Schule in Kuba


Jeder, der schon auf Kuba Urlaub gemacht hat und nicht nur in einem All-Inclusive-Resort am Strand gelegen hat, ist ihnen sicher schon irgendwo begegnet und hat mit Sicherheit zumindest ein Erinnerungsfoto von ihnen mit nach Hause genommen: Schulkinder in farbigen Schuluniformen, allein oder in der Gruppe. In Kuba herrscht Schulpflicht, wie fast überall, aber im Unterschied zu anderen Ländern der Region und in ganz Lateinamerika wird sie hier auch strikt durchgesetzt.

Gleich nach dem Sieg der kubanischen Revolutionäre im Jahr 1959 wurde ein, zur damaligen Zeit, einmaliges Projekt von den "Barbudos" rund um Fidel Castro und Che Guevara in Angriff genommen und auch bis in die hintersten Winkel des Landes durchgesetzt. Eine groß angelegte Alphabetisierungskampagne, die bis heute in anderen Ländern Nachahmer findet. Heutzutage kann so gut wie jeder Kubaner Lesen und Schreiben, ein Erfolg, der Kuba bis heute den Respekt vor allem in vielen Ländern der Dritten Welt eingehandelt hat. Bildung und Kultur wird in Kuba groß geschrieben. Im Fernseher ist ab Werk der Spruch von Jose Marti zur Begrüßung beim Anschalten voreingestellt: "Ser culto para ser libre!" ("Gebildet sein um frei zu sein!")

Kinderleben in Kuba

Während zum Beispiel Kinder in anderen Ländern Lateinamerikas teilweise noch in Minen arbeiten müssen, Fußbälle in Asien von Kinderhand genäht werden oder in vielen Ländern der Welt Kinder auf Müllhalden nach Essbarem für ihre Familien suchen, ist Kuba anders! Es hat mich seit meinen ersten Reisen auf die Karibikinsel immer fasziniert, wie Kinderlieb die Kubaner sind. So arm die Familien auch sein mögen – und es sind Viele, die nur mit ganz wenig auskommen müssen – die Kinder habe ich zumeist mit einem Lachen im Gesicht glücklich und zufrieden mit Freunden spielen sehen. Ein Kinderleben könnte schlechter sein als in Kuba!

Schon ganz früh werden die Kleinsten im "Circulo Infantil" (Kindergarten) betreut, zumal viele Eltern berufstätig sind. Der staatliche Kindergarten kostet die Eltern 40 kubanische Pesos im Monat. Dafür werden die Kleinkinder ganztägig betreut und verpflegt. Wer mehr Geld zur Verfügung hat schickt sein Kind zu privaten Kindergärten, die in den letzten Jahren gerade in Havanna stark zugelegt haben, seit die staatlichen Institutionen nicht mehr ausreichen bzw. Betreuungspersonal aufgrund der niedrigen Löhne in die Privatwirtschaft abwandert.

Mit fünf Jahren beginnt dann das "Abenteuer Schule". Zunächst zwar nur in der sogenannten Vorschule (Prescolar), aber schon mit der typischen Schuluniform, wie sie später auch ab der 1. Klasse getragen wird: Rote Hose bzw. Rock und weiße Strümpfe und Hemden. Die Schulen – auch die Vorschule – sind zumeist Ganztagsschulen. Hier wird das Mittagessen vom Staat gestellt. Sieben kubanische Pesos müssen bezahlt werden pro Monat, nicht viel, aber das Essen fällt dementsprechend dürftig aus. Reis und Bohnen oder Linsen, dazu ein Stück Hühnerfleisch oder Hackfleisch, das mit Soja gestreckt wurde. Daher gehen viele Eltern dazu über den Kindern nicht nur einen Snack für zwischendurch, sondern auch ein zusätzliches zu Hause vorgekochtes Mittagessen mit in den Ranzen einzupacken. Keiner will, dass sein Kind tagsüber hungrig bleibt!

Das kubanische Schulsystem

Welches Kind welche Schule besucht – das Schulsystem ist an das englische angelehnt – ist an den Farben der Uniformen zu ersehen. Rot-Weiß in der Escuela Primaria (1. bis 6. Klasse), Gelb-Weiß in der Secundaria (7. bis 9. Klasse) und später dann ein Traum in Hell- und Dunkelblau in der Pre-Universitaria (10. bis 12. Klasse). Die Schüler lassen sich so leicht zuordnen! Zusätzlich zur Uniform bekommen die Erstklässler in einer feierlichen Zeremonie Anfang Oktober das blaue Pionier-Halstuch von einem Elternteil umgebunden. Die Pioniere (ehemalige DDR-Bürger erinnern sich bestimmt) sind eine staatliche Jugendorganisation, die sich den Idealen Che Guevaras verpflichtet fühlt. Dder einheitliche Gruß, bei jeder staatlichen Veranstaltung vorgetragen, lautet "Seremos como el Che" ("Lasst uns wie Che sein") und wird von einer Grußbewegung der Hand zum Kopf begleitet. Zum Ende der Dritten Klasse erneuern die Schüler ihre Zugehörigkeit zu dieser Organisation und erhalten dann ein rotes Halstuch, das bis zum Ende der sechsten Klasse getragen wird.

Die Schuluniformen sind übrigens nicht umsonst, sondern müssen mit einem Bezugsschein, dem sogenannten "Ticket" in speziellen Läden zum Preis von knapp 10 kubanischen Pesos gekauft werden. Jeder Schüler erhält ein bis zwei Uniformen pro Jahr zugeteilt. Wer einen höheren Verschleiß hat, der muss sich die Uniform ohne Ticket kaufen, es wird dann gut 10 mal soviel verlangt. Schuhe und Strümpfe gehören nicht zum Uniformpaket und müssen unabhängig gekauft werden – ein Albtraum für viele Eltern, seit sich auch bei den Kindern in Kuba der Markenwahn breit macht und billiges Schuhwerk nur ungern getragen wird!

Der Schultag beginnt normalerweise um 8 Uhr morgens mit dem Fahnenappell. Die National- und die Schulhymne wird zusammen auf dem Schulhof gesungen, die Schulkinder stehen in Reih und Glied. Zum Abschluss noch der Pioniergruß, dann geht es in die Klassenzimmer. Viele Eltern sammeln nebenher noch Geld ein, um das meist hässliche und nur ungenügend ausgestattete Klassenzimmer zu verschönern. Oft muss auch ein Ventilator extra gekauft werden. Die Tage sind oft heiß und lange und ohne Kühlung arbeitet der Kopf nur ungern. Auch für Abschlussgeschenke und Feiern wird gesammelt. Bei uns sind es zumeist 10 kubanische Pesos im Monat. Für viele Eltern ist das viel Geld und man spart es sich oft vom Munde ab, um den Kindern den Schulalltag zu verschönern. Meine Kinder hatten Glück – ihr Papa ist "Yuma" (Ausländer)!

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