{"id":195,"date":"2022-08-05T13:12:22","date_gmt":"2022-08-05T11:12:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.aventoura.tourone.de\/blog\/?p=195"},"modified":"2025-03-25T09:41:03","modified_gmt":"2025-03-25T08:41:03","slug":"tourerlebnis-sidecar-cuba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/2022\/08\/05\/tourerlebnis-sidecar-cuba\/","title":{"rendered":"Tourerlebnis Sidecar Cuba"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Willy Neumann<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Ein leises Klacken und die Getriebezahnr\u00e4der stehen auf R\u00fcckw\u00e4rts. Lange habe ich auf diesen Moment gehofft und endlich ist es soweit &#8211; ich rangiere die Ural mit Beiwagen aus der schmalen L\u00fccke vor dem Edificio Bacardi in Havanna-Vieja. Vor mir liegen 5 Tage <a href=\"https:\/\/www.aventoura.de\/reisen\/urlaub-kuba\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.aventoura.de\/reisen\/urlaub-kuba\">Cuba <\/a>mit dem Motorrad. Rund 600 km Entdeckungstour in den Westen der Insel.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1989 war ich das erste Mal hier um Cuba\u00b4s Osten zu bereisen, damals mit Bus &amp; Bahn, hin und wieder per Autostopp und sogar mit einem Mietwagen &#8211; ein Volkswagen Santana, ziemlich ramponiert und klapprig. Meine Ural im Jahr 2019 hingegen ist ein Schmuckst\u00fcck mit 21 km auf dem Tacho, praktisch neu. Eines der zuletzt ausgelieferten Vergasermodelle und optisch exakt baugleich mit den so vielen Tausenden Ural Motorradgespannen die \u00fcber die Zuckerinsel Cuba bollern &#8211; in diesem neuwertigen Zustand und der Zuverl\u00e4ssigkeit ein wirkliches Unikat.<br>Nirgendwo in ganz Lateinamerika haben sich die robusten Boxermaschinen aus sowjetischer Produktion so konsequent bis in die Gegenwart im Strassenbild verankert, wie auf Cuba.<br>Und es ist eine wahre Freude, jetzt mit einem, f\u00fcr diese Tropeninsel typischen Motorradgespann f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage aufzubrechen, um die kubanische Gastfreundschaft zu entdecken.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"396\" class=\"wp-image-196\" style=\"width: 600px;\" src=\"https:\/\/www.aventoura.tourone.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Motorrad_Cuba.jpg\" alt=\"Motorrad Sidecar\" srcset=\"https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Motorrad_Cuba.jpg 580w, https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Motorrad_Cuba-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n\n\n\n<p>Der Reiseveranstalter&nbsp;<strong>avenTOURa<\/strong>&nbsp;aus Freiburg im Breisgau hat das Angebot im Programm. Beim Abschied vor dem Reiseb\u00fcro in Havanna klopft mir Jorge, mein kubanischer Tourguide auf die Schulter und meint augenzwinkernd, er denke, dass mir meine Erfahrung mit Ural Beiwagenmaschinen w\u00e4hrend einiger Tausend Kilometer durch Polen und die Ukraine sicherlich helfen wird, die zum Teil holprigen Passagen auf den den kubanischen Strassen zu meistern. Es wird sich herausstellen, dass alles halb so schlimm ist, wenn man wie ich, im Geniesser-Modus die stillen Winkel und K\u00fcstenabschnitte der Insel erkunden m\u00f6chte und bereits einmal ein Beiwagenmotorrad gesteuert hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Ab nach las Terrazas<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein erstes Highlight auf dem Weg nach Las Terrazas, dem Ziel der ersten Etappe, ist das kleine verschlafene Dorf Caba\u00f1as. Versteckt im h\u00fcgeligen Hinterland der Atlantikk\u00fcste Cubas, findet sich auf dem Marktplatz ein Caf\u00e9 mit Bar und Imbiss. Das lebendige Treiben im Schatten der B\u00e4ume, Kinder feixend in Ihren Schuluniformen und vereinzelte Pferdefuhrwerke mit Gem\u00fcse aus dem eigenen Garten auf den Strassen pr\u00e4gen den September ist es zugegeben sogar zum Motorradfahren ein wenig zu heiss und eine Rast im Schatten sch\u00e4rft die Sinne. Gleich darauf habe ich die Strassen wieder fast f\u00fcr mich allein und der Boxermotor schnurrt vor sich hin &#8211; im gem\u00e4chlichen Flug \u00fcber die Landstrassen und den h\u00fcgelig ansteigenden Passagen, vorbei an satt gr\u00fcnen Weiden mit K\u00f6nigspalmen, dem Wahrzeichen der sozialistischen Karibikinsel.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"566\" height=\"384\" src=\"https:\/\/www.aventoura.tourone.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Las-Terrazas.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-197\" srcset=\"https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Las-Terrazas.jpg 566w, https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Las-Terrazas-300x204.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 566px) 100vw, 566px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Meine Tagesetappen sollen sich bei ca. 150 km einpendeln und es stellt sich heraus, dass diese Rechnung voll aufgeht. Die Strassen sin beinahe menschenleer und vereinzelte Schulbusse kreuzen meinen Weg. Die steile Passage hinauf zum Castillo en las Nu\u00f1es schliesslich ist schon vielversprechend, der Ausblick von h\u00f6chsten Punkt dann atemberaubend.<br>Selbst die Karibikk\u00fcste im S\u00fcden der Insel ist von hier oben auszumachen und als absolutes Highlight l\u00e4dt der Swimmingpool hinter der Snack Bar dazu ein, sehr viel l\u00e4nger als geplant zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Hotel Moka, mein erster Zwischenstop in Las Terrazas ist nur noch einige Kilometer entfernt und ein perfekter Abschluss des ersten Tages auf dem Weg in den wilden (Tabak)- Westen Cubas. Das Hotel liegt auf einem sanften H\u00fcgel und ist in das d\u00f6rfliche Ambiente des Ortes wunderbar integriert. Wer noch zus\u00e4tzlichen Nervenkitzel sucht, f\u00fcr den gibt es auch eine ausgedehnte Canopy-Seilf\u00e4hre \u00fcber den See hinweg. Mir jedoch reicht die Erinnerung an diesen Tag mit reinster Fahrfreude.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Tabakregion Vi\u00f1ales<\/h3>\n\n\n\n<p>Der n\u00e4chste Tag verspricht wieder spannend zu werden &#8211; das St\u00e4dtchen Vi\u00f1ales ist als Ziel auserkoren und die Ural steht auf dem Parkplatz bereit &#8211; unter den wachenden und leuchtenden Augen des Hausmeisters. Es ist immer wieder faszinierend zu erleben, wie sehr ein Motorrad die Kommunikation unter Menschen befl\u00fcgelt und eine freundliche Atmosph\u00e4re schaffen kann. M\u00e4nner verfallen spontan in Anekdoten \u00fcber Ihre erste Tour und manche Frauen klatschen l\u00e4chelnd und zustimmend die H\u00e4nde zusammen und w\u00fcnschen \u201ebuen viaje\u201c. W\u00e4hrend ich den Helm aufsetze, erz\u00e4hlt Y\u00fccel begeistert, wie er letztes Jahr mit seiner 125ccm Suzuki von Havanna bis nach Baracoa zu seinen Kindern gefahren ist &#8211; gut und gerne 1000 km, immer die kleinen Routen und versteckten Stra\u00dfen im Visier. Eine unvergessliche Tour &#8211; Motorcycle Drivers Dream!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"581\" height=\"384\" src=\"https:\/\/www.aventoura.tourone.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Motorrad_cuba_side.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-198\" srcset=\"https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Motorrad_cuba_side.jpg 581w, https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Motorrad_cuba_side-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 581px) 100vw, 581px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die Ural startet mit dem ersten Impuls des E-Starters und l\u00e4uft sofort ohne Choke rund, die 25C Grad am Morgen sind dabei sicher hilfreich\u2026<br>Ich nehme auf den ersten Metern die Carretera Richtung Pinar del Rio und die Route ist um einiges abwechslungsreicher als eine Autobahnfahrt im heimischen Europa. Unter den Br\u00fcckendurchfahrten stehen immer viele Cubaner, auf eine Mitfahrgelegenheit wartend &#8211; es gilt vorsichtig zu sein, denn der wenige Verkehr verleitet zur Unachtsamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige Kilometer weiter \u00fcberhole ich gem\u00e4chlich zwei Ausfl\u00fcgler auf einem Ural Gespann! Wir winken uns herzlich zu, auf beiden Seiten ist der Stolz sichtbar, in diesem Augenblick eine sehr individuelle Art der Fortbewegung geniessen zu k\u00f6nnen. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter nehme ich dann die Ausfahrt Richtung Las Ovas, an der ersten Tabaccho Finca vorbei, und lege eine Pause am Aussichtsbalkon des Hotel Los Jazmines ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Vi\u00f1ales Tal liegt mir zu F\u00fcssen und der Blick \u00fcber die tropisch-gr\u00fcn schimmernde weiche Felsenlandschaft verleitet sofort dazu, einzutauchen in diese satte Vegetation. Die Unmittelbarkeit des Naturerlebnisses in solch einer Landschaft, egal ob auf zwei oder in meinem Fall auf drei R\u00e4dern, ist wirklich grossartig. Jeder Rad- oder Motorradfahrer wird es best\u00e4tigen und meine Begeisterung im Schwingsattel der Ural steigert sich mit jedem gefahrenen Meter. Es locken diverse Zwischenstopps, die ich hier und jetzt, alle gar nicht wahrnehmen kann. Der kleine Pfad hinein ins Vi\u00f1ales-Tal ist eigentlich f\u00fcr Reitausfl\u00fcge gedacht aber auch breit genug f\u00fcr meine Ural samt Beiwagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann der Abzweig zu den ber\u00fchmten \u201eMurales\u201c. Eine willkommene Abwechslung. Fidel Castro pers\u00f6nlich hat in den sechziger Jahren veranlasst, dass kubanische K\u00fcnstler hier an den steilen Felsw\u00e4nden ihre Interpretation der in der N\u00e4he entdeckten, tausende Jahre alten H\u00f6hlenmalereien verwirklichen und sich damit ebenso verewigen wie Ihre Vorfahren.<br>Am Ortsrand von Vi\u00f1ales schliesslich folge ich dem Wegweiser zur Tabak Finca und lerne w\u00e4hrend des Verkostens des hauseigenen Rum\u00b4s, mit welcher Kunstfertigkeit hier die edelsten Zigarren der Welt in Handarbeit hergestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige Stunden sp\u00e4ter habe ich die Ural im Garten meiner Casa Particular abgestellt und sitze in einem kleinen Restaurant gleich neben der Kirche am Dorfplatz von Vi\u00f1ales. Elena, meine Gastgeberin hat es empfohlen und mir das Versprechen abgerungen, die abendliche Salsa Show nur ja nicht zu verpassen. Auf mich wartet endlich ein k\u00fchles Crystal Bier und ein unvergesslich rythmischer Salsa Abend unter freiem Himmel. Und nach dem Essen werden es sicher noch ein oder zwei Mojito\u00b4s mehr werden\u2026<br>Die Sonne senkt sich und wie auf Bestellung tuckert ein betagtes Ural Gespann an mir vorbei. Was f\u00fcr ein zweiter Tag! Viva Cuba!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading has-text-align-center\">Entspannung in Cayo Jutias<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"586\" height=\"385\" src=\"https:\/\/www.aventoura.tourone.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Cayo_JUtias.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-199\" srcset=\"https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Cayo_JUtias.jpg 586w, https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Cayo_JUtias-300x197.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 586px) 100vw, 586px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Cayo Jutias<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Es ist nur schwer vorstellbar dass hier am Strand von Cayo Jutias in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden die Wirbelst\u00fcrme mit zerst\u00f6rerischer Wucht all das hinwegfegen, was nur die geringste Fl\u00e4che f\u00fcr den Wind bietet. Die Anfahrt von Vi\u00f1ales, \u00fcber entlegene D\u00f6rfer und einsame, kleine h\u00fcgelige Landstrassen in fantastischer Kulisse erfordert Konzentration. Die Strassen sind ausgewaschen und abschnittsweise mit einigen Schlagl\u00f6chern versehen &#8211; vorsichtiges Fahren ist also angesagt bevor ich hier, am t\u00fcrkisgr\u00fcnen Atlantikstrand angekommen, mein Ural-Gespann im sp\u00e4rlichen Schatten einer K\u00f6nigspalme parke.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Taxi neben mir steigt gleich darauf Gustavo aus, ehemaliger Universit\u00e4tsprofessor und jetzt Chauffeur im Dienste der \u201eTouristas&#8220;. Er strahlt \u00fcber das ganze Gesicht. Seit 20 Jahren ist er auf der ganzen Insel f\u00fcr Touristen unterwegs, aber ein neues Motorradgespann ist ihm noch nie begegnet. Er spricht mich auf Englisch an, und ich erz\u00e4hle ihm gern ausf\u00fchrlich meine bisherigen Etappen.<\/p>\n\n\n\n<p>Minas de Matahambre, das letzte St\u00e4dtchen in den Bergen auf dem Weg hierher, so erkl\u00e4rt er mir , war vor der Revolution so etwas wie ein Bergarbeiterst\u00e4dtchen. Abgelegen aber lebendig, reich an Erzen, aber die Bev\u00f6lkerung arm wie die Kirchenm\u00e4use. Nach dem Sieg der Revolution 1959 wurde auch hier im abgelegenen Westen der Insel die Bildung der Bev\u00f6lkerung grossgeschrieben. Die sogenannten Cine moviles, umgebaute LKW\u00b4s mit Filmprojektoren wurden in die Provinzen geschickt um die Alphabetisierungskampagne zu unterst\u00fctzen.<br>Schulen wurden in der Folge errichtet und schliesslich wurde \u00f6konomisch mehr auf Landwirtschaft, vor allem auf Zuckerrohranbau gesetzt. Seitdem liegt der Bergbau brach. Wir trinken zusammen ein Glas Rum in der Strand-Bar aus Palmholz. Mein Blick f\u00e4llt auf die vielen kubanischen Familien, die hier mit ihren Kindern einen Strandtag verbringen. Wenig weitere G\u00e4ste, einige Touristen aber alles sehr entspannt. Die Holzkonstruktion wirkt wie eine Handvoll sortierte Mikadost\u00e4be, aufgebaut mit dem Wissen, dass der n\u00e4chste Hurrikan schicksalhaft vorbestimmt ist. Ein Fingerzeig f\u00fcr die Reiseplanung!<\/p>\n\n\n\n<p>Gustavo muss los, wirft sich in sein Oldtimer Taxi und Ich mich endlich in die Fluten. Inzwischen ist es Nachmittag geworden und mich juckt es wieder in den Fingern, meine Tages-Rundtour weiter voran zu treiben. Der schnurgeraden Strasse auf dem Cayo folge ich im Slalomkurs. Ich versuche mit der Maschine die gr\u00f6bsten Schlagl\u00f6cher zu Umkurven und das Beiwagenrad dabei nicht zu vergessen! Kein Problem, ich habe die ganze Strasse f\u00fcr mich, es ist kein Verkehr. Muss sehr lustig aussehen aus der Vogelperspektive!<br>Nach wenigen Kilometern bin ich wieder auf der Hauptstrasse und halte Ausschau nach einer Tankstelle. Es gibt drei Sorten Benzin, von 83 Oktan aufw\u00e4rts, meine Ural schluckt eigentlich alles ausser Diesel. Ich spendiere ihr aber trotzdem Gasolina Especial mit 94 Oktan. Der Boxer hat ja schliesslich bei den tropischen Temperaturen auch einiges zu tun\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Gustavo hat mir noch einen Tip f\u00fcr den R\u00fcckweg gegeben &#8211; eine ehemalige Kaffeeplantage aus der Kolonialzeit. Ich nehme den Abstecher gerne in Kauf und schlendere nach einer kurzen steilen Auffahrt \u00fcber die terrassenartig gemauerten fr\u00fcheren Anbaufl\u00e4chen und Ruinen der Finca.<br>Ein fantastischer Ausblick bietet sich hier \u00fcber die sattgr\u00fcnen H\u00fcgel ins Hinterland. Kaum vorstellbar, mit wie viel M\u00fchsal und Leid dieser Ort seit Generationen auch verbunden ist. Das kleine Caf\u00e9 im Haupthaus bietet Refrescos, Sandwiches und nat\u00fcrlich &#8211; Kaffee. Ein perfekter Zeitpunkt daf\u00fcr und ein angemessen rustikales Ambiente noch dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile begegnet man auf den Strassen neben den klassischen kleinen Motorr\u00e4dern und Mopeds vereinzelt auch Elektrorollern chinesischer Produktion. Findige Kubaner organisieren den Eigenimport \u00fcberwiegend aus Panama und versuchen die Roller gewinnbringend zu verkaufen. Leider ist Cuba nicht nur mit kontinuierlichen Stromversorgungsproblemen konfrontiert, auch die Teilversorgung und Reichweite dieser trendigen E-Roller scheint ziemlich begrenzt. Leergelaufene oder defekte Zweir\u00e4der am Strassenrand legen davon Zeugnis. ab. Mein Ural Gespann hingegen schnurrt munter vor sich hin und die gelungene Symbiose aus Tradition und Moderne zeigt sich auch bei st\u00e4rkerem Gef\u00e4lle, die Brembo Scheibenbremsen neuester Generation verz\u00f6gern die Fuhre sicher und zuverl\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei meiner Ankunft Vinales wird mir pl\u00f6tzlich bewusst, dass ich v\u00f6llig intuitiv und sicher mit dem Gespann um die Kreuzungen kurve und die Eingew\u00f6hnungszeit beim Umstieg vom Zweirad- auf den Beiwagenmodus fliessend in routiniertes Motorradfahren \u00fcberging. Elena, meine Gastgeberin empf\u00e4ngt mich neugierig und sieht mir die erlebten Kilometer der Tagesrundtour auf den ersten Blick an. Ein leichter Sonnenbrand auf Nase und Stirn l\u00e4sst sich nicht so einfach abstreiten.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"581\" height=\"387\" src=\"https:\/\/www.aventoura.tourone.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Motorrad_Cuba_side_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-201\" srcset=\"https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Motorrad_Cuba_side_1.jpg 581w, https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Motorrad_Cuba_side_1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 581px) 100vw, 581px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Fahrt mit zwei Motorr\u00e4dern<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Am vierten Tag steht bei mir die Strecke entlang der Nordk\u00fcste auf dem Programm &#8211; mit Ziel Las Terrazas. Ich habe mich f\u00fcr eine weitere Nacht im Hotel Moka entschieden. Reine Sympathie, verbunden mit Vorfreude auf den Pool. Das exzellente Diner im Restaurant gaben schliesslich auch noch den Ausschlag. Bis dorthin liegt das St\u00e4dtchen Bahia Honda auf dem Weg und ein Abstecher nach Palma Rubia sollte auch drin sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Cayo Levisa ist ein der K\u00fcste vorgelagerter Archipel, der mit einer kleinen F\u00e4hre von Palma Rubia aus zu erreichen ist. Die einsame Strasse dorthin wird hin und wieder von kleinen Weilern zur\u00fcck ins Leben geholt. Mit Tankstellen sieht es hier nicht so gut aus und ich bin froh, rechtzeitig die Ural versorgt zu haben. Das Caf\u00e9 am F\u00e4hranleger ist ge\u00f6ffnet und ein Bocadillo de queso geh\u00f6rt unbedingt zur Erfrischung dazu. Der Barista erkl\u00e4rt mir, dass die F\u00e4hre nach Cayo Levisa leider nicht f\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist Nebensaison und die Nachfrage war schlichtweg zu gering. Der Verwalter auf der Insel habe den Stromgenerator abgestellt und die F\u00e4hre ausser Betrieb genommen. Jetzt w\u00e4r es aber noch viel spannender dort dr\u00fcben, denke ich mir, so eine ganze Insel f\u00fcr sich allein? Die Ural umbauen und auf Pontons die K\u00fcste entlang, wie Anne Kn\u00f6dler mit ihren Reisegef\u00e4hrten von \u201eleavinghomefunktion.com\u201c es kurzerhand in Sibirien verwirklicht haben?<br>Sch\u00f6ner Gedanke aber mir bleibt nur der geordnete R\u00fcckzug und die weiterhin genussvollen Abschnitte auf der Landstrasse Richtung Las Terrazas.<\/p>\n\n\n\n<p>Am morgigen f\u00fcnften Tag werde ich dann die R\u00fcckreise ganz entspannt via San Antonio de los Ba\u00f1os bis Havanna angehen um noch einige Runden dort zu drehen. Von der Plaza de la Revolution vorbei an der Copellia und am Malecon entlang. Hinauf zum Christo de la Habana an der Hafenfestung und dann hin\u00fcber zum ehemaligen Wohnhaus Che Guevaras, so schwebt es mir vor.<br>Schliesslich gilt es doch, bei diesem grandiosen Ausblick \u00fcber die Altstadt von Havanna, das 500 j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Stadt zu feiern und zu geniessen, so denke ich euphorisch, w\u00e4hrend das Ufer des Lago del San Juan in Las Terrazas etwas sp\u00e4ter im Abendlicht vor mir flimmert und unter meinem Schwingsattel der abgestellte Boxermotor der Ural leise vor sich hin knistert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein leises Klacken und die Getriebezahnr\u00e4der stehen auf R\u00fcckw\u00e4rts. Lange habe ich auf diesen Moment gehofft und endlich ist es soweit &#8211; ich rangiere die Ural mit Beiwagen aus der schmalen L\u00fccke vor dem Edificio Bacardi in Havanna-Vieja. Vor mir liegen 5 Tage Cuba mit dem Motorrad. 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