Kolumbianische Karibik: Die schönste "Meeresecke"


Von Traumstrand zu Traumstrand. Die kolumbianische Karibik hat viel zu bieten und auch wenn die Insel Múcura ein Highlight ist, sollte man wundervolle „Ecken“ Über- und Unterwasser nicht links liegen lassen und sich mit der Reise Zeit lassen. Schnorcheln kann dabei neue Einblicke vermitteln und das Zeitgefühl durcheinanderbringen. Hier ein weiterer Ein- und Ausblick auf das Meer südlich von Cartagena.

Neben Hängematte und Plankton-Tour sollte man sich auf gar keinen Fall das Schnorcheln entgehen lassen. Da wir uns in einem maritimen Naturschutzpark befinden, gibt es gleich mehrere Korallenriffe zu besichtigen. Bajo de Chara, Isla Maravilla und Tintipán sind die bekanntesten. Wir entschieden uns für die wundervolle Insel.

Die Isla Maravilla liegt nur einen nassen Katzensprung entfernt von Múcura. Am Strand findet sich schnell jemand, der uns mit einem einfachen Boot nach draußen fährt. Während wir mit unseren Schnorcheln auf Expedition gehen, flicken die beiden Fischer die uns begleiten ihre Netze, um die Wartezeit vor dem nächsten großen Fang zu nutzen. Unter dem Bootsrumpf erwartet uns eine fantastische neue Welt. Auch wenn man sich nur Zentimeter unter der Wasseroberfläche befindet erscheint es einem wie das sprichwörtliche Eintauchen in ein Farbenmeer. Korallen und Fische mischen sich vor dem inneren Auge zu einem bunten Allerlei und man fühlt sich wie in ein 90er Jahre Computerspiel versetzt, in dem man von Level zu Level schwimmen muss.
Die „Insel“ war einstmals ein kleines Riff, das aber nach und nach mit dem Anstieg des Meeresspiegels verschwand. Eine wirkliche Insel war es wohl nie, jedenfalls erkennt man keine ehemalige Vegetation. Auch die beiden Fischer, die uns nach etwa einer Stunde wieder glücklich ins Boot ziehen, erzählen, dass sie nur von Möwen bewohnt war. Wir fühlen uns euphorisch nach dieser Unterwassererfahrung, vielleicht auch durch den Sonnenstich den wir uns – man höre und staune – Unterwasser geholt hatten.

Im Fischerboot zur Schnorcheltour

Die schönste "Meeresecke" liegt an einem weißen Strand

Nach all diesen Abenteuern beschließen wir, unser Glück erneut auf dem Festland zu suchen. Wir entscheiden uns für das weniger bekannte Rincon del Mar, zu Deutsch die Meeresecke. Es gibt nicht viele Boote, die diese Strecke fahren, deswegen sollte man sich früh am Strand nach den Abfahrtszeiten erkundigen, diese aber auch nicht zu ernst nehmen, da Zeit nach karibischem Maßstab berechnet wird und damit mehr als relativ ist. Mit einem Coco Loco, einer verrückten Kokosnuss, lässt es sich aber auf jedes Boot ganz angenehm warten. Dieser Cocktail, bei dem eigentlich nur viel Rum in eine Kokosnuss gegeben wird, begegnet einem sehr wahrscheinlich überall zwischen Pazifik und Karibik und gehört zu den traditionellen, gastronomischen Ködern der örtlichen Fischer.

Auf der Rückfahrt aus dem Paradies passieren wir noch das Freiwasser-Museum-Hotel Casa en el agua. Über einem Zementfundament das nun von Korallen bevölkert wird, thront dieses auf Nachhaltigkeit achtende Backpacker ausgerichtete Hostel. Alle Zimmer gehen auf das türkisblaue Wasser hinaus, das durch seine hölzerne Konstruktion ein bisschen an ein Hausboot erinnert. Durch seine Einzigartigkeit ist es selbst schon zu einer Attraktion geworden. Deswegen hält jede Tour egal ob nach Tintipán, aufs Festland oder zum Schnorcheln in der Nähe und man kann für einige Minuten „echte Gringos“ bestaunen, die oft im Stil des Spring Breaks hier die Karibik genießen. Die Partys sind berühmt und viele Fischer erzählen lachend alkoholgetränkte Anekdoten. Die Webseite des Hostels bewirbt den Aufenthalt dann auch mit „the best hangover cure in South America“...

Wer es etwas ruhiger will, ist im Hotel Punta del Norte gut aufgehoben. Dieses von Carlos, einem Uruguayer, und seiner kolumbianischen Frau Carolina, seit mehr dreißig Jahren betriebene Hostel ist das einzige größere Hotel auf der Insel Tintipán und ebenfalls stark von Backpackern frequentiert. Carlos kocht selbst und gibt den Meeresfrüchten dadurch einen uruguayischen Beigeschmack. Seine Frau widmet sich der Kunst und in jeder Ecke ihres Domizils finden sich ihre Werke.
Die Fahrt nach Rincon del Mar dauert etwa eine Stunde. Unser Fischer lässt uns zwischendurch noch einmal ins Wasser, auch wenn er meint, dass „dort drüben Haie sein könnten, hier aber nicht“. Uns wundert zwar, dass Haie von „dort“ nach „hier“ nicht leicht schwimmen könnten, nutzen aber die schnelle Abkühlung, um die Fahrt im Trockenen sicher fortzusetzen.

Rincon del Mar

Rincon del Mar ist eine dieser „Ecken“, die durch den Tourismus entstehen und gleichfalls durch ihn zu verschwinden drohen. Viele Touristen landen bisher noch nicht an seinen weißen Stränden, aber die lokale Bevölkerung stellt sich langsam auf sie ein. Es gibt einige noch von Einheimischen betriebene Hostels direkt am Strand und auch die Küche schmeckt noch weitestgehend hausgemacht. Dass was die „Ecke“ so besonders macht, ist ihre Authentizität. Es gibt keine Strandverkäufer die einem ständig irgendetwas verkaufen wollen und auch keine Masseusen, die geschundene deutsche Rücken kneten wollen. Die Männer spielen Domino und die Frauen halten Sit-in unter Palmen. Vieles scheint noch so wie es immer schon war. Eine gewisse Diversifizierung könnte helfen, dass dies auch so bleibt. Nicht ein massiver Ansturm auf einen Küstenstreifen, sondern das gleichsame Verteilen der Touristenströme auf unterschiedliche Regionen. An der kolumbianischen Karibikküste gibt es genügend schöne Plätze, die es lohnt zu besuchen und so auch gleichfalls die örtliche Wirtschaft und Bevölkerung zu unterstützen.

In Rincon del Mar lässt es sich gut und gerne noch ein paar Tage bleiben, bis man sich über die Provinzhauptstadt San Onofre wieder Richtung Cartagena aufmachen kann. Ob man Halt macht, um Neues oder Altbewährtes zu entdecken, bleibt einem dabei selbst überlassen. Ein Reiseblogger kann nur Anreize schaffen und Ideen bieten, die Reise selbst muss der Leser machen...

  • Unser Blogger in Kolumbien

    Stephan Kroener hat einen Großteil der letzten Jahre in Kolumbien verbracht. Seit 2018 unterstützt er avenTOURa mit Erlebnisberichten zu seinem Lieblingsland.

avenTOURa ist mit Auszeichnungen und Mitgliedschaften seit mehr als 20 Jahren in der Touristikbranche etabliert.