Reisebericht: Mexiko - Vom karibischen Meer zur wilden Pazifikküste


In vier Wochen mit dem Rucksack von der romantischen Küste Cancuns entlang des "Gringo Trails", durch die Wälder und Berge Chiapas, über die wilde Pazifikküste und historischen Städte Oaxacas bis zur Millionen Metropole Mexiko Stadt. avenTOURa-Praktikantin Lara erlebte ein Abenteuer, welches im Monat der weihnachtlichen Vorfreude einen tiefen Einblick in die faszinierende Vielfalt Mexikos eröffnet.

Nach meinem fünfmonatigen Auslandssemester in Cancun, ein Ort, den ich wegen seiner Widersprüche lieben gelernt habe, machen wir uns im Dezember als Trio auf die Reise. Die Rucksäcke gefüllt von der Short bis zur Fleecejacke.
Da wir uns schon in Mexiko eingelebt haben, wissen wir, dass ein typisch deutscher Zeitplan, in einem Land, dessen Bevölkerung Spontanität und Flexibilität im Alltag schätzt, besser dran sind, wenn wir die deutsche Tugend der Organisation auf das Minimale beschränken. Daher sieht unsere grobe Routenplanung die wichtigsten Busverbindungen der ADO Busse vor: Cancun – Campeche – Palenque – San Cristóbal de las Casas – Tuxtla - Mazunte – Puerto Escondido – Puebla – Mexico Stadt.

Der Aufbruch aus Cancun fällt uns schwer. Dank seiner Traumstrände (Playa Delfines), die schändlicherweise nicht mehr naturbelassen sind, jedoch an Schönheit nichts einbüßen, zieht der Ort jährlich 6,7 Millionen Touristen an. Die Mexikaner selbst sprechen vom modernen Acapulco. Die Attraktivität der Lagune hat über die letzten 20 Jahre die High Society aus den stetig wachsenden Vororten Mexiko-Stadts angezogen sowie die Arbeiterklasse, die auf Arbeit in der luxuriösen Hotelzone hofft. Jedoch ist Cancun weitaus mehr als Luxus und Tourismus. Fährt man aus der Hotelzone heraus, sinken nicht nur die Preise der Taxifahrten, sonder auch der Luxus. Die alternative Szene wie sie in Tulum Einzug erhalten hat, breitet sich auf Cancun Downtown aus. Vereinzelt findet man hippe Restaurants, alternative Bars, bunt bemalte Hostels und weitaus günstigere Clubs, deren Reggaeton-Rhythmen überwiegend einheimische Studierende anziehen. Streetfood, Straßentanz und Musik gibt es auch im neumodischen Cancun, allerdings im Vergleich zu den noch vor uns liegenden Reisestops, bleibt Cancun das rebellierende Kind der Nation, das sich lieber den wilden Partynächten statt den Traditionen widmet, sich jedoch seiner Wurzeln bewusst ist.

Campeche

Von Luxus, Glanz und geschäftigem Treiben ist in der Hafenstadt Campeche, unserem ersten Stop, nichts mehr zu spüren. Allerdings sinken auch die Preise, wie wir bei der Bestellung von typischen Speisen wie Tamales, Tacos und Caldo de mariscos feststellen. Auf dem Boulevard, der entlang der Küste führt, schauen wir auf verlassene Fischerboote, welche von einschüchternd großen Pelikangruppen eingenommen wurden.

Es sind nur 12 Tage bis Weihnachten und während wir bei Abenddämmerung durch das Wohnviertel auf der Suche nach unserer Unterkunft sind, passieren wir bunt geschmückte Hauseingänge, Garagen und Schreine für die Jungfrau von Guadalupe, eine sehr wichtige Heiligenfigur in Mexiko. Die leicht kitschigen Lichterketten blinken nicht nur in den unterschiedlichsten Farben, sondern spielen Weihnachtslieder in gefühlt drei piependen Tönen und alle Lichterketten zusammen lassen ein „We wish you a Merry Christmas“ erahnen, welches uns ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

Bunte Häuserfront in Campeche

Palenque

Wir gelangen über immer grüner werdende Straßen von Campeche nach Palenque. Da die ehemalige Mayametropole versteckt im Tieflanddschungel ein echter archäologischer Schatz ist, der in seiner Anlage mit mehreren Tempeln sehr beeindruckend wirkt, verwundert und belustigt die spärliche Infrastruktur des Dorfes Palenque gleichermaßen.

Während noch die Tiergeräusche der letzten Nacht nachhallen, sitzen wir in einem Colectivo (Minibus) eines Tour Anbieters. Der Transport nach San Cristóbal de las Casas, unsere nächste Destination, führt über die Wasserfälle Mi-Sol-Ha und Agua Azul. Zum wiederholten Male auf unserer Reise stellen wir fest, dass die Mexikaner ein wahres Talent für Platzauslastung in Transportmitteln haben. Der enge Körperkontakt zu unseren Mitreisenden und die waghalsigen Überholungsmanöver, schränken den Genuss der wunderbar grünen Gebirgslandschaft mit Blick auf kleine Siedlungen am Straßenrand, leicht ein.

Palenque

Wasserfälle Mi-Sol-Ha und Agua Azul

Nichtsdestotrotz gelangen wir zu dem ersten Wasserfall Mi-Sol-Ha, der im Vergleich zu anderen 35m hohen Wasserfällen noch mit einem Zugang zu einer 20m tiefen Höhle und einen kleinen See hinter der Kaskade, trumpft. Mit einer Taschenlampe ausgestattet, die wir von einem Chiapaneca für kleines Geld leihen, betreten wir den schmalen Höhleneingang, den viele Touristen übersehen. Da die Lebensdauer meiner Taschenlampe so lang ist wie eine Eintagsfliege am Ende des Tages, bemerke ich meine Ankunft am unterirdischen Wasserlauf erst, als ich schon drin stehe. Die schadenfrohe Lache der Anderen hallt durch die Höhle.
Agua Azul ist eine komplett andere Formation, aber nicht weniger aufregend. Las Cascadas de Agua Azul setzten sich aus 500 einzelnen Kaskaden zusammen. Ein kurzer Spaziergang entlang eines für Besucher angelegten Weges mitten im Regenwald, gibt einen ungehinderten Blick auf das faszinierende Zusammenspiel einiger dieser Kaskaden frei.

Agua Azul

Entlang des Weges gibt es durchgehend kleine Stände von Verkäufern. Der Duft der frisch frittierten Empanadas ist die einzige Ablenkung, die man an diesem friedvollen Naturschauspiel duldet. Am Ende des Weges wartet eine Überraschung auf uns. Einer der jungen Einheimischen springt von einer der 3 m hohen Kaskaden ins Wasser, angesteckt von diesem enthusiastischen Wahnsinn springen wir mit.

San Cristobal de las Casas

Ohne Hals- oder Beinbruch, dank sei der Jungfrau Guadalupe, führt die restliche abendliche Fahrt nach San Cristóbal de las Casas. Auf dem Weg durch die vom letzten schweren Erdbeben beschädigten Bergdörfer wird unser Minibus von den Bewohnern, mit über die schmale Straße gespannten Seilen, zum Bremsen aufgefordert. Jeder im Bus schmeißt 20 Pesos (1€) zusammen um die geforderte illegale Maut zu bezahlen. Nach einem ereignisreichen Tag erreichen wir San Cristobal de las Casas.

Mit seinen vielen kleinen Gassen, in denen die Moderne der alternativen Gastronomie in bunten historischen Häusern Einzug erhalten hat, ist San Cristóbal die schönste Stadt auf unserer Reise. Das Zentrum ist geschmückt von belebten Marktplätze und kunstvollen Kirchen aus dem kolonialen Zeitalter. Die Straßen sind belebt von Einheimischen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

San Cristóbal de las Casas

Sie sind alle Mexikaner, doch sie unterscheiden sich in ihrer Lebens- und Denkweise sowie visuell mit ihrer Kleidung. Die schwarzen Wollkleider verleihen den indigenen Völkern einen stolzen Ausdruck, während die Hispanoamerikaner mit ihren Kleidungsstücken eine Zurschaustellung westlich orientierter Modernität präsentieren. Die harmonische Mischung dieser unterschiedlichen Kulturen ist in einer einzigartigen Atmosphäre spürbar und zieht uns für vier Tage in ihren Bann. Die tiefen Temperaturen von 5 Grad in den Abend- und Nachtstunden sowie der köstlich süße Kakao, für den der Bundesstaat Chiapas berühmt ist, unterstützen unsere vorweihnachtliche Stimmung. Den Weihnachtsschmuck der Stadt in dem historischen Zentrum bewundern wir von dem Aussichtspunkt an der Iglesia de Guadalupe.

Tuxtla und Mazunte

Die Reise zur Pazifikküste führt uns über Tuxtla. Dort geht es am Tag mit einem Speedboot durch den Cañón del Sumidero. Ein Canyon der durch seine reiche Flora und Fauna imponiert. Am Abend werden wir Zeugen eines täglich rotierenden Schauspiels. Jung und Alt tanzen Salsa, Bachata und was das Tanzbein zulässt, zu den Rhythmen der gutgelaunten Musikkapelle, die sich unter dem Stadtparkpavillion eingefunden hat.

Von Tuxtla aus reisen wir nach Mazunte. 300km entfernt vom Inland zeigt das Handy eine angenehme Temperatur von 28 Grad an. Das Gebirge ist bis auf wenige Ausläufer verschwunden und der Pazifik mit Felsküste in Sicht. Jeder von uns hat eine eigene Vorstellung von dem, was uns erwartet, doch keine davon trifft die Realität. Mazunte gibt uns das Gefühl, als würde die Zeit einen langsameren Rhythmus anschlagen. In diesem Rhythmus leben neumodische Hippies, alternative Hipsters, gutgläubige Aussteiger, mexikanische Beachboys, Yogalehrer und Hobbyphilosophen.

Wir feiern die Weihnachtsfesttage mit einer Bootsfahrt, bei der ich meine ersten Wale sehe; malerischen Sonnenuntergänge vor dem Felsvorsprung Punta Cometa, dem südlichsten Punkt in dem Bundesstaat Oaxaca und Strandparties unter freiem Himmel.

Puerto Escondido

Für den Jahreswechsel ziehen wir weiter zum berühmtberüchtigten Surferspot Zicatela in Puerto Escondido nördlich von Mazunte. Leider stellen wir bei unserer Ankunft fest, dass das Surfen ins Wasser fällt, da erst wieder das Frühjahr die besten Wellen Mexikos nach Zicatela bringt. Jedoch werden wir mit vollen Beachbars und viel Sonnenschein belohnt. Über die Feiertage flüchten die Mexikaner aus den Städten an die Strände. Daher müssen wir tief in die Tasche greifen, um in der kurzen aber intensiven Hauptsaison noch einen Schlafplatz zu bekommen. Letztendlich landen wir in einem Matratzenlager, besiedelt von argentinischen Backpackern, in dem Privatsphäre ein Fremdwort ist, während wir mit Mate-Tee und Tangogrundschritten ins neue Jahr tanzen.

Sonnenuntergang am Punta Zicatela
Monte Alban

Oaxaca

Back on the road fahren wir in einem Colectivo zurück ins Inland, durch das Gebirge und trockene Vegetation gezeichnet von Kakteen und Agaven, aus denen Mexikos hochprozentigen Nationalgetränke Tequila und Mezcal gewonnen werden. Für die 200km brauchen wir 8 Stunden, da die Serpentinen schlecht ausgebaut sind und die Minibusse vollbepackt sind mit Insassen und Gepäck. Auch unser Gepäck hat sich von 12kg auf 20kg vervielfacht.

In Oaxaca Stadt angekommen überrascht das Zentrum der bevölkerungsreichen Stadt mit interessanter Kunst, Handwerk und Bauwerken wie die Kirche Santo Domingo. Des Weiteren besuchen wir die älteste archäologische Fundstätte in Mexico, Monte Alban, welche auf einem Gipfel außerhalb der Stadt thront.

Am dritten Tag in Oaxaca fahren wir zum Hierve el Agua.70km südlich von Oaxaca Stadt, hoch im Gebirge, befindet sich die Felsformation, in der sich natürliche Pools gebildet haben. Wenn man keine Frostbeule ist, kann man sich im Pool sitzend, mit Bikini posierend, vor der traumhaften grünen Bergkette ablichten lassen. Dieser einmalige Schnappschuss hat Profilbildpotenzial!

Puebla

Von Oaxaca geht es nach Puebla, die gleichnamige Stadt ist die kirchenreichste Mexikos und glänzt mit ihrer architektonischen Vielfalt. Nach einer Sightseeing Bustour bekommen wir einen ausreichenden Überblick über die wesentlichen Highlights der Stadt: die Kathedrale, das Künstlerviertel, die Markthalle, der Mirador und das historische Zentrum. Wir machen einen Abstecher zum benachbarten Cholula, das auf 2.146 m Meereshöhe liegt.

Ausblick vom Hierve el Agua

Cholula und Mexiko-Stadt

Cholula gilt als eine der ältesten Städte Amerikas und liegt am Fuße des Vulkans Popocatépetl. Wir haben das große Glück, dass wir den schneebedeckten Vulkan in der Ferne betrachten können. In Cholula werden wir von einem mexikanischen Freund das letzte Stück unserer Reise bis nach Mexiko Stadt gebracht. Von dort aus blicken wir mit Wehmut und Glückseligkeit auf unsere Reise zurück, die uns vieles gelehrt hat. Doch das größte Souvenir, das wir im Gepäck mit zurück nach Deutschland nehmen, sind die Erinnerungen an die unendliche Schönheit Mexikos, die sich in der Lebensfreude und dem Stolz der Menschen des Landes widerspiegelt.

avenTOURa ist mit Auszeichnungen und Mitgliedschaften seit mehr als 20 Jahren in der Touristikbranche etabliert.