Reisebericht Kuba: Landschaft in Kuba

Reisenotizen: Warum Kuba? - Landschaft in Kuba


Auch landschaftlich erlebte Christoph Heise viele Highlights auf seiner lang ersehnten Kuba Rundreise: Naturkunde in Las Terrazas, Tabakfelder in Viñales, koloniale Momente in Havanna oder Baden an der Playa Ancón. Und das Fazit seiner Reise? Wiederkommen oder nicht?

Cuba Tropical - Landschaften

Still ruht der See: blaugrünes Wasser, umrandet von Palmen, eingerahmt von dunklen Höhenzügen, eine stille Idylle zum Ausatmen – auch das ist Kuba. Wir sind in Las Terrazas, nur 50 km westlich von Havanna, dem lauten Millionen-Moloch auf holpriger Betonpiste entkommen.
Sehen und Lernen: Kuba hat drei große Gebirgszüge, die sich von West nach Ost auf einer Insellänge von 1.200 km erstrecken. Die Sierra del Rosario, die Sierra del Escambray und im Osten, die durch die Revolution berühmte Sierra Maestra.

Unsere Tour beginnt im Westen. Las Terrazas, das erste Ziel an den Ausläufern der Sierra del Rosario ist eine der ersten Öko-Kooperativen, ein landwirtschaftlich-ökologisches und mittlerweile auch touristisches Vorzeigeprojekt aus den 80er Jahren. Geregelter Zuzug, kontrollierter Zugang – hier kommt nur rein, wer darf. Touristen dürfen und schauen und staunen. Vor allem an den schönen Fluss- und Teichlandschaften, an den einladend gestalteten Rast- und Grillplätzen, wo wir mit einer Piña Colada begrüßt werden und später beim Essen mit kubanischer „Tafelmusik“. Mit der Biologin Valentina als Guide tauchen wir ein in die tropische Vegetation. Zu jedem Baum, jedem Strauch eine Erklärung. 1000 Farne, die vielfältigsten Blätter und Kräuter, heilend, würzend, aber Vorsicht, manche unscheinbar und hochgiftig. Der Gang durch den grünen Busch endet an einer Aussichtsplattform, in Hügeln eingebettet die weitschweifige Siedlung Las Terrazas. Rechts und links und weiter im Hintergrund bilden die Kuba-spezifischen hohen Königspalmen, einzeln oder in kleinen Gruppen die Akzente vor der grünen Kulisse. Zum Verbleiben schön; auch weiter unten, dort, wo die über Steinteppiche abfallenden Wasser einen kleinen See bilden, der zum erfrischenden Bad einlädt. Niagara im Miniformat.

Getoppt wird dieses Erlebnis zwei Tage darauf bei den Wasserfällen von El Nicho in der „mittleren“ Sierra auf dem Wege nach Cienfuegos. Hier tauchen wir richtig ein in die Tropen mit Dschungel-Lianen am Rande des schmalen Weges. Dieser schängelt sich durch dichte Vegetation, über Stege hinweg, an berauschenden Ausblicken vorbei und durch eine Wasserlandschaft, wo sich der Fluss bergab durch den Dschungel seinen Weg bahnt, mit kleinen Stauseen, Wasserstürzen und engen Passagen. Ein Flusslauf, dem entlang wir in entgegenkommender Richtung nach oben laufen, auf ausgetretenen schmalen Stufen, immer mit einer Hand an den Haltestangen hinauf, bis uns sprühendes Wasser und ein grandioser Ausblick den Atem verschlägt: Die Wasserfälle von El Nicho. Die Fluten stürzen auf breiter Front über 20 Meter in die Tiefe, donnernd und brausens. Das strahlende Lachen auf den Erinnerungsfotos kommt hier von ganz allein. Als Zugabe der See oberhalb, wo sich das Wasser in einem breiten Becken sammelt und ruhiges Schwimmen zulässt, bevor es dann abwärts über die Klippen rauscht.

Wasserfälle El Nicho (Foto: C. Heise)

Beim Abstieg aus diesem Tropenparadies dann noch ein Bild wie aus einem alten Western: mitten durch den Dschungel treibt ein Cowboy auf seinem kleinen Pferd in kurzem scharfen Ritt eine Herde junger Stiere über den Weg – atención ihr Touristen – die wilden Kerle können ungemütlich werden. Diese beiden Ausflüge waren landschaftlich die Highlights. Doch auch andere Regionen sind nicht zu vernachlässigen:

  • Die Gegend um Viñales, eine von stumpfen Bergkegeln (mogotes) geprägte Hochebene, wo sich Äcker und Tabakfelder die Hand geben und karstige Höhlen in Wasserschluchten enden.
  • Zuckerrohrplantagen soweit das Auge schaut in den Ausläufern der Sierra del Escambray, umrandet von postkartenschöner Berglandschaft im Valle de los Ingenios. Der hohe Turm, Torre Iznaga, der heute Touristen zum weiten Ausblick in die Landschaft verhilft, hatte in Zeiten der Sklaverei eine ganz andere Funktion: von hier oben wurden die Sklaven bei der Arbeit kontrolliert. Unten im Hof eine mächtige Glocke, mit der die Sklaven frühmorgens zur Arbeit getrieben wurden.
  • Die Bucht von Cienfuegos, eine langestreckte Meereszunge, umrandet von grünen Feldern und Palmenrainen, mit eingesprenkelten Süßwasserseen, wo Silber- und Kuhreiher zu Dutzenden fotogen im Lichte stehen, unberührte Natur.
  • Im Kontrast dazu die Playa Ancón, ein langer Strand nahe Trinidad, obligatorisches Ziel für Ausflügler und Ausländer. Nicht ganz so idyllisch wie im Fotoprospekt. Hinter dem langen Strandstreifen und einer Reihe schützender Palmen liegt ein riesiger Hotelblock, so ästhetisch wie Plattenbauarchitektur der DDR. Am Meeresrand Plastikliegen unter Sonnenschirmen, zu Hunderten aneinandergereiht, soweit das Auge reicht. Plastik jede Menge auch im Wasser: die Meeresströme kümmern sich nicht um die Sauberkeit von Badestränden. Aber das Schwimmen in der Karibik ist schön und erfrischend, für die Cubanos bei „nur“ 23° Wassertemperatur gleichwohl zu kalt.
  • Und natürlich die Städte mit ihrem besonderen Flair: Havanna, Viñales, Cienfuegos, Trinidad, Sancti Spiritus und Santa Clara

Adíos, Cuba!

Nun also waren wir auf Kuba, haben unser ersehntes Reiseziel erreicht und auf dem Wunschzettel abgehakt, haben viel erlebt. Und das Fazit? Wiederkommen oder nicht?
Also, der ganz heftige Kuba-Virus, dem manche Europäer verfallen sind, hat uns nicht erwischt. Aber doch, es hat uns gut gefallen und vieles würden wir gern noch entdecken. Vor allem Havanna – ein Tag dort war viel zu kurz. Aber auch den Osten der Insel, die Sierra Maestra, die Stadt Santiago de Cuba, den Humboldt-Nationalpark oder den Strand von Santa Lucia. Musik werden wir überall finden, die lockere kubanische Lebensart auch und vielleicht schafft es Kuba ja tatsächlich, aus der regulierten Enge herauszukommen, ohne von den US-Konzernen verschluckt oder von China komplett vereinnahmt zu werden. Beim nächsten Mal jedenfalls werden wir von Anfang an mit avenTOURa planen und uns wieder einlassen auf ein gemischtes Stadt-Land-Fluss-Programm und Begegnungen mit interessanten Menschen und Projekten.

avenTOURa ist mit Auszeichnungen und Mitgliedschaften seit mehr als 20 Jahren in der Touristikbranche etabliert.