vorjahres begutachten und als Rigo vorschlug doch auch eine Nacht in Gibara zu verbringen, um uns die neuen Hotels dort anzusehen, willigte ich gerne ein.

Gibara war einer der wenigen Orte, die ich in 20 Jahren des Reisens auf Kuba noch nicht besucht hatte und als wir dort ankamen war ich gleich eingenommen von dem beschaulichen Flair des Ortes, in dem man gerade noch Hand anlegte um sich herauszuputzen für die kommenden Festtage. Zum einen standen die Umzüge zum 1. Mai an, der wie in anderen Orten Kubas natürlich ganz besondere Wertschätzung genießt und zum anderen die Zeremonie der Freigabe für den internationalen Tourismus durch den Tourismusminister höchstpersönlich. Als man mir erzählte, dass der Minister als Abgeordneter den Bezirk im kubanischen Parlament vertritt, war mir -nun auch klar warum es gerade Gibara war, das nun zum neuen Ziel ausländischer Besucher auserkoren worden war. Eine Hand wäscht halt auch in Kuba die andere, dachte ich bei mir!
Als erstes fielen mir bei der Fahrt auf der Suche nach dem Hotel im Ortszentrum die vielen kleinen Fischerboote in der Hafenbucht auf, die auf den Wellen schaukelten. Ich fühlte mich ein wenig an Malta erinnert, aber hier waren die Boote nicht so farbenfroh angemalt, der Mangel lässt grüssen!

Überall wurde noch gehämmert und ausgebessert und Fassaden getüncht. Man sah dem Ort an, dass etwas besonderes bevorstand. Unser kleines Hotel im typischen Stil des 19. Jahrhunderts lag direkt am zentralen Platz mit der Kirche, es gehört wie die anderen neuen Hotels des Ortes der kubanischen Encanto-Kette an und wird, das sollte auf der Messe bekannt gegeben werden, in Zukunft von der spanischen Iberostar-Kette verwaltet. Ein Vorteil, da die rein kubanischen Hotels oft aus Geldmangel nicht sonderlich gut in Schuss sind.

Bei einem ersten Rundgang durch den Ort am Nachmittag wurde mir eines schnell bewusst, dieser Ort strahlte, trotz des Hämmerns an diesem Tag, vor allem eines aus: Ruhe! Es gab kaum große Attraktion, der Ort an sich ist die Sehenswürdigkeit, die man am besten von einem Mirador, oberhalb des Zentrums, bewundert. Es war ein herrliches Panorama, das sich hier vor meinen Blicken ergab. Der Fischerort, die Bucht und einige vereinzelte Anhöhen in der Ferne verliehen der Aussicht etwas magisches das mit Worten schwer zu fassen ist.

Playa Caletones

Wieder zurück im Hotel beschlossen ich und Rigo den Badestrand des Ortes zu besuchen. Es war Nachmittag und unsere Mägen meldeten sich zu Wort. Wir hatten während der Fahrt hierher nichts gegessen und das Hotelpersonal empfahl uns den frischen Fisch an der Playa Caletones, der würde dort besonders gut zubereitet. Und so machten wir uns dann auf den Weg zu besagtem Strand. Auf einer Schotterpiste und vorbei an einem der vielen Windparks, die Kuba seit neuestem mit alternativer und erneuerbarer Energie versorgen. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir eine Ansammlung von kleinen Bungalows und Holzhäusern, geschart um einen feinsandigen kleinen Strand. Kaum ein Baum oder Busch war hier zu entdecken. Wer hier badet, muss sich seinen Schatten selbst mitbringen! Aber wir waren ja nicht zum Baden gekommen sondern zum Essen und was soll ich sagen: der Fisch war der Beste, den ich je in Kuba gessen hatte!

Zurück in Gibara besuchten wir noch die zwei anderen kleinen Hotels und waren von deren Stil und Anblick begeistert. Ja, hier würde es auch unseren Gästen gefallen und wir beschlossen auf der kommenden Messe die entsprechenden Hotelverträge anzufordern. Im einzigen wirklich attraktiven Treffpunkt, an dem abends auch etwas Musik gespielt wurde, dem Kulturzentrum "Siglo XX", ließen wir den Abend ausklingen. Die Messe stand an und somit auch einiges an Arbeit. Eines wurde mir klar an diesem Abend: bis dieser Ort ein neues Trinidad würde, würden noch viele Jahre vergehen – wenn überhaupt. Hier lässt es sich aber durchaus gut entspannen, die Seele baumeln lassen und abends vielleicht etwas in Gesellschaft "chillen"!

"Möge der Kommerz diesen Ort noch eine Weile verschonen", sagte ich leise zu meinem Kollegen, dann lehnte ich mich wieder in Gedanken versunken zurück und nippte an meinem Cocktail...

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