Handwerker Dorf: Calabazar Havanna

Handwerker Dorf: Calabazar Havanna


Auf den Spuren der Souvenir-Herstellung, ganz unkonventionell. Kein geführter Ausflug in eine Keramik Fabrik, nein, diesmal war es ganz anders. Es wurde Zeit für eine Entdeckungsreise auf Kuba.

Irgendwo zwischen dem Flugplatz Havanna und dem großen Parque Lenin liegt ganz verschlafen das Dorf der Tonbrenner, Töpfer und Keramik-Handwerker. Aber schlafen tut hier ehrlich gesagt niemand! Ganz im Gegenteil, man sieht zwar fast niemanden auf der Straße oder vor den Häusern dafür werkelt es hinter jedem Haus wie verrückt. Aus jedem kleinem Schuppen wurden hier Handwerkstätten aus dem Boden gestampft. Früher gab es hier eine staatliche Brennerei (Ton), davon zeugt heute allerdings nur noch ein großer Schornstein.

Auf dem Weg nach Calabazar

Auf dem Weg nach Calabazar

Kunsthandwerk in Calabazar

Kunsthandwerk in Calabazar

Kunsthandwerk in Calabazar

Kleine Pfade führen den Hügel hinab zu den Häusern, die verschachtelt auf jedem verfügbaren Freiraum errichtet wurden. Links, rechts, nebenan, wenn man den Weg nicht kennt ist es wie ein Irrgarten. Wo fängt das eine Grundstück an und wo hört das andere auf? Die Werkstätten sind oft klein und sehr pragmatisch, sie halten den Regen ab und schützen vor intensiver Sonne. Regale Stuhl und Tisch, fertig. Die Artesantes (Kunst- und Souvenirverkäufer) kommen alle nach Calabazar zum Wareneinkauf. Je nach Bestellung und dem Vorhandensein der gewünschten Produkte, sammelt man seine Rucksäcke, Kartons oder Sporttaschen voll und macht sich wieder auf den Weg zum Verkauf in Havanna.

Oft arbeiten nur ein bis zwei Personen in den Familien-Werkstätten, jedes Haus bietet seine eigene speziellen Produkte an. Somit gibt es eigentlich gar keine Konkurrenz. Die Einen haben Aschenbecher, andere Teller, die nächsten Kühlschrankmagneten und die andern Nachbarn haben die „Negritas in bunten Kleidern“.

Das Dorf liegt ganz idyllisch außerhalb von Havanna. Die Ziegen und Schafe grasen gemütlich auf den Bahnschienen. Ein Zug hält schon lange nicht mehr in Calabazar. Die Fahrt geht weiter zur nächsten Werkstatt. Hübsch sind die Häuser hier nicht. Dafür sind die verborgenen Schätze um so farbenfroher und schöner!

Ich bin da, das Teller-Atelier vom „Tüftler Angel“ öffnet mir seine Türen. Er ist der klassische Erfinder. Sein Hof ist wie eine Entdeckungsreise. Zum Beispiel entdeckte ich, allerdings erst beim zweiten Hinsehen, improvisierte Fitnessgeräte. Die Basis dafür boten Ersatzteile aus verschrotteten Traktoren. An der Tür steht eine Art Bürostuhl, der zugleich an einen Schleudersitz erinnert. Eine LKW-Feder sorgt für die Höhenverstellung und eine Drehscheibe (woher auch immer) bietet sich als rotierende Sitzfläche an. Genial! An Kreativität mangelt es hier absolut nicht!

Idyllische Stimmung in Calabazar

Ein typisches Atelier

Teller-Atelier von Angel

Die Ton-Bereitungsanlage von Angel

Tüftler Angel erklärt sein Handwerk

Alle Teller werden von Angel handbemalt

Der Tüftler baut auch alles selbst, seinen Ofen, seine Ton-Bereitungsanlage und erfindet immer neue Motive und Gussformen für seine einmaligen Teller. Der fertige Ton wird entweder selbstverwendet oder an die benachbarten Keramiker verkauft. Lieferung vor die Tür, so zu sagen. Der Brennofen ist eine Kunst für sich, natürlich kann man die Temperatur nicht durch einen Schalter oder die Lüftung regulieren. Denn die gibt es nicht. Deshalb passiert es schon mal das eine ganze Ladung Teller zerbröckelt, weil etwas mit der Temperatur schief geht, erzählt der Meister. Die Gussformen werden selbst gemacht. Natürlich gibt aber auch Handwerker die nur Gussformen herstellen und verkaufen. Arbeitsteilung und Spezialisierung sind hier sehr verbreitet.

So sehen dann die Chevrolets Rohlinge aus. Ein bisschen nackig sehen sie ja noch aus, aber Kunst braucht eben auch seine Zeit. Wo auch immer die Künstler ihre Mischfarben her bekommen, sie sind da. In den Geschäften sieht man keine einzige! Ein Wunder und wunderschön!

Als krönenden Abschluss zeigt mir der Meister seine neueste Kreation, einmalig bis jetzt auf Kuba! Er hat ein Patent! Aber ich durfte schon mal ein Foto schießen. Eigentlich wartet dieses Prachtexemplar noch auf die Havanna-Kunstmesse im Dezember, bevor es auf den kubanischen Artesanten Markt kommt. Sehen sie selbst, ist das nicht ein wunderschönes Stück?

Chevrolet-Rohlinge

Auf sein neues Prachtexemplar hat Angel sogar ein Patent

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