Kolumbianische Karibik: Magisches Plankton voraus


Auf der Insel Múcura findet sich für jeden und jeden Geldbeutel eine Bleibe. Ob in der Hängematte oder im Luxushotel erlebt man hier 100 Prozent kolumbianische Karibik. Ein Muss ist die Plankton-Tour, eine einzigartige, sinnliche Erfahrung, die mehr als eine reine chemische Reaktion von Mikroorganismen ist.

Lesen Sie hier wie wir auf Múcura strandeten.

Freddy, einer unser beiden Führer, schwang sich vom Boot und forderte uns auf ihm zu folgen. Das Wasser war badewannenwarm und in dem Kanal, in den uns Freddy geführt hatte, konnte man noch gut stehen. Die Füße gruben sich in schlammigen Sand und gleichzeitig nahm einen die Dunkelheit vollständig ein. Freddy erklärte uns im Singsang der Insulaner: „Macht kein Licht und bewegt leicht eure Arme.“ Während man im wahrsten Sinne des Wortes nicht die Hand vor Augen sehen konnte, leuchteten im Wasser mit jeder Bewegung hunderte von kleinen Lichtblasen auf. Mit Schnorchel und Taucherbrille bewaffnet, wateten wir durch diese Traumwelt wie Reisende durch ferne Galaxien. Bewundernd betrachteten wir unsere Hände und Arme, die wie von unzähligen Lichtern überwachsen schienen. Die Sterne über uns und unter uns das leuchtende Plankton, dazu diese absolute Dunkelheit und Stille reizten unsere Sinne aufs Äußerste. Wenn man eine Meeresbiologin zur Freundin hat, sollte man ihr hier den Antrag machen.

Biolumineszenz (Beispielfoto)

Ganz unromantisch handelt es sich dabei um das Naturphänomen der Biolumineszenz, das auf der ganzen Welt in unterschiedlicher Konzentration vorkommt. Sogenannte Dinoflagellaten, mikroskopisch kleine Einzeller, die zu der Algenfamilie gezählt werden, leuchten bei Kontakt auf, um Fressfeinde zu verjagen. Allerdings hilft dieser „Alarmanalageneffekt“ bei Touristen kaum und hat eher den gegenteiligen Effekt. Es erzeugt bisweilen nur einzelnes Gekickel und kollektiv staunendes Ausrufen in einem babylonischen Sprachgewirr.
Freddy zeigte uns noch einen maritimen Weihnachtsbaum, in dem er leicht an einem Mangrovenast schüttelte. Mit diesem vorweihnachtlichen Gruß verabschiedeten wir uns von den Glühwürmchen der Meere und stiegen sinnlich betäubt von diesem Naturwunder, das doch nur auf einer chemischen Reaktion von Mikroorganismen beruht, ins Boot und in unsere schwankende Zivilisation zurück.

Isla Múcura

Unser Basiscamp zur Erkundung dieser herrlichen Inselwelt hatten wir auf der Insel Múcura aufgeschlagen. Die Insel liegt etwa einen Kilometer von Santa Cruz und zwei von Tintipán entfernt. Múcura ist ein palmenbewachsenes Eiland auf dem man gerne strandet. Es gibt kaum Handyempfang, kein Internetcafé und nur wenige Stunden Elektrizität. Auch Frischwasser ist rationalisiert, was die Duschgewohnheiten der Touristen erst einmal einschränkt. Dafür ist man umgeben von einer riesigen Badewanne mit Traumständen und Kokosnüssen in jeder Zubereitungsform.

Auf Múcura gibt es unterschiedliche Übernachtungsmöglichkeiten. Von den Homestays und einfachen Zimmern im örtlichen Weiler bis zu den vier – in Abstufungen – luxuriösen Ressort-Hotel- Anlagen der Insel. Die zusammengezimmerten Hütten der Einheimischen scheinen durch die vier größeren Hotels, die alle von „Zugewanderten“ betrieben werden, zusammen- und an den Rand gedrückt.

Insel Múcura (Foto: Stephan Kroener)

Die Cabanas des „profe“, des Lehrers, Fabio Flórez, ist das erste der vier Hotels, das an das Fischerdorf Puerto Caracol anschließt. Das Hostal „Dahlandia” ist nach dem schwedischen Zoologen George Dahl benannt, der in den sechziger Jahren in Kolumbien arbeitete. Flórez begleitete ihn und seine Forschungen zu der karibisch-kolumbianischen Inselwelt und blieb später auf Múcura. Sein Sohn Carlos ist ebenfalls Umweltforscher geworden und möchte durch Dahlandia einen sozial und ökologisch nachhaltigen Tourismus auf Múcura fördern. Das Hostal hat einen rustikalen Charme. Es ist keinesfalls luxuriös, besticht aber durch Authentizität, Ruhe und Freundlichkeit des Personals. Es ist wie ein kleines Zuhause direkt am Strand.

Während Fabio und die Insulaner ihre Grundstücke nicht abgrenzen und dadurch ein Gefühl des Willkommens suggerieren, brechen die Zäune der drei anderen Hotels diese Logik radikal. Die Zugänge werde bewacht, für manche mag das Sicherheit bedeuten, für andere verstörende Unsicherheit schaffen, wenn man bedenkt, dass man umgeben von Wasser ist. Der Pförtner am weißen Holztor des Hostal Múcura lässt uns aber ungefragt durch, denn wir gehen überall in Kolumbien unbesehen als harmlose, ausländische Touristen durch. Vor uns öffnet sich ein palmengesäumter Weg, der uns zum Hauptgebäude und der Strandbar Huevon des Hostals bringt. Dort empfängt uns ebenfalls zugereistes, professionelles Personal. Man kann zwischen Hängematte, Mehrbett- und Einzelzimmer wählen. Es ist das Hostal auf Múcura für gechillte Touristen im jüngeren Alter.

Den exklusiven Strand teilt sich das Hostal mit dem upperclass Múcura Club Hotel, an das etwas weiter noch das ebenfalls gehobenere Punta Faro anschließt. Beide Hotels sind Luxus unter Palmen, deren Gäste mit einem Shuttelboot direkt von Cartagena ins Paradies geführt werden. Nachhaltigkeit wird dabei großgeschrieben, auch weil es von Gästen so gewollt wird. Solarenergie und Wasserwiederaufbereitung, sowie eine Kooperation mit einer Meerestierschutzorganisation sollen dieses Ziel bezeugen und das Gewissen von Gästen und Eigentümern beruhigen.
Ein Detail von Punta Faro ist, dass es keine Schlüssel gibt und Zimmer nicht abgeschlossen werden können. Das Club Hotel bemüht sich besonders Insulaner einzustellen. Außer den hoteleigenen Stränden gibt es einen Abschnitt, der tagsüber von Touristen geflutet wird, nachts kann man aber in der Nähe campen oder auch vorzüglich in einer einfachen Hängematte schlafen.

Lesen Sie im nächsten Blog wie es von einem Traumstrand zum nächsten geht.

Vorsicht vor herabfallenden Kokosnüssen (Foto: pleric)
  • Unser Blogger in Kolumbien

    Stephan Kroener hat einen Großteil der letzten Jahre in Kolumbien verbracht. Seit 2018 unterstützt er avenTOURa mit Erlebnisberichten zu seinem Lieblingsland.

avenTOURa ist mit Auszeichnungen und Mitgliedschaften seit mehr als 20 Jahren in der Touristikbranche etabliert.