Samaipata: Riesenfarne, tierreiche Wälder und Inka-Kultstätten


Das kleines Städtchen Samaipata liegt auf einer Höhe von 1.646m zwischen der westlichen Andengebirgskette und dem Tiefland Boliviens. Wer das Hochland Boliviens bereisen und sich langsam an die Höhe gewöhnen will, startet meist in Santa Cruz de la Sierra und fährt von dort aus nach Sucre. Auf dieser Strecke liegt Samaipata.

Die kleine Stadt verfügt über einen exotischen Markt, auf dem man allerlei Waren entdecken kann. Lokale Spezialitäten wie Salteñas, Tucumanas und Tamales gibt es hier natürlich auch und sollte man sich nicht entgehen lassen. Außerdem kann man von Samaipata aus viele Ausflüge machen. Attraktionen wie der Riesenfarnwald, der tierreiche Nationalpark Amboró, das Weltkulturerbe und die ehemalige Inkastätte La Fuerte befinden sich in der näheren Umgebung der Stadt.

Überflutete Straßen und eine abenteuerliche Hängebrücke

Ich entscheide mich für einen Ausflug in den Riesenfarnwald, der am Rande des Nationalparks Amboró liegt. Von dort aus erhält man einen Panoramablick auf den Nationalpark und die Hochgebirgskette Cordillera Oriental. Pünktlich um 9 Uhr morgens steht Gilberto, mein Guide, vor meiner Unterkunft. Der ältere, kantige Mann erklärt mir, dass unsere Tour kein leichtes Unterfangen wird. Aufgrund des Regens der letzten Nacht haben einige Flüsse die Ufer übertreten und Straßen unpassierbar gemacht, was hier keine Seltenheit ist. Mit Gilbertos Geländewagen, der seine besten Tage schon lange hinter sich hat, versuchen wir trotzdem unser Glück. Nach einigen Kilometern befahren wir eine abenteuerliche Schotterpiste, allerdings wird unsere Fahrt abrupt unterbrochen. Ein Fluss strömt über den Weg vor uns, allerdings sind es mehr Wassermassen als Gilberto seinem Fahrzeug zutraut. Gilberto, der stolz behauptet jeden Fleck in diesem Terrain zu kennen, versucht es über einen Umweg. 15 Minuten später stehen wir jedoch vor dem gleichen Problem, hier gibt es aber eine marode Hängebrücke, über die wir zumindest zu Fuß den Fluss überqueren können.

Jahrhunderte alte Bäume auf 2000m Höhe

Hinter der Brücke beginnen wir unseren Marsch. Zum Riesenfarnwald müssen wir fast 500 Höhenmeter zurücklegen und dass auf einem steilen Schotterweg. Begleitet werden wir dabei ständig von bunten Schmetterlingen, einige sind handflächengroß. Am Wegrand bemerken wir sogar eine kleine Schlange, die blitzschnell im Gebüsch verschwindet. In der Region gibt es über 200 Vogelarten, sogar Kondore hat Gilberto hier schon gesehen. Wir haben aber nur das Glück, einige Papageien-Schwärme zu entdecken. Nach anstrengenden zwei Stunden erreichen wir schließlich den Riesenfarnwald. Bis hier hin hat sich die Flora kontinuierlich verändert. Wir befinden uns nun auf einer Höhe von knapp 2000m, die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. Die Riesenfarne haben eine märchenhafte Erscheinung. Mein Guide Gilberto erklärt mir, dass diese Pflanzen pro Jahr einen Zentimeter wachsen und somit einige dieser Exemplare fast 1000 Jahre alt sind! Die Atmosphäre in dem Wald ist besonders, vor allem weil vorbeiziehende Wolken diesen Abschnitt nun in einen Nebelwald verwandeln. Wir laufen noch ein ganzes Stück weiter bis zu einem Aussichtspunkt, wobei Gilberto uns mit seiner Machete den Weg freimacht. Mittlerweile haben sich die Wolken wieder verzogen. So können wir einen herrlichen Blick auf den Nationalpark Amboró und auf einige Ausläufer der Anden genießen. Die Aussicht ist erstaunlicherweise so gut, dass man stellenweise sogar das Tiefland und die Stadt Santa Cruz erkennen kann. Dafür haben wir den anstrengenden Aufstieg und die matschigen Schuhe gerne in Kauf genommen.

  • Unser Blogger in Bolivien

    Chris Tokple bereist regelmäßig Lateinamerika und interessiert sich dort sehr für die koloniale Geschichte, die Natur, die Kultur und auch die Musik. Neben Kolumbien und Kuba hat es ihm auch Bolivien besonders angetan.

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