Kolumbiens Kaffee: Kult und Etikette

Kaffee Tour: Auf der Finca Secretos Del Carriel


Ein Land zu besuchen, ohne seine Spezialitäten zu kosten, ist eine Sünde, und zu Kolumbien gehört Kaffee wie Bier zu Deutschland. Klar also, dass eine "Coffee tour" Teil einer jeden Kolumbien Reise sein sollte. Unser Kolumbien Blogger Stephan hat es vorgemacht und die typischen Fincas im "Kaffee-Dreieck" besucht. Auf der Finca Secretos del Carriel lernt er nun, dass eine Kaffee Tour mehr bedeutet als nur Kaffee schlürfen.

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Eine Kaffeetour ist mehr als ein Koffeinkick

Wir suchten die Finca Secretos Del Carriel, ein Geheimtipp. Der Name carriel bezieht sich auf die lederne Trachtentasche der regionalen Bauern. Die Finca ist nicht leicht zu finden unter den vielen anderen Gehöften. Sie liegt etwa zwei Kilometer an der Landstraße von Quimbaya nach Filandia. Auch hier gibt es wieder gute Übernachtungsmöglichkeiten – und selbstverständlich Kaffee. Literweise wurde uns das Nationalgetränk vorgesetzt, in schwachen Dosen natürlich, es geht dabei sehr viel mehr darum die feinen, leicht säuerlichen Aromen herauszuschmecken, als wirklich die Koffeinwirkung zu entfalten. Doña Nelly bewirtete uns mit einer kräftigen Bandeja Paisa, eine Truckermahlzeit, die gleiche, die auch die Landarbeiter aus der Pflanzung erhalten, einfach aber kräftig. Es ist das Regionalgericht schlechthin, in abgeänderter Form beinhaltet es immer Reis, Bohnen, Hackfleisch, Spiegelei, chicharrón (knusprig gebratene Schweineschwarten), frittierte Kochbanane, Maisfladen und Avocado. Nach so einer Kalorienbombe entschieden wir uns dann doch, die geplante Kaffeetour auf frühmorgens zu verschieben. Doña Nelly brachte und noch einen weiteren Liter Kaffee, der uns bis tief in die Nacht der ungestörten Natur lauschen ließ.

Finca Secretos del Carriel (Foto: Eric Placzeck)

Trotz des vielen Kaffees waren wir ungewöhnlich früh wach. Der Tinto war schon angerichtet, als Don Ignacio uns mit seinem Hund Capitán in die Pflanzungen mitnahm. Stolz erklärte er uns, wie die Pflanze vom Setzling bis zum blühenden Kaffee wächst. Zwischen den Sträuchern werden immer wieder Bananenstauden gepflanzt. Einerseits bieten die hohen Stauden mit ihren ausladenden Blättern Schutz und Schatten für die niedrigeren Kaffeesträucher, andererseits kann der Kaffeebauer dadurch in der Zeit zwischen den Kaffeeernten auf Bananen zurückgreifen und gerät dadurch nicht in finanzielle Schwierigkeiten bei einem Ernteausfall. Das verhindert die Abhängigkeit der Landwirte durch eine allzu straffe Monokultur.

Bewaffnet mit einem aguadeño, einer Art kolumbianischem Panamahut (letzterer stammt auch nur dem Namen nach vom amerikanischen Isthmus und wird eigentlich in Ecuador produziert), einem schmalen Poncho und einem Körbchen, dass wir uns umgeschnallt hatten, schritten wir durch die Pflanzung. Ignacio erklärte uns den Reifeprozess, der eine zweimal jährliche Ernte ermöglicht. Die Sträucher werden dabei alle paar Jahre neugepflanzt, da schon nach wenigen Ernten der Ertrag zurückgeht.

Startklar zur Kaffee-Ernte (Foto: Stephan Kroener / kolumbienverstehen)

Als ungelernte Arbeiter konnten wir nur staunend zusehen, in was für einem Tempo Ignacio die roten Früchte von den Sträuchern klaubte und in sein Körbchen wirft. Ein guter und professioneller Pflücker kann pro Tag bis zu 300 Kilo der roten Bohnen sammeln. Diese Geschwindigkeit halten viele Arbeiter ohne Drogen und Aufputschmittel nicht durch. Aktuelle Studien belegen die überdurchschnittliche Drogenabhängigkeit der Wanderarbeiter, die sich von Saison zu Saison auf den teilweise riesigen Plantagen verdingen. Auf der relativ kleinen, etwa vier Hektar großen Finca Secretos Del Carriel arbeiten je nach Saison nur zwei bis fünf Arbeiter. An diesem Tag schien nur noch ein weiterer neben Ignacio anwesend zu sein. Er schaute uns von weitem zu, während wir unsere schmächtige Ernte in den Entkerner schütteten. Eigentlich würde man danach, die weißen Bohnen zum Waschen geben, um sie von dem süßlichen Honig zu reinigen, der sie umgibt. Doch wir entschieden uns diesen Prozess lieber in der Theorie anzuschauen, denn der Geruch nach frischgebrühtem Kaffee lag in der Luft.

Doña Nelly erwartete uns schon mit dem Frühstück in ihrer Freiluftküche. Auf dem offenen Herdfeuer rösteten wir einige getrocknete Bohnen, die wir schließlich noch mahlten, um uns einen exquisiten kolumbianischen Kaffee mit nach Hause nehmen zu können. Nach einem erneut kräftigen und kräftigenden Frühstück mit Rührei und Maisfladen, half uns Ignacio noch die Fahrräder auf einen Willy zu montieren, den wir auf der Straße vor der Finca angehalten hatten. Unseren Patrón verabschiedeten wir aus der fahrenden Menschentraube herauswinkend, die sich schnell in der nächsten Kurve verlor.

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