Kolumbiens Kaffee: Kult und Etikette

Kaffee Tour: Mit Willy und Fahrrad nach Filandia und Quimbaya


Ein Land zu besuchen, ohne seine Spezialitäten zu kosten, ist eine Sünde, und zu Kolumbien gehört Kaffee wie Bier zu Deutschland. Klar also, dass eine "Coffee tour" Teil einer jeden Kolumbien Reise sein sollte. Unser Kolumbien Blogger Stephan hat es vorgemacht und die typischen Fincas im "Kaffee-Dreieck" besucht. Im typischen "Willy" geht es über Filandia nach Quimbaya.

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In Salento bestiegen wir einen der traditionellen Willys nach Filandia. Willy ist das was der Mercedes-Benz Geländewagen in der Serie „Forsthaus Falkenau“ war, blecherner, allradbetriebener Nationalstolz (auch wenn der Willy nicht in Kolumbien gebaut wurde). Und genau wie in der Vorabendserie ist er unkaputtbar und für den bayrischen Wald wie Andendschungelpfade geeignet. Dieses Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg wurde nach Ende der Kriegshandlungen in Europa und im Pazifik von den US-Militärs in alle Welt verkauft.

In Kolumbien trägt er bisweilen den ganzen Hausstand von einem Ort zum anderen oder eben zwanzigköpfige Touristengruppen von Finca zu Finca. Obwohl nur etwa für acht schmalhüftige Kolumbianer Sitzgelegenheiten vorhanden sind, gibt es Gerüchte von Willys, die bis zu dreißig Personen aller Hüftklassen befördert haben sollen. Traubenartig hängt und steht man, und hofft, dass kein Bremsversagen die nächste Kurve beendet. Willy muss sein, genauso wie der Kaffee nach rumpliger und staubiger Fahrt. Diesen gönnten wir uns vom Balkon eines Kolonialhauses auf den Dorfplatz von Filandia schauend.

Das kleine, verschlafene Nest lässt sich schnell durchwandern, bevor man in einem der wenigen Hotels und Restaurants absteigt. Der Tourismus hält hier nur langsam Einzug, auch wenn der Name schon im Lonely Planet vertreten ist. Es gibt wenig zu tun, außer Aussicht und frische Luft zu genießen. Beides bietet die regionale Sehenswürdigkeit des 27-Meter hohen Turmes Mirador Colina Iluminada Del Quindío. Von hier kann man seinen weiteren Trip vorbereiten und mit dem Finger die einzelnen Hügel umreißen, die es am nächsten Tag zu umfahren oder begehen geht.

Wir übernachteten in dem gemütlichen Hostal Colina de Lluvia, deren Mitarbeiter uns auch dabei halfen, eine Tour für den nächsten Tag zu organisieren. Man hat die Wahl zwischen Pferd, Wanderstiefeln oder Drahtesel. Wir setzten aufs Fahrrad und uns in den Sattel. Raus aus Filandia, vorbei an dem gestrigen Aussichtsturm und runter Richtung Quimbaya. Bei der ersten Abzweigung links ab von der doch etwas viel befahrenen Landstraße ging es auf einem geschwungenen und asphaltierten Feldweg, flankiert von Fincas und endlosen Kaffeeplantagen hinein in das ländliche Kolumbien. Der Weg ist einfach, fast immer bergab, gut ausgebaut und bis auf die traubenartigen Willys die einem ab und zu entgegenkommen, gibt es kaum Verkehr.

Die Luft wurde noch einmal wärmer und es roch süßlich-säuerlich nach Landluft. Es ging ein gutes Stück durch die Landschaft, bis wir schließlich nach etwa zehn Kilometern in dem Weiler Vereda Partidas La Española an eine Y-Abzweigung gelangten. Auf dem staubigen Dorfplatz steht ein mächtiger, vierzigjähriger sogenannter Regenbaum (Samanea saman), der die ganze Plaza einnimmt.

Der Regenbaum (Foto: Stephan Kroener / kolumbienverstehen)

Hier kann man ein Päuschen einlegen und sich auf der Finca von Don Jairo Franco Hurtado bei frischen Säften und lokalen Köstlichkeiten entspannen. Nachdem man eine Führung durch die Ställe gemacht hat und die Ziegen nun namentlich kennt, bekommt man deren Käse und Milch vorgesetzt. Don Jairo hat auch Übernachtungsmöglichkeiten, doch trieb es uns weiter in die Steigeisen und die Hügel herunter. Es ist ein gemeinschaftlicher Adrenalinkick die Kurven hinunterzuradeln und sich dabei von der Landschaft faszinieren zu lassen, die wie aus einem Reisekatalog ausgebreitet vor einem liegt. Man fragt sich, wie eine Straße so ohne Schilder auskommen kann. Aber der Weg bringt einen trotz seiner Kurven so geradlinig voran, dass man schließlich nach weiteren zehn Kilometern ganz überraschend in Quimbaya ankommt. Nach all den verstreuten Bauernhöfen und Pflanzungen erscheint einem die Provinzstadt mit seinen geschäftigen Straßen und Cafés wie eine Metropole. Doch zum Shoppen waren wir nicht hier runtergefahren, es ging uns um Kaffee.

Lesen Sie im nächsten Blog, wie es uns auf der Kaffeetour auf der Finca El Carriel erging.

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