La Trocha – Kubas "Mauer"


"Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen!" - Wer kennt ihn nicht, den alten Ulbricht-Spruch! Schon immer wurden Mauern und Befestigungsanlagen gebaut in der Menschheitsgeschichte, nicht erst im 20. Jahrhundert. Die Römer hatten ihren "Hadrian's Wall", die Chinesen die "Große Mauer", Asterix und Obelix den "Großen Graben", wir Deutschen die "Berliner Mauer". Zumeist wurden sie gebaut um Fremde fernzuhalten, in wenigen Fällen auch um die eigene Bevölkerung vom Flüchten abzuhalten. Auch Kuba hatte seine "Mauer": La Trocha!

Ich war schon öfters in diversen Reiseführern auf besagten Befestigungswall gestoßen und bei meinem letzten Besuch in Ciego de Avila hatte ich es dann endlich geschafft mir das kleine Provinzmuseum anzusehen. Ich fand darin ein großes Modell unter Glas, das "La Trocha" darstellte und bat eine der Museumsangestellten mir das ganze etwas näher zu erklären. Sie willigte ein und begleitete mich zum Modell und den dazugehörigen Exponaten.

Die Befestigungsanlage "La Trocha" stammte ursprünglich aus dem ersten, 10-jährigen Unabhängigkeitskrieg, der von 1868 bis 1878 währte und wurde von den Spaniern erbaut, um das Eindringen der Aufständischen in den Westteil der Insel zu verhindern. Es gab nicht nur eine "La Trocha", erzählte mir die Museumswärterin, sondern ganze vier. Die jüngste ganz im Westen Kubas auf der Halbinsel Guanahacabibes war erst kürzlich entdeckt worden.

Modell im kleinen Museum von Ciego de Avila

Bummelzug zur "La Trocha"

Zaunsperre vor "La Trocha"

Bunker entlang der Befestigung

Wachturm an der Befestigung

"La Trocha" in der Provinz Ciego de Avila war im Aufbau einzigartig zu ihrer Zeit. Alle Kilometer gab es kleine Bastionen mit einer Aussichtsplattform, dazwischen jeweils mehrere kleine Bunker zum Verschanzen. Im Vorfeld der Befestigung war eine ca. 10 Meter breite Sperranlage aus Zäunen, die mit einer Art Stacheldraht verbunden waren. Und tatsächlich schafften es die Spanier im ersten Unabhängigkeitskrieg mit diesem Sperrwall, das Einfallen der sogenannten Mambises nach Westen zu verhindern.

Nun wollte ich die Anlage auch in real sehen. Gut also, dass der kleine Bummelzug nach Moron heute nahezu pünktlich abfuhr und gut gefüllt mit Pendlern war. So kamen wir in den Genuss einer Freifahrt. Der Schaffner hatte es schlichtweg noch nicht bis zu uns geschafft, als mir mein ortskundiger Begleiter Yasmani bedeutete beim nächsten Halt auszusteigen. Knapp 100 Meter hinter dem Dorf sah ich sie auch schon hinter den Gleisen: "La Trocha". "Der Aussichtsturm müsste renoviert werden..." raunt mir die Wärterin zu, die in einem kleinen Häuschen saß, "...aber das Material fehlt!" Daher durfte ich auch nicht hinauf. So begnügte ich mich mit ein paar Schnappschüssen vom Boden aus und kurze Zeit später saßen Yasmani und ich auch schon wieder in einem Pferdewagen zurück nach Ciego de Avila.

Ein schöner Ausflug in die Geschichte dachte ich bei mir, und auch dieser Wall hat es - wie viele andere - letztlich nicht geschafft auseinanderzuhalten was zusammengehört...

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