Die bolivianische Copacabana am Titicacasee


La Paz ist eine interessante Stadt, an der es an jeder Straßenecke etwas zu entdecken gibt. Durch das Seilbahnnetz, das seit dem Jahre 2014 in Betrieb ist, kann man das Verkehrschaos vermeiden und sich die besondere Lage der Stadt auch aus der Luft anschauen. Um dem städtischen Treiben komplett zu entkommen, ist ein Ausflug in die Stadt Copacabana allerdings eine geeignetere Alternative. Mit dem gleichnamigen brasilianischen Strand sollte man diese Stadt nicht verwechseln, dennoch ist ein Besuch der „bolivianischen Copacabana“ lohnenswert.

Durch die Wolken zum Titicacasee

Die dreieinhalb stündige Anfahrt von La Paz aus vermittelt einen Eindruck der Vielseitigkeit der bolivianischen Landschaften. Kurz nachdem wir La Paz und das 500m höher gelegene El Alto hinter uns gelassen haben, befinden wir uns in einer kahlen, trockenen Landschaft auf über 4.100m. Am Horizont kann ich eine schneebedeckte Gebirgskette ausmachen. Auf den folgenden Kilometern legt sich allmählich eine dichte Wolkendecke um unseren Bus. Der Busfahrer greift zu einer Tüte Coca-Blätter, um Symptomen der Höhenkrankheit vorzubeugen. Nach einiger Zeit löst sich der Nebel auf, es geht etwas bergab und eine Fläche mit vielen grünen Wiesen liegt vor uns. Einige Hirten sind mit ihren Lamas unterwegs. Nach dem wir einige Serpentinen passiert haben, befinden wir uns auch schon am Titicacasee, dem größten Süßwassersee Südamerikas. Die Stadt Copacabana liegt auf einer Halbinsel, die wir mit einer Fähre erreichen. Die kurze Fahrt mit dem Boot erspart eine stundenlange Fahrt auf dem Landweg.

Der wichtigste Wallfahrtsort Boliviens

Mit knapp 6.000 Einwohnern ist Copacabana ein kleiner Ort, der in einer herrlichen Bucht am Titicacasee liegt. Die Hauptsehenswürdigkeit, die ich mir auch als erstes anschaue, ist die Basilika von Copacabana. Die Basilika ist das Zuhause der gleichnamigen Schutzpatronin Boliviens, der Virgen de Copacabana. Viele Bolivianer pilgern deshalb hier her. Wie ich erfahre, werden hier auch regelmäßig Autos gesegnet, leider habe ich kein Glück solch eine Zeremonie zu sehen. Am interessantesten finde ich in der Kirche einen Saal, der gänzlich dem Kult der Schutzpatroninnen und Jungfrauen gewidmet ist. Mehrere Dutzend Figuren aus aller Welt sind hier ausgestellt.

Panorama-Blick auf 4.000 Metern

Den besten Blick auf die Stadt und auf den Titicacasee bietet der Berg Cerro Calvario, der unmittelbar am Ortsausgang liegt. Der kurze, aber anstrengende Aufstieg, vorbei an vielen Eukalyptusbäumen, ist ein absolutes Muss. Den Berg hinauf führt ein Kreuzweg. Auf der Bergspitze werden regelmäßig religiöse Zeremonien abgehalten. Als ich oben ankomme, sehe ich gerade noch, wie ein indigenes Ritual beendet wird. Von der 4.011m hohen Bergspitze aus kann man die Stadt und das gesamte Umland erblicken. Das Ende des Titicacasees allerdings nicht, denn dieser erstreckt sich bis zum Horizont.

Erholungsort und Ausgangspunkt für weitere Reisen

Obwohl nur relativ wenig Menschen in der kleinen Stadt Leben, gibt es eine große Auswahl an Restaurants und Bars. Empfehlenswert sind die Buden am Ufer des Sees, wo hauptsächlich die Einheimischen essen. Die Portionen sind dort um einiges günstiger, aber mindestens genauso gut wie in den touristischen Lokalen. Viele Touristen nutzen die Zeit in Copacabana, um einige Tage zur Ruhe zu kommen. Tägliche Busverbindungen nach Peru machen diesen Ort zu einem wichtigen Ausgangspunkt für viele Reisenden. Außerdem kann man die Inseln Isla de la Luna und Isla del Sol besuchen, auf denen es alte Inka-Ruinen zu bestaunen gibt. Als Kultur-Interessierter verschlägt es mich dort natürlich als nächstes hin...

  • Unser Blogger in Bolivien

    Chris Tokple bereist regelmäßig Lateinamerika und interessiert sich dort sehr für die koloniale Geschichte, die Natur, die Kultur und auch die Musik. Neben Kolumbien und Kuba hat es ihm auch Bolivien besonders angetan.

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