Paladar El Levant Havanna

Orientalisches Flair in Havanna


Neben der Liebe zu Kuba und zum Fußball hegt Christoph Blaha unter anderem auch die Vorliebe für die orientalische Küche. Als er daher vor kurzem am Curita Park in Centro Habana auf eines der kubanischen Sammeltaxis wartete, fiel ihm sofort das Angebot eines Paladares ins Auge, das sein Interesse ganz besonders weckte...

Wer, wie ich, Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre nach Kuba flog, um dort Urlaub zu machen, der kam zumeist etwas schlanker zurück. Kuba war damals nahezu eine gastronomische Wüste! Lediglich einige wenige Paladare, zumeist nur in Insiderkreisen bekannt, durchbrachen das monotone "kubanisch-sozialistische Einheitsessen" in staatlichen Gastronomiebetrieben. Die, vom ehemaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter besuchte "Cocina de Liliam" oder der, schon damals zu Bekanntheit gelangte Paladar "La Guarida" bildeten die Ausnahme im kubanischen Restaurant-Einerlei.

Zu diesem Zeitpunkt hat auf einem anderen Teil der Welt, eine orientalische Spezialität in einem beispiellosen Siegeszug die Küchen dieser Welt erobert: der Döner Kebap! Gegrilltes Lamm- oder Putenfleisch, am Hochspieß gegrillt und im Fladenbrötchen mit Zwiebeln, Salat und Knoblauchsauce dargereicht. Schon als Schüler und Student, aber auch noch später, war er schnell zu einer meiner Leibspeisen für den schnellen Hunger mutiert.

Paladar El Levant

Unter dem Namen "El Levant" stand ganz deutlich "Kebap" und ich konnte der Versuchung nicht widerstehen. Also vergaß ich mein Vorhaben mit dem Sammeltaxi und trat ein. Sofort wurde mir von den freundlichen Bedienungen, die Fussballtrikots als Berufskleidung trugen, ein Tisch zugewiesen und die Speisekarte gereicht. Neben diversen "Standard-Gerichten", wie Pizza oder Spaghetti, stieß ich auch auf einige orientalisch anmutende Speisenamen und bestellte mir neugierig geworden den Kebap.
Was soll ich sagen: ich war begeistert! Fein geraspeltes Fleisch in einer Art Fladenbrot eingewickelt, zusammen mit Salatstreifen und einer weißen Soße, die eindeutig nach Knoblauchjoghurt schmeckte und sogar – für kubanische Verhältnisse unüblich – etwas scharf war. Ein richtiger "kubanischer" Döner Kebap lag da auf meinem Teller! Nachdem die erste Begeisterung verklungen und der Teller leer gegessen war, beschloss ich der Sache auf den Grund zu gehen und herauszufinden, wie es dieser Döner bis nach Kuba geschafft hatte.

Das Team des Paladar "El Levant" in Havanna

Am nächsten Tag suche ich das Paladar erneut auf und eine freundliche Dame empfängt mich zum Gespräch. Es ist die Cousine des Inhabers Alyan. Der 37-jährige lebte mehrere Jahre in Rumänien und hatte sich dort auch die Inspiration für sein orientalisches Lokal im Zentrum Havannas geholt. Es existiert nun bereits im fünften Jahr und es kommt gut an, erzählt sie mir. Fast immer gäbe es eine Schlange vor dem Lokal, aber die Wartezeiten wären dennoch nicht lange. Ich bedanke mich für das nette Gespräch und lasse mir noch einen Döner zum Mitnehmen einpacken, danach entschwinde ich ins Straßengewirr Havannas, auf der Suche nach einem Sammeltaxi nach Hause.

Wem der Sinn nach anderer Kost steht, kann im heutigen Havanna, wie schon seit langem in anderen Metropolen, eine kulinarische Rundreise um die ganze Welt antreten: schwedische Köttbullar in der Casa Miglis (Centro Habana), chinesisches Chop Suey im Tinhao (Centro Habana), japanisches Sushi im Restaurant PP's Teppanyaki (Vedado), iranisch zubereitetes Lammfleisch im El Topoly (Vedado), russische Borscht-Suppe im Nazdarovje (Malecon), italienische Pizza im Mediterraneo (Vedado) und nicht zu vergessen: ein deutscher Biergarten im Vorort Cojimar, der erst vor kurzem seine Pforten geöffnet hat und unter anderem Bratwürste mit Kartoffelsalat nach deutschem Rezept anbietet. Fast alles scheint heute möglich!

Der kulturell interessierte Kuba-Reisende wird mir wahrscheinlich entgegenhalten, dass er auf einer Kuba Reise kein Wiener Schnitzel oder ähnlich europäisches Essen braucht! Aber ganz ehrlich: Wer, wie ich, hier Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr lebt, dem steht der Kopf manchmal nach anderem als Reis und Bohnen. Nehmen Sie es mir nicht übel!

Guten Appetit!

Christoph freut sich über seinen Kebap

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