Reisebericht: Mietwagenreise durch Peru


Vom 20.05. bis zum 17.06.2017 besuchten meine Frau Maren und ich die mit Kultur- und Naturerlebnissen reichhaltig ausgestattete Heimat der Inkas.

Basis bildete die von avenTOURa angebotene dreiwöchige Mietwagenrundreise durch den Süden Perus – der sogenannte ʺGringotrailʺ – eine aus verschiedenen Reisebausteinen zusammengesetzte dreiwöchige "Tour de Forceʹ" durch die wichtigsten Orte der Inkakultur, ergänzt durch einen viertägigen Urwaldtrip an einen Quellfluss des Amazonas, um die enggepackte Reise abschließend sachte ausklingen zu lassen.

Hin- und Rückreise erfolgten mittels KLM über Amsterdam nach Lima.

Wir hatten direkt am Flughafen Lima ein Hotel gebucht, welches wir im Laufe der Reise dreimal für jeweils eine Nacht frequentierten und das sich als ideale, kurzwegige Wahl entpuppte – zur Übernahme des Mietwagens von Europcar nach der ersten Übernachtung am vis-a-vis liegenden Flughafen, sowie als Start- und Endpunkt unseres per Inlandflug angesteuerten Amazonasabenteuers. Beginnend mit einem Bootsausflug zu den Islas Ballestas, dem Überflug der Nascalinien, der Besichtigung des Santa Catalina-Klosters in Arequipa, dem Besuch des Colca-Canyons bis hin zu den Uros-Völkern und der Taquile-Insel des Titicacasees und den Inkaruinen Cuscos, Ollantaytambos und Machu Picchu waren alle touristischen Höhepunkte auf unserer Tour enthalten.

Sicherlich werden diese Ziele auch auf einer Gruppen-/Busreise angesteuert. Dies ist aber niemals mit der individuellen Freiheit einer Mietwagenreise zu vergleichen, die uns neben Abstechern zu solchen "Nebenzielen" wie Tambo Colorado, Laguna Lagunilas, Chinchero, Moray und den Salinas de Maras unzählige Fotostopps auf freier Strecke gewährte, um "mal eben" ein paar Lamas, Vicuñas, Flamingos und Geier aufzunehmen – von den landschaftlichen Motiven ganz zu schweigen! Ein weiterer Vorteil war die problemlose Erweiterung der "Standardstrecke" um einen dreitägigen Abstecher nach Ayacucho. Im Gegensatz zum regulären Ablauf der Reise, der nach der Besichtigung Machu Picchus die Rückkehr nach Lima vorsieht, bot uns der Umweg über Abancay, Andahuaylas und Ayacucho nicht nur weitere landschaftliche Schönheiten und (in Ayacucho!) bemerkenswerte Stadtansichten, sondern auch die Möglichkeit, dem in einem World Vision Projekt nahe Quinua lebenden Patenkind meiner Frau einen sehr informativen und persönlich bereichernden Besuch abzustatten.

Wie üblich war die von avenTOURa organisierte Reise vorbildlich geplant und gebucht worden.

Die Hotels waren durchschnittlich in der Landeskategorie 4* angesiedelt und haben unsere Erwartungen erfüllt bzw. übertroffen. Dass man in Touristenhochburgen wie Ollantaytambo etwas mehr Komfort vorfindet als in solchen Provinzstädten wie Abancay und Andahuaylas sollte niemanden erstaunen und bietet keinerlei Anlass zu Kritik. Die organisierten Ausflüge (Islas Ballestas, Titicacasee, Machu Picchu) wurden von ortsansässigen Veranstaltern inklusive Kontaktaufnahme und Abholung im Hotel reibungslos und vorbildlich durchgeführt. Die einzige Ausnahme bildete leider der Überflug der Nascalinien! Obwohl wir – wie abgesprochen und gebucht – am Mittag des 23.05. pünktlich im Terminal des Flughafens Nasca antraten, zeigten sich die Mitarbeiter des gebuchten Flugunternehmens uninfomiert und nicht in der Lage, uns für den ganzen Resttag einen Flug anzubieten. Erst standhaftes Insistieren und der Verweis auf die Buchungsunterlagen brachte die Angestellten schließlich dazu, uns einen Alternativflug mit einem der zahlreichen anderen Anbieter zu vermitteln – selbstverständlich kostenneutral für uns!

Neu für uns war die komplett elektronische Organisation der Reise. Im Gegensatz zu vergangenen Reisen bekamen wir keinerlei Voucher oder Gutscheine in die Hand – weder im Vorwege von avenTOURa, noch von einem Abgesandten der örtlichen Reiseagentur am Zielflughafen. Es gab lediglich "Ablauf- und Zeitpläne", die auf Nachfrage bei avenTOURa in Peru die übliche Form der Unterlagen darstellen: ʺDas läuft alles automatisch vor Ort…ʺ! Offensichtlich haperte es aber ein wenig an der Kommunikation mit dem örtlichen Veranstalter "South American Tours". Erst nach einigen klärenden Telefongesprächen mit den Kontaktagenten konnte der Ablauf der Ticketübergabe für Machu Picchu im Hotel von Cusco sichergestellt werden. Von den von uns bereits mit der Reisebuchung bezahlten "Boletos" für das Kloster in Arequipa, den Colca-Canyon und die kulturellen Schwerpunkte Cuscos war "SAT" aber nichts bekannt, so dass wir uns selber um den Erwerb bemühen mussten. Dies war leider ein etwas unnötiger Stress, gemildert lediglich durch die engagierte "Kümmerung" der SAT-Mitarbeiter, die nach Rückfrage in Deutschland den Sachverhalt noch klärten und das von uns für die drei Boletos verausschlagte Geld bar an der Rezeption des Hotels in Cusco deponierten.

Nicht nur die potenziell notwendigen Telefongespräche vor Ort, sondern auch die vielfältige Kommunikation mit Einheimischen, Guides und Offiziellen werden erheblich erleichtert, wenn man das Spanische wenigstens rudimentär beherrscht. Glücklicherweise spricht Maren es fast fließend, denn mit Englisch wird man zumindest abseits der großen Touristenorte nur selten etwas. Besonders, wenn man wie z.B. in Arequipa, Cusco oder Ayacucho die (sehr empfehlenswerten!) lokalen Großmärkte besucht, ergeben sich vielfältige Gelegenheiten zu einem lebendigen Austausch mit den Einheimischen! Andererseits ist man verblüfft, beim Aufenthalt in der Posada Amazonas Lodge auf einen nahezu perfekt deutsch parlierenden Guide zu treffen, der sich während vier Tagen so rührend um das Wohl der ihm anvertrauten zwei Deutschen kümmerte, dass man am dritten Tag gezwungen war, ihn um eine nachmittägliche Pause in den eng geplanten "Aktivitäten" zu bitten, denn eigentlich sei man zum Entspannen nach der sehr erlebnisprallen Rundreise an den Amazonas gekommen…, was Juan Carlos sehr verständnisvoll akzeptierte ;-).

Abgesehen von einer unschönen Begegnung mit einem korrupten Verkehrspolizisten auf der Panamericana bereits am allerersten Tag (welche uns unter Androhung der Stilllegung unseres Mietwagens um ca. 150 quittungslose Euro für das örtliche Polizistenhilfswerk "erleichterte"), haben wir nur positive Erfahrungen in der Begegnung mit den Einheimischen gemacht, die überwiegend freundlich und sehr hilfsbereit waren!

Gewöhnungsbedürftig ist allerdings der Umgang mit autofahrenden Peruanern!

Bereits bei der ersten Kontaktaufnahme mit avenTOURa Mitte 2016 wurden wir vom damaligen Mitarbeiter Matthias Bayer eindringlich vor den Verkehrsverhältnissen Perus gewarnt. Auf unsere Entgegnung, wir hätten schließlich auch schon Kuba, Costa Rica und Chile automäßig überlebt, erwiderte Herr Bayer, Peru sei nochmals ein ganz anderes Kaliber. Recht hatte der Mann!

Peru gehört – bestätigt durch internationale Untersuchungen – zu den Ländern mit den weltweit chaotischsten Verkehrsverhältnissen. Es gibt keine – jedenfalls keine sichtbaren – Regeln! Rechts vor Links ist allgemein unbekannt, es bekommt derjenige Vorfahrt, der am lautesten hupt oder sich am frechsten vordrängelt. In den Städten gibt es Ampelanlagen, die auch weitgehend respektiert werden. Ungewohnt ist das fehlende Gelblicht, ersetzt durch eine rückwärts zählende Sekundenuhr, welche die noch verbleibende Rot- oder Grünzeit anzeigt. Bereits bei drei Sekunden ʹRestrotʹ sollte man sich allerdings auf hupende Hinterleute einstellen, die auf sofortiges Losfahren drängen. Blinker haben sehr innovative Bedeutungen! Wer rechts ranfahren oder auf offener Straße anhalten bzw. wenden will, tut dies meist mit dem Warnblinker kund. Blinkt vor dir einer links, bedeutet dies nicht etwa, dass er abbiegen will, sondern dass du ihn überholen kannst! Spurwechsel hingegen werden nie angezeigt und du outest dich sofort als Tourist, wenn du beim Hin- und Herspringen auf den meist nicht gekennzeichneten Spuren städtischer Ausfallstraßen blinkst. Kurz gesagt: Wenn man es schafft, sich hierzulande mit mindestens 90 km/h in fließenden Autobahnverkehr einzuordnen, sich zügig einem Verkehrsfluss anzupassen, Rückspiegel nicht nur zum Schminken verwendet, die Maße seines Fahrzeugs auf 5 cm genau einschätzen kann und über ein gerüttelt Maß aggressiv/defensiver Chuzpe verfügt, bringt man die besten Voraussetzungen fürs Überleben in Peru mit! Nur beim Nichtgebrauch des Blinkers braucht man sich nicht groß umzugewöhnen…

Man braucht (zumindest in der Trockenzeit) kein Vierradfahrzeug! Wir wurden von Europcar mit einem KIA Sportage Automatik Benziner ausgestattet, der neben ausreichend Stauraum selbst für umfangreiches Gepäck Dank seiner ʹHochbeinigkeitʹ auf keinem der von uns gefahrenen 3800 km Schwierigkeiten bereitete. Auch für die Sicherheit während der Nacht hatten alle Hotels vorgesorgt – entweder mit einem eigenen bewachten Parkplatz, oder angemieteten Parkraum in nächster Nähe.

Im Gegensatz zu teilweise katastrophalen Straßenverhältnissen einiger Städte (besonders hervorgehoben sei hier Juliaca, deren verkehrstechnisch empfohlene Umgehung den Namen "Straße" nicht annähernd verdient), sind die Überlandstraßen meist in hervorragendem Zustand. Berücksichtigt man die straßenbaulichen Herausforderungen mit Serpentinen bis auf 4500 m Höhe sowie starker Beanspruchung durch Witterung und Steinschlag, wächst die Hochachtung vor den schnell reagierenden, signalrot gewandeten Straßenbauern, die in Nullkommanix die Straßen wieder befahrbar machen (ganz besonders im Vergleich zu deutschen Straßenbauern, die für 8 km Autobahn 12 Jahre brauchen…).

Speziell die bereits angesprochenen, gut ausgebauten Straßen im Hochland (!) sind teilweise vorbildlich ausgeschildert, so dass die Überlandnavigation wenige Probleme bereitet. Um in den Städten hingegen zu seinem Hotel zu finden, bedarf es eines gewieften Beifahrers, der einen durch das Gewirr enger, verwinkelter, teilweise undurchschaubar beschilderter Einbahnstraßen lotst, da die eigene Aufmerksamkeit komplett vom umgebenden Verkehr absorbiert wird.. Wir haben die für uns optimale Lösung in der (Android-)App "Maps with me" gefunden, welche auf einem von meiner Frau beaufsichtigten GPS-Tablet selbst die kleinsten Herbergen in ihren Offline-OSM-Maps verzeichnet hat. Zwar sind auch diese Karten nicht fehlerfrei, haben sie uns doch gelegentlich falsch herum in Einbahnstraßen schicken wollen und auch außerorts auf dick eingezeichnete, mit Fernstraßennummern versehene Feldwege geschickt, aber mit ein wenig Vorausplanung lassen sich solche Mißhelligkeiten leicht korrigieren.

Abschließendes Resümee: Peru hat uns begeistert.

Man darf bei einer solchen Reise sicherlich keinen Erholungsurlaub erwarten, dafür wird man mit einer Menge unvergesslicher Eindrücke belohnt. Wir hatten mit unserer Reisezeit Mai/Juni offensichtlich ein gutes Zeitfenster getroffen, denn während der ganzen Reise wurden wir lediglich zweimal mit Regenschauern konfrontiert, die uns – da nachts, bzw. auf Überlandfahrt – nur wenig tangierten. Und… wir würden auf jeden Fall wieder selbstbestimmt mit Mietwagen auf Kurs gehen, denn trotz der genannten Herausforderungen ist die gewonnene Freiheit für uns essenziell!

Weitere Informationen und Fotos

Wer an weiteren Informationen und einem bebilderten Reisebericht interessiert ist, sei auf unsere Webseite bernis-bilderwelt.de verwiesen. Hier finden sich darüberhinaus auch Bildberichte über Kuba, Costa Rica und Chile, die ebenfalls mit Unterstützung von avenTOURa per Mietwagen erkundet wurden.

Viel Spaß

Bernd + Maren Dietrich

avenTOURa ist mit Auszeichnungen und Mitgliedschaften seit nahezu 25 Jahren in der Touristikbranche etabliert.