Mein Friseur heißt...


... mit bürgerlichem Namen Osmar Arrozarena Soza, aber alle hier im Viertel nennen ihn nur "Pupi"'. "Pupi" zählt 75 Lenze und hat früher als Maschineningenieur bei der kubanischen Eisenbahn gearbeitet, aber schon früh hatte ihm sein Vater das Haare schneiden beigebracht, das war kurz nach dem Sieg der Revolution 1959.

Als dann das Rentenalter erreicht war und da das Geld knapp war beschloss "Pupi" seinen privaten Friseursalon auf Cuba zu eröffnen und hier sitze ich nun. "Pupi" schneidet meine Haare im 1-2-4-Verfahren. Die Methode ist Ihnen unbekannt? Zur Erklärung, die Nummern beziffern die Aufsätze des Elektrorasierers, von 1 gleich sehr kurz bis 6 gleich relativ lang. Die Methode hat sich hier vorwiegend bei Männern bewährt und erzeugt schnell die gewünschte Haarlänge. Viele bevorzugen die Komplettfrisur in eins oder zwei, ich habe das Haupthaar oben jedoch gerne ein wenig länger. Wie jeder gute Friseur unterhält "Pupi" seine Kundschaft glänzend mit Anekdoten, daher bin ich auch jedesmal gerne bereit mehr als die normal üblichen 10-15 kubanischen Pesos zu bezahlen, meine ganz private 'Entwicklungshilfe' für die kubanische Privatwirtschaft. Neben vielen ungelernten Kräften, die bemerkt haben, dass es einfacher ist Haare zu schneiden als schwerer körperlicher Arbeit nachzugehen, gibt es auf Kuba natürlich auch gelernte Kräfte.

Christoph bei seinem Friseur "Pupi"

Eine der Ausbildungsstätten zum Friseurberuf, aber auch zum/r Kosmetiker/in befindet sich in der Neptunostrasse Nummer 523 im Zentrum Havannas, hier lassen sich vor allem junge Schulabgänger gegen ein geringes monatliches Entgelt fachmännisch ausbilden. Die Ausbildung dauert ein halbes Jahr und am Ende steht ein kubanisches Diplom, das zur Arbeit in staatlichen Schönheitsinstituten berechtigt. Die Mehrzahl der Abgänger strebt freilich eine Arbeit im privaten Sektor als "Cuentapropista" an, hier lässt sich ein Vielfaches des staatlichen Gehaltes verdienen.

Der - gar nicht mehr so - heimliche Star unter Havannas Coiffeuren ist das Studio "Arte Corte" im Norden der Altstadt Havannas. Beim Betreten des Salons ist man sich nicht mehr so ganz sicher ob es sich um ein Friseur-Studio oder doch um ein Museum handelt. Unzählige historische Gegenstände zum Thema Frisurenpflege lassen das Auge erstaunt wandern und der eigentliche Zweck des Besuchs rückt - manchmal - in den Hintergrund. Aber selbstverständlich werden hier auch Frisurkreationen gezaubert, der Chef-Coiffeur und Chef des Proyecto Comunitario heißt Gilberto "Papito" Valladares und könnte vermutlich auch in Berlin oder München gutes Geld mit seiner Kunst verdienen. Ein normaler Haarschnitt kostet hier manchmal mehr als die Hälfte eines kubanischen Monatslohnes! Und zuletzt und auf keinen Fall zu vergessen, die zahlreichen Mütter, Tanten und Schwestern, die ganz unentgeltlich die schönsten Kreationen auf Kinderköpfe zaubern. Mit "Felpas" und anderem Zubehör entstehen tagtäglich Wunderwerke kubanischer Friseurkunst ... ist ihr nächster Haarschnitt vielleicht auch auf Kuba fällig?

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