Kubaner und der lange Atem


Wenn Sie schon einmal in Kuba waren haben Sie sicher bemerkt, dass Kubaner ziemlich alt werden, laut Statistiken über 80 Jahre im Durchschnitt. Eine Lebenserwartung also wie im hochentwickelten Europa, für ein armes Land das stets mit Engpässen und ökonomischen Problemen kämpft durchaus bemerkenswert! Woran liegt das, haben Sie sich das auch gefragt so wie ich?

Vielleicht am Lebensstil?

Obwohl... zwei relativ ungesunde Konsumgüter auf der Karibikinsel sind Exportschlager und haben Kuba weltweit bekannt gemacht: Zigarren & Rum! Ein deutscher Altkanzler und etliche US-Präsidenten zählten die Cohiba-Zigarren zum Standardrepertoir ihrer Genussmittelabteilung, wohlwissend über deren von Ärzten verbriefte Schädlichkeit. Jedoch, einer der "Zigarrenpäpste" Kubas starb vor wenigen Jahren, weit über 90-jährig, ein Umstand, der zu denken gibt. Ähnliches gilt übrigens für den Rum, der von vielen Kubanern wasserähnlich konsumiert wird.

Vielleicht an überaus gesunder Ernährung?

Wohl eher weniger, wenn man sich die Regelkost eines einfachen kubanischen Haushaltes betrachtet. Reis und Bohnen, Ei, sowie hin und wieder Fleisch mit viel Öl zubereitet und sparsam gewürzt lassen den Speiseplan nicht sehr vielseitig erscheinen.

Auch die typisch kubanischen vor Fett triefenden Peso-Pizzen gewinnen vermutlich keinen Gesundheitspreis. Vegetarianer haben schlechte Karten auf Kuba, fleischlos ist 'out', zumindest wenn Fleisch vorhanden! Und Vitamine? Ja es gibt eine Menge Obst hier, aber der Konsum ist spärlich, der Kubaner lässt sich lieber bunte Vitaminpillen aus dem Ausland bringen als Obst zu essen, was von 'draußen' kommt muss gut sein!

Vielleicht das vielbeschworene kubanische Gesundheitssystem?

Wirklich, die Säuglingssterblichkeit ist laut ofiziellen Statistiken verschwindend gering, so wie in vielen Ländern der ersten Welt. Der freie Zugang zum Gesundheitssystem hat die Kubaner in ihrer Mehrheit zu Hypochondern werden lassen, der kostenlose Arztbesuch sowie die in jedem Barrio (Statviertel) vorhandenen Polikliniken tragen dazu bei. Wen nachts um zwei der Finger zwickt geht umgehend in die Poliklinik, um 4 Uhr leichte Kopfschmerzen? Richtig! Anlaufstation Poliklinik. Der Deutsche lässt sich - wie wir wissen - erst kurz vor dem Sterbebett zum Arztbesuch überreden, der Kubaner war schon da bevor die Krankheit anfängt! Auch anonyme Alkoholiker und Vereinigungen zur psychischen Hlfe sind kostenfrei. Aber vorsicht mit übereilten Schlussfolgerungen, das Gesundheitssystem Kubas ermöglicht zwar die kostenlose Arztvisite, sobald es aber ans kurieren schwerer Krankheiten geht ist oft Schluss mit lustig. Viele Medikamente fehlen oder sind nur in den teuren internationalen Apotheken gegen Devisen-CUC erhältlich und für kubanische Verhältnisse dementsprechend teuer. Auch wenn es mittlerweilen viele passable Kliniken auch für die normalen Kubaner gibt, wer wirklich schwer erkrankt muss das gewisse Quentchen Glück haben!

Was bleibt? Warum leben Kubaner also länger?

Das Resultat ist ein Paradoxum, so wie das ganze Land. Kuba und Logik verträgt sich nicht. Vermutlich ist es eine Mischung von allem, der "lasterhafte" Lebensstil, der dafür verantwortlich ist, das kubanische Pendent zum deutschen Motto "Wein, Weib und Gesang"! Der Kubaner lebt, und das reichlich und konsequent. Der Mangel hat den Kubaner gelehrt das was vorhanden ist rücksichtslos und reichlich zu konsumieren, ganz ohne auf die Nebenwirkungen im Kleingedruckten zu achten. Er lebt sich in einen Rausch aus alledem was wir zivilisierten Westeuropäer als gesundheitsschädlich erachten und das scheint zu funktionieren und lässt die Kubaner richtig alt werden.

Ich bin Deutscher, rauche nicht und trinke wenig, vermutlich werde ich kein langes Leben haben, denke ich leise bei mir....

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