Wanderung mit dem jungen Fidel (?)


Der Naturpark von Topes de Collantes inmitten des Mittelgebirges der Sierra Escambray gelegen und ganz in der Nähe von Trinidad, ist heute eines der meistbesuchten Naturschutz- und Erholungsgebiete Kubas. Der einstige Luftkurort, bestehend aus einigen Häusern, einem Kurhotel und anderen touristischen Einrichtungen wurde während der ersten Regierungszeit des späteren Diktators Batista im Jahre 1937 angelegt und entwickelte sich schon früh zum ersten Zentrum für den kubanischen Gesundheitstourismus. Auf ca. 800 Metern Höhe gelegen bietet es heute den hitzegeplagten Touristen Erfrischung und die Möglichkeit zu herrlichen Wanderungen in freier Natur.

Ein Kurztrip hat mich letztens wieder einmal in die Sierra Escambray geführt, um neue Wanderwege und Möglichkeiten zu erkunden. Rafael, ein langjähriger und guter Bekannter, ist der Hauptverantwortliche des Informations- und Tourismuszentrums mitten im Ort. Von hier aus starten nahezu sämtliche Touren in die nahen Berge und Täler des Luftschutzgebietes. Er empfängt mich lachend vor dem Eingang um mir meinen heutigen Begleiter zu präsentieren. Und da habe ich mein Deja-Vú: "Fidel" alias Alexander! So wie ich hier müssen sich die Besucher des jungen Fidel Castro in der Sierra Maestra in den fünfziger Jahren gefühlt haben. Alexander besitzt zwar nicht die hochgeschossene Statur Fidels, aber die Ähnlichkeit der Gesichtszüge mit dem typischen Bart ist verblüffend. Gut, Fidel wäre vermutlich nie auf die Idee gekommen sich ein Che-Shirt überzustreifen wie mein Guide Alexander, aber irgendwie verleiht diese Kombination dem Augenblick die gewisse Note. So etwas vergisst man nicht mehr: Fidel und Che in einer Person getroffen! Alexander ist Ende Zwanzig und spricht fließend deutsch. Nein versichert er, er war noch nie außerhalb Kubas unterwegs, alles an der Uni und per Autodidaktik mit Kunden angeeignet!

Guide Alexander

Nengoa Trail

Rafael hat mir diesen Guide zugeteilt, da er nicht nur gut deutsch spricht, sondern auch ein erfahrener Kletter- und Trekking-Guide ist – genau das Richtige für mein heutiges Unterfangen. Ich hatte Rafael gebeten, mir etwas Neues zu zeigen, und da kamen wir aufs Canyoning, einer Sportart, die hier auf Topes de Collantes hauptsächlich von kanadischen Besuchern ausgeübt wird. Die Bäche und Flusstäler mit den vielen kleinen und größeren Wasserfällen eignen sich prächtig dafür. Leider verfügt die Parkverwaltung nicht über die notwendigen Mittel für die Ausrüstung, daher muss, wer derartiges hier durchführen will, seine Ausrüstung selbst mitbringen. Ob die Condor das wohl als kostenfreies Sportgepäck durchgehen lässt, frage ich mich leise?

Schon fährt der Jeep vor, der uns, wie bei allen anderen Touren auf Waldwegen und Schotterpisten zum Ausgangspunkt des ausgewählten Trails bringt und hier bis zu unserer Rückkehr auch wartet. Man hat mir den Weg zur Nengoa-Grotte ausgesucht, der wohl in Kürze auch bei den meisten Kubaveranstaltern buchbar sein wird. Wer nicht in grossen Reisegruppen durch den Wald geschoben werden will, sollte sich den Namen "Gruta Nengoa" merken! Die Fülle der Touristen, die das Naturschutzgebiet jedes Jahr in steigender Zahl besuchen, hat dazu geführt, dass das Naturerlebnis Topes de Collantes machmal in der Hochsaison nurmehr sehr eingeschränkt genossen werden kann. Wartezeiten bei der Anfahrt sind nur der Anfang, zuviele Touristen, zuwenige Jeeps und Lastwägen zum Transport zu den Wanderwegen. Diese sind allerdings alleine schon einen Besuch Wert, die Fahrt mit dem Jeep oder ehemaligen russischen Militärlaster verleiht dem Motto "der Weg ist das Ziel" eine ganz besondere Note. Je nach Wanderweg werden dann Flüsse gequert, kleine Naturschwimmbäder und Wasserfälle besucht, und immer wieder ergeben sich während den Wanderungen herrliche Ausblicke, bei manchen Wegen bis hinunter zum karibischen Meer. Es gibt einfachere und anstrengendere Touren, die meisten Touristen wandern entlang des Rio Melodioso, dem sogenannten Guanayara-Trail.

Mein Nengoa-Trail führt durch kleinere Kaffee- und Obstpflanzungen zu einem grottenähnlichem Gebilde mit Wasserfall, die sogenannte "Gruta Nengoa", hier wird das Canyoning normalerweise durchgeführt, vorausgesetzt man hat die notwendige Ausrüstung dazu. Mangels dieser fällt das Canyoning heute buchstäblich ins Wasser, ich begnüge mich damit Fotos zu machen und die Umgebung zu inspizieren. Unterwegs bietet uns ein Bauer noch Früchte und selbstgekochten, köstlichen Kaffee an, wenn in Zukunft Touristengruppen hierher gelotst werden, wird wohl auch bald ein Ranchon für das leibliche Wohl hier irgendwo errichtet. Nach etwa zwei Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt, der Jeep wartet schon. Wer im Naturpool badet, klettert oder sich die hiesige Flora und Fauna von einem der spezialisierten Reiseleiter ausführlich erklären lässt, benötigt dementsprechend länger! Nach einem kurzen Abstecher zur Casa del Café auf dem Rückweg setzt mich Alexander wieder am Info-Zentrum ab, die Wege des "jungen Fidel" und mir trennen sich. Ich bedanke mich herzlich für seine Dienste und drücke ihm noch ein ordentliches Trinkgeld in die Hand, danach sitze ich noch eine Weile bei Rafael. Er hält mich regelmäßig über Neuigkeiten und Zukunftspläne auf dem Laufenden.

Und dann geht es über die steile Serpentinenstraße wieder zurück nach Trinidad, in der Ferne kann man schon die Playa Ancón und die Hotelanlagen am Strand erkennen, kurze Zeit später liege ich an Selbigem. Trinidad und die Sierra Escambray sind einfach immer für abwechslungsreiche Erlebnisse gut!

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