Traumstraßen Kuba: Die Küstenstraße Pilon - Santiago de Cuba


In all den Jahren, in denen ich Kubas Straßen im Mietauto oder mit dem Geschäftswagen befahren habe, bin ich immer wieder auch auf Strecken unterwegs gewesen, die es meines Erachtens nach jederzeit mit den Traumstraßen Europas, der Route 66 in den USA oder anderen herrlichen Panoramastraßen unseres Planeten aufnehmen konnten. Eine dieser Strecken, für mich eine der schönsten Kubas, möchte ich Ihnen heute näher vorstellen, vielleicht sind Sie ja demnächst auch mit dem Wagen auf der Karibikinsel unterwegs?! Dann sollten Sie sich diese Route nicht entgehen lassen: die Küstenstraße von Pilon nach Santiago de Kuba an der Südflanke der Sierra Maestra!

Grundsätzliches:

Die 175 Kilometer lange Strecke, die den Fischerort Pilon und die heimliche Hauptstadt Kubas verbinden, schlängelt sich entlang der Südküste der Sierra Maestra und kann in drei Bereiche aufgeteilt werden. Den ersten, relativ flachen Abschnitt von Pilon bis zur schönen Bucht von Marea del Portillo. Hier wartet ein Hotelkomplex aus zwei Teilen heutzutage vornehmlich auf kanadische Urlauber, die den herrlichen Strand aus feinem schwarzen Basaltsand für ihren Badeurlaub auserkoren haben. Bis hierhin sind auch die Straßenverhältnisse relativ akzeptabel. Die Straße wird aufgrund des Zustromes der sonnenhungrigen Urlauber aus dem Norden regelmäßig ausgebessert und ist für jegliche Art von Fahrzeugen gut befahrbar.

Der zweite Teil führt, zum Teil eng an die hier steil ins Meer abfallenden Berge der Sierra Maestra geschmiegt, nach Chivirico, aufgrund der Umweltbedingungen ist dieser Straßenabschnitt durch starke Unwetter und Steinstürze teils schwer beschädigt und ein geländegängiges Fahrzeug ist hier von Vorteil. Mehrere beschädigte Brücken können auf Feldwegen umfahren werden. Mit Kleinwagen und den luxuriöseren Mietautos der kubanischen Mietwagenfirmen, die oft über keine große Bodenfreiheit besitzen, setzt der mit den Verhältnissen nicht vertraute Wagenlenker leicht auf und die Fahrzeuge überstehen das meist nicht unbeschädigt. Wer den Weg allerdings gut kennt und mit den Straßenverhältnissen vertraut ist kann die Tour auch mit normalen Klein- oder Mittelklasseautos durchführen. Der letzte Abschnitt ab Chivirico bis Santiago de Cuba ist dann relativ einfach, gut ausgebaut und nicht mehr ganz so spekatakulär, da die Berge nun weiter ins Hinterland rücken, schnelles Vorwärtskommen ist hier garantiert.

Pilon - Marea del Portillo

Auf den rund 15 Kilometern passiert man mehrere kleine Buchten. Eine davon wartet mit einer weiteren kleinen Hotelanlage auf, der Villa Punta Piedra, die vornehmlich für den nationalen kubanischen Tourismus genutzt wird. Da der Strandabschnitt an dieser Stelle nicht zum Baden geeignet ist und die Anlage relativ spartanisch ausgestattet ist, sollte man in jedem Fall die Hotelanlagen an der Bucht von Marea del Portillo bevorzugen. Ein Hotelteil des Club-Amigo-Komplexes der Kubanischen Hotelkette Cubanacan mit dem Namen Marea del Portillo liegt dort direkt am Meer. Der zweite, etwas komfortablere, liegt etwas erhöht ca. 200 Meter entfernt und hört auf den Namen Farallon de Caribe und ist aufgrund der höheren Lage zudem mit einem herrlichen Blick über die Bucht gesegnet. Wer die gesamte Küstenstraße nach Santiago nicht an einem Tag befährt sondern Zeit für Zwischenübernachtungen hat, sollte auch unbedingt einen Ausflug zu den Wasserfällen Las Yaguas im Hinterland unternehmen. Neben dem Bad unter dem Wasserfall ist hier vor allem die Anfahrt, die meist mit Jeeps durchgeführt wird, spektakulär.

Marea del Portillo - Chivirico

Ab den Hotelanlagen bei Marea del Portillo wird es dann ruppig auf der Straße. Die kommenden knapp 100 Kilometer haben es in sich und zwar in jeder Beziehung. Zunächst das Unangenehme: die Straßenverhältnisse sind zum Teil katastrophal. Bergklippen müssen auf Schotterpisten umfahren werden, an manchen Stellen fiel die Hälfte der Straße den Witterungsbedingungen zum Opfer und wurde vom Meer "gefressen". Brücken mit eingeknickten Pfeilern sind mit Vorsicht zu genießen, am Besten umfährt man sie auf kleinen Wegen, auch wenn manch Einheimischer die Brücken trotz Einsturzgefahr überfährt. Belohnt wird der so geplagte Chauffeur von den herrlichen Ausblicken dieses Streckenabschnittes, auf der einen Seite die grünen Hänge der Sierra Maestra, auf der anderen das karibische Meer. Immer wieder erblickt man herrliche verwaiste Strände aus feinem Kies, oft nur auf abenteuerlichen kleinen Wegen zu Fuß zu erreichen. Beim kleinen Ort Las Cuevas, direkt unterhalb des Pico Turquino wurde eine kleine Ökostation mit Info errichtet, von hier aus können geübte Wanderer, auf der Südroute den mit 1.974 Metern höchsten Berg Kubas besteigen. Die Tour mit Guide dauert ca. 10 Stunden und sollte aufgrund der Temperaturen tagsüber frühmöglichst begonnen werden. Das kleine Campismo La Mula unweit nimmt neben kubanischen Gästen auch ausländische Gäste für Übernachtungen in den Cabañas am kleinen Flüsschen auf, die Verhältnisse sind aber spartanisch! Nach ungefähr 3 bis 4 Stunden erreicht man dann die Küstenstadt Chivirico und die Straßenverhältnisse ändern sich abrupt zum besseren.

Chivirico - Santiago de Cuba

Aufgrund der Hotelanlagen Los Galeones und Brisas Sierra Mar wurde vor wenigen Jahren der Straßenabschnitt ab Santiago hierher von Grund auf erneuert. Die 60 Kilometer können in etwas weniger als einer Stunde zurückgelegt werden. Die mit 16 Zimmern relativ kleine und familiäre Hotelanlage Los Galeones liegt einem Adlerhorst gleich auf einem Felskegel in der Bucht von Chivirico. Da die Anlage oft auch von den Parteispitzen der Provinzregierungen und Militärs komplett und exklusiv reserviert wird, wurde schon manch ein Tourist der hier reserviert hatte ins 7 Kilometer entfernte Baderesort verlegt, das mit seinen 300 Zimmern leider nicht ganz so schnuckelig ist. Aber das ist Kuba, Aufregung zwecklos. Das All-Inclusive-Hotel Brisas Sierra Mar verfügt aber über eine relativ gute Ausstattung, für Taucher bieten die umliegenden Gewässer einige sehenswerte Tauchspots. Die Nähe zu Santiago hat zudem schon manchen Urlauber dazu bewogen im Hotel am Badestrand zu wohnen und auf Tagesausflügen Santiago zu erkunden. Die letzten Kilometer sind dann relativ flach und nicht so spektakulär. Kurz vor Santiago verlässt man die Küste und biegt Richtung Inland ab. Nach Umfahren der großen Bucht von Santiago ist man dann am Ziel angelangt, wo man - sofern es noch nicht allzu spät ist - gut den Ifigenia-Friedhof besuchen kann, der an dieser Ausfallstraße liegt und seit neuestem auch, neben Grabstätten anderen wichtigen Figuren des kubanischen Staates, die sterblichen Überreste Fidel Castros beherbergt.

Habe ich Ihre Abenteuerlust geweckt und haben Sie Lust bekommen, auch einmal diese Strecke zu befahren? Meine Empfehlung: Lassen Sie es langsam angehen, Eile mit Weile ist hier angesagt. Ich bin mir aber sicher, dass Sie diese Traumstraße Kubas genießen werden!

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