Reisebericht Kuba: Menschen in Kuba

Reisenotizen: Warum Kuba? - Menschen in Kuba


Während der lang ersehnten Kuba Rundreise begegnete der avenTOURa-Reisende Christoph Heise vielen verschiedenen Menschen, die alle auf ihre ganz eigene Weise besonders und beeindrucken waren. Ob Bauer, Reiseleiter oder Projektgründer - die Gelassenheit und Lebensfreude der Bevölkerung ist ein wesentlicher Bestandteil Kubas. Eine Lektion, von der wir Europäer noch einiges lernen können...

Somos Cubanos. Menschen auf Kuba.

Gleich am Flughafen fiel auf, dass auf Kuba Menschen aller Hautfarben vertreten sind und vor allem, dass sie sich - jedenfalls im tagtäglichen Umgang miteinander - gegenseitig absolut selbstverständlich respektieren. Schon am Taxistand, wo man sich erfahrungsgemäß um potentielle Kunden rangelt, schien es eine Rang-oder Hackordnung nicht zu geben. Gut, im Servicebereich mochte das nichts Besonderes sein...

Aber am nächsten Morgen kam dann zum ersten Eindruck eine richtige Lektion hinzu: Treffpunkt zur Bustour am Hotel Inglaterra, einem alten imposanten Hotelbau aus Kolonialzeiten nahe dem Capitol in Havanna. Wir sind per Fahrradtaxi ein bisschen zu früh angekommen. Ein Bus steht schon vor dem Hotel. Aber das wird nicht unserer sein, dachte ich bei mir. Für den angesagten sechstägigen Naturtrip ist der Mann, der neben dem Bus wartet, viel zu seriös: ein gut aussehender mediterraner Typ im Krawatten-Dress. Er könnte aus Hollywood importiert sein, ein bisschen Dean Martin, ein bisschen Angelo Branduardi. Kurz darauf tritt ein junger dunkelhäutiger Bursche auf ihn zu. Sportlich locker, T-Shirt, Jeans. Er spricht den weißen Filmstar direkt und selbstbewusst an, normal eben. Und plötzlich wird es mir klar: Das ist unser Fahrer und unser Reiseleiter: Ruben und Maykel – zwei Kubaner, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich sofort wie langjährige Kumpel verhalten. Dabei war es ihre erste gemeinsame Tour.

Fahrer Ruben und Reiseleiter Maykel (Foto: C. Heise)

Zigarrendreher (Foto: C. Heise)

Interessant war auch unser Besuch in den Hallen der alten H. Upmann-Zigarrenfabrik in Havanna, die heute vom Staat betrieben wird. Dort arbeiten in den verschiedenen Räumen Dutzende von Menschen, die getrocknete Tabakblätter präparieren und zu handgedrehten Zigarren verarbeiten. Frauen und Männer, alt und jung und aller Abstammungen – ein Abbild der bunten Vielfalt Kubas. Im hinteren Eck mühten sich die Auszubildenden unter den kritischen Blicken der Ausbilderin. „Nur die besten werden übernommen“ erläutert sie. Will sagen: ohne Rücksicht auf andere als professionelle Kriterien. Man mag es fast glauben. Allerdings gießt unser Guide Maykel selbst Wasser in den Wein: wenn es um Aufstiegschancen und leitende Jobs geht, so seine Erfahrungen, hat er immer noch schlechtere Chancen als etwa die spanisch-stämmige Bevölkerung. Aber Maykel wird seinen Weg machen, davon sind wir überzeugt. Ausgebildet als Lehrer, der gut mit Kindern kann, hat er den Lehrerberuf wegen der jämmerlichen Bezahlung an den Nagel gehängt, deutsch gelernt und als Touristenführer bei avenTOURa angeheuert. Ein wacher Typ mit ansteckender Lebensfreude.

Auch die weiteren avenTOURa-Reisebegleiter, die wir unterwegs kennenlernten, waren alle auf ganz eigene Weise beeindruckend: zunächst die junge Biologin Valentina in Las Terrazas, nicht gerade eine Plaudertasche, aber gut im Erklären der Pflanzen und Ranken, der Spuren am Wegesrand, der Vögel in den Bäumen.

Am Viñales-Tag begleitete uns Nelson, ein imposanter, nicht mehr ganz junger Kerl, der von kanadischen Holzfällern oder skandinavischen Bootsbauern hätte abstammen können. Hinter der etwas ungelenken Fassade verbarg sich ein Pfundskerl und großer Kommunikator, der uns mit Präzision und Leidenschaft Landschaft und Landwirtschaft näherbrachte. Vom Maniok-Acker, den Kräutern am Wegesrand bis zu den Tabakfeldern und der Zuckerrohrverarbeitung konnte er alles erklären. Und er hatte einen guten Draht zu den Menschen, die uns über den Weg gelaufen sind, wie etwa bei der Begegnung mit einem hageren Bauern, der sich stolz als ehemaliger Angola-Kämpfer entpuppte und nun tagaus tagein die Felder mit seinem Ochsengespann und einem archaischen Ackerschlitten bearbeitet.

Ganz besonders gefallen hat uns Amando, der Dschungelführer von El Nicho. Zurückhaltend und eher still, wie ein Indianer im Urwald: horchend, lauschend, mit kaum hörbaren Schritt und wacher Beobachtung, ohne Rücksicht auf die Uhr. Einmal verweilte er lange unterhalb eines dicken Baumgeflechtes. Für uns war da nichts zu sehen oder zu hören. Aber er ließ nicht locker, bis auch wir die gut getarnte gelbe Baumschlange erkannt hatten. Die Augen habe ich mir ausgeguckt, wohl auch einen gelben Streifen entdeckt, aber bei dem Versuch, das Objekt der Begierde mit dem Tele festzuhalten, war schon wieder nichts mehr zu erkennen. Machte auch nichts. Die Stimmung war es, die faszinierte, der geheimnisvolle Dschungel und die kenntnisreiche wie ehrfürchtige Art, wie uns Amando den Dschungel näherbrachte.

Als ein komplettes Gegenteil davon entpuppte sich unser selbstorganisierter Havanna-Guide, ein lauter, selbstüberheblicher Geck, der in jedem zweiten Satz seine Extraklasse betonen musste. Schon im Taxi auf der Fahrt in die Stadt überzog er uns mit laut gebrülltem pausenlosen Redeschwall, als müsse er ein großes All Inclusive-Veranstalter-Publikum animieren. Im Internet hatten wir ihn gefunden, wegen seiner Deutschkenntnisse und der vielen Top-Bewertungen. Welch‘ ein Schwindel. Gut, sein Deutsch war in Ordnung. Das hatte er zu DDR-Zeiten in Dresden gelernt. Und auch seine Kenntnisse von der Stadt waren nicht schlecht. Aber ihm zuzuhören, tat richtig weh. Sein lautes ich-bezogenes Macho-Gehabe einfach nur penetrant. Erleichtert waren wir, als er auf der Rückfahrt wieder ausstieg und wir mit dem von ihm angeheuerten taxista für den Rest der Strecke ein ganz normales Gespräch führen und noch viel erfahren konnten. Dieser laute Kerl stellte die absolute Ausnahme dar. Ansonsten trafen wir, auch in den Casas particulares, zwar auf sehr unterschiedliche, aber immer freundliche, interessierte und offene Menschen.

Beeindruckend auch die Akteure in den verschiedenen Projekten, denen wir begegnet sind. Das begann mit dem jungen Tabakbauern, der uns engagiert und gut verständlich die Stationen der Tabakverarbeitung erläuterte. Er dreht uns innerhalb von zwei, drei Minuten in eigener Handarbeit eine Zigarre. Bei der nächsten Station auf seinem Hof quetschte er uns zusammen mit seiner Frau an einer historischen Presse Zuckerrohrsaft aus und servierte ihn in ausgehöhlten Orangen als erfrischender Trank. Freundlich, bescheiden, ohne Rummel, ohne ausgeleierte Routine. Sehr sympathisch.

In der ehemaligen Ziegelstein-Fabrik von Pinar del Rio eine vergleichbare Erfahrung bei dem Projekt „Los Chapuserios“: ein Team von Menschen, die mit ihren Talenten die gegebenen bescheidenen Bedingungen nutzen, um produktive und künstlerische Arbeit mit Jugendlichen zu entwickeln und sich zugleich um musische Angebote für die Kinder der Nachbarschaft, wie um ältere Menschen kümmern. Keine vorgestanzte Präsentation. Gespräche von Kollege/in zu Kollege/in. Professionelles Interesse und herzliche Einladung zum individuellen Wiederkommen. Dabei waren wir gerade einmal eine zufällige kleine Touristengruppe, keine Delegation, kein potentieller Projektpartner, keine große Geldquelle.

Imponierend auch die Gastgeber der Finca „La Coincidencia“. Vor vielen Jahren schon haben sie sich zusammengetan, eine studierte Agrarwirtin und ein Skulpturenkünstler, um auf einem brachliegenden Feld etwas Neues zu schaffen. Eine Verbindung von Natur und Kunst. Herausgekommen ist neben Kräuterbeeten, Gewächshäusern und Gemüsefeldern ein gepflegter Hof und ein großzügiger Obstgarten mit zum Teil alten, fast vergessenen Baumsorten, der auch als Skulpturengarten genutzt wird. Zwischen Mangobäumen schaut plötzlich eine Charlie-Chaplin-Figur hervor oder eine schwungvolle Blechplastik vom Bootsmann taucht auf, der mit dem großen Fisch kämpft – eine Hommage an Hemingway, dessen Geschichte vom Alten Mann und dem Meer nicht weit von hier ihren Ursprung hat. Inzwischen kann sich das Familienprojekt trotz chronischer Geldknappheit ganz gut behaupten - die Lebensmittelversorgung ist schon fast autark – und wenn man kein Holz für die Sitze des Treffpunktes unter den Bäumen hat, werden halt Steine besorgt und von Skulpteuren zu Sitzen gestaltet. Ja sicher, auch der Obolus der Besucher und Mittagsgäste zählt bei solchen Stationen. Aber nie stand der bei unseren Begegnungen im Mittelpunkt, nie war das eine aufdringliche oder peinliche Situation.

Überhaupt, die im Internet mächtig aufgeblasene Debatte zum Trinkgeld in Kuba. So heißt es oft, dass man vielerorts am Tresen, in Hotels und überhaupt im Service nur dann gnädig beachtet würde, wenn man mit kräftigem Trinkgeld winkt. Das hat mit der Realität, die wir erfahren haben, nichts zu tun. Kann ja sein, dass in den teuren Varadero-Burgen die Moral des Personals Schaden nimmt, angesichts eines völlig überdrehten Tourismus – wie anderswo in der Welt auch. Bei unseren Service-Kontakten haben wir das so nicht erlebt, auch nicht in Varadero. Wissend, dass Trinkgeld den Hauptanteil des Verdienstes ausmacht, kann man das locker einplanen und dann kommt es nur noch auf die konkrete Situation bzw. den Service der Person an. Und wie so oft gilt auch hier: so wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus.
Eher fand ich es angenehm, dass wir eigentlich nie auf unterwürfiges oder trinkgelderheischendes Verhalten gestoßen sind. Und für ein kurzes Schwätzchen zwischendurch kann der Urlauber im Zweifel ruhig mal einen Moment auf seinen Cuba libre warten. Souverän und selbstbewusst, auch wenn es an vielem mangelt, so sind die Kubaner – somos cubanos.

Hier geht's zu Teil 3: Landschaft in Kuba

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