{"id":390,"date":"2022-08-08T15:34:27","date_gmt":"2022-08-08T13:34:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.aventoura.tourone.de\/blog\/?p=390"},"modified":"2022-08-08T15:47:26","modified_gmt":"2022-08-08T13:47:26","slug":"mein-neues-kolumbien-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/2022\/08\/08\/mein-neues-kolumbien-teil-1\/","title":{"rendered":"Mein neues Kolumbien &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>von Dr. Wilson Cardozo<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>&#8222;Was ich dir jetzt erz\u00e4hlen werde, ist wahr&#8220;, betonte der 21-j\u00e4hrige Kolumbianer Antonio, als er mir eines Abends dieses Erlebnis unter einer Palme anvertraute. Wir befanden uns jedoch nicht, wie vielleicht vermutet, in Kolumbien, sondern am Strand &#8222;La Concha&#8220; im Westen Havannas.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>To\u00f1o, wie er auch genannt wurde, stammte aus Quibd\u00f3 an der Pazifik-K\u00fcste\u00a0<a href=\"https:\/\/www.aventoura.de\/kolumbien\/\">Kolumbiens<\/a>, wo mehrheitlich die schwarze Bev\u00f6lkerung lebt. Sein tiefer aber sanfter Blick gab trotz seiner jungen Jahre zu verstehen, schon alles erlebt zu haben. Er beschrieb ohne Euphorie und mit ruhiger Stimme, wie er als Soldat zusammen mit zwei Dutzend junger Kameraden ein Coca-Labor angriff, das von einer Guerrilla-Einheit in der <strong>Guaviare Region<\/strong> im S\u00fcdosten Kolumbiens bewacht worden war. Nach einem bitteren Kampf, bei dem auch einige aus seiner Truppe verletzt wurden, flohen die Rebellen. Als kein einziger Schuss mehr zu h\u00f6ren war, drangen die Soldaten mit viel M\u00fche in das durch dichte Vegetation versteckte Lager vor. Dort angekommen, fanden sie nicht nur gro\u00dfe Tankbeh\u00e4lter mit Chemikalien und unz\u00e4hlige Pakete mit wei\u00dfem Pulver vor, sondern auch Geld. Viel Geld. &#8222;Der Anblick von gebundenen Dollarscheinen \u2013 noch dazu in solchen Mengen \u2013 hat uns hypnotisiert, ja, magisch angezogen&#8220;, bemerkte To\u00f1o. &#8222;Wir haben alle so viele Scheine genommen, wie wir nur tragen konnten und das Lager nach dem Verlassen angez\u00fcndet&#8220;, fuhr er fort. &#8222;Das Geld wurde an einem bestimmten Ort eingegraben und wir vereinbarten, dass jeder seinen Anteil zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt abholen k\u00f6nne.&#8220;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"653\" height=\"430\" src=\"https:\/\/www.aventoura.tourone.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/image-27.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-391\" srcset=\"https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/image-27.png 653w, https:\/\/www.aventoura.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/image-27-300x198.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px\" \/><figcaption>Schulkinder<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tr\u00e4umen kostet nichts<\/h3>\n\n\n\n<p>Kurz darauf wurde To\u00f1o in einer weiteren Mission schwer verletzt und h\u00e4tte fast sein Leben verloren. Er war nicht mehr einsatzf\u00e4hig und der Staat gew\u00e4hrte ihm eine kleine Rente. Schon bald danach suchte er das Geheimversteck auf, grub die Geldscheine aus und wanderte nach&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.aventoura.de\/cuba\/\">Cuba<\/a>&nbsp;aus. Dort widmete er sich der Musik. Die Schilderung seiner Erlebnisse k\u00f6nnte die Grundlage f\u00fcr einen Film liefern. Und tats\u00e4chlich: F\u00fcnf Jahre nach diesem Gespr\u00e4ch wurde eine \u00e4hnliche Handlung unter dem Titel &#8222;So\u00f1ar no cuesta nada \u2013 Tr\u00e4umen kostet nichts&#8220; verfilmt. Auch wenn ich To\u00f1o nie wieder gesehen habe, musste ich heute beim Schreiben dieses Artikels an ihn denken. Mir ist klar geworden, dass seine Lebensgeschichte mit mir \u2013 nein, nicht nur mit mir \u2013 sondern mit allen Kolumbianern zu tun hat. Seine Schilderungen beinhalten alle Elemente, die jahrelang das Verst\u00e4ndnis und das Bild Kolumbiens im Ausland gepr\u00e4gt haben. Dazu z\u00e4hlen Krieg, Drogen, Korruption, aber am Ende doch auch die Hoffnung auf Frieden. Und diesem sind die Kolumbianer mit den Friedensvertr\u00e4gen von Havanna 2016 einen Schritt n\u00e4her gekommen, aber dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mein Blick zur\u00fcck\u2026<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Auswirkung dieser Entwicklung auf den Tourismus ist heute deutlich sp\u00fcrbar, denn das Land wird mittlerweile als <strong>Geheim-Tipp und Trend-Destination in S\u00fcdamerika<\/strong> gesehen. Dies war jedoch nicht immer so. Ich erinnere mich, dass ich mich Anfang der 1990er Jahre, kurz nachdem ich nach Deutschland gekommen war, mehr mit <strong>Kolumbien<\/strong> auseinandersetzen musste, als ich es in meinem Heimatland selbst jemals getan hatte. Beinahe alle Deutschen, die mit mir damals in Kontakt traten, interessierten sich nicht nur f\u00fcr die Hintergr\u00fcnde der Drogenproblematik rund um <strong>Pablo Escobar<\/strong> und die Kartelle, sondern auch f\u00fcr die Sehensw\u00fcrdigkeiten des Landes. Als Politikwissenschaftler konnte ich das Geschehen im Land schnell einordnen. Um aber \u00fcber die Sch\u00f6nheit des Landes zu sprechen, fehlte mir die Erfahrung. Ich bemerkte sofort, dass ich abgesehen von Bogot\u00e1, der Kaffeezone im Westen und Cartagena an der Karibikk\u00fcste nichts Gro\u00dfartiges berichten oder empfehlen konnte. Aufgrund der mangelnden Sicherheit konnte man sich nicht \u00fcberall im Land bewegen. Vielen Kolumbianern ging es \u00e4hnlich und sie f\u00fchlten sich wie Fremde im eigenen Land. Auch ich sp\u00fcrte damals die Notwendigkeit, mich auf Entdeckungstour zu machen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><a href=\"https:\/\/www.aventoura.tourone.de\/blog\/2022\/08\/08\/mein-neues-kolumbien-teil-2\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.aventoura.tourone.de\/blog\/2022\/08\/08\/mein-neues-kolumbien-teil-2\/\">&#8230;hier geht\u00b4s zu Teil 2<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Was ich dir jetzt erz\u00e4hlen werde, ist wahr&#8220;, betonte der 21-j\u00e4hrige Kolumbianer Antonio, als er mir eines Abends dieses Erlebnis unter einer Palme anvertraute. 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