Mein neues Kolumbien - Teil 2


Ausgerüstet mit einer alten VHS-Videokamera war ich fast zwei Monate von Bogotá im Zentrum entlang der West-Kordillere nach Cali, Manizales, Medellin bis an die nördlichste Grenze Kolumbiens auf den karibischen Inseln San Andres und Providencia unterwegs und staunte jeden Tag über die Vielfalt Kolumbiens.

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Ich überquerte den endlos wirkenden grünen Pflanzenteppich, der durch den in Serpentinen verlaufende Vaupes Fluss unterbrochen wird. Schließlich landete ich in Leticia im Amazonas am Dreiländereck zwischen Perú und Brasilien und staunte jeden Tag über die Vielfalt Kolumbiens. Ursprünglich, touristisch praktisch unberührt und im Kern mit einer großartigen, liebenswürdigen und freundlichen Bevölkerung. Die Begeisterung für die Schönheit des Landes und seiner Menschen infizierte mich. "Es ist einfacher zu lieben, was man kennt, als was einem noch nicht vertraut ist", sagte mir damals Kapax, der kolumbianische Tarzan, der heute noch immer in Leticia im Amazonas lebt und sich für den Schutz der Natur einsetzt. Alberto Lesmes Rojas, wie er tatsächlich heißt, wurde in Kolumbien berühmt, nachdem er den Magdalena Fluss Anfang der 1970er Jahre entlang geschwommen war.

Foto: Dr. Wilson Cardozo

… in 37 Tagen an die Karibikküste!

Bekleidet mit einem Schurz, ausgerüstet mit einem Jaguarzahn und einem Messer, hatte er sich damals auf dieses Abenteuer eingelassen. Er legte mehr als 1.000 Kilometer zurück und gelangte in 37 Tagen an die Karibikküste. Dem heute 70-Jährigen wurde für seine Naturschutzverdienste eine Statue am Stadteingang von Leticia gewidmet. Zugegeben, ganz so viel Zeit hatte ich damals für meine Reise durch ganz Kolumbien nicht. Sonst hätte auch ich gern streckenweise meine Tour auf dem Fluss fortgesetzt, auch wenn die Kamera dies nicht überlebt hätte. Aber es war damals anders. Denn in einer Zeit, in der die Friedensgespräche der Regierung mit den Rebellen immer wieder scheiterten, musste ich meine Tour beenden, ohne große Strecken auf dem Landweg abgefahren zu haben. Diese Option war damals noch sehr riskant. Erst mit der Jahrtausendwende änderte sich die Lage durch die Sicherheitspolitik des damals gewählten Präsidenten Alvaro Uribe. Danach wurden die wichtigsten Straßen und Verbindungen zwischen den Großstädten wieder befahrbar. Dadurch, dass die Präsenz der Sicherheitskräfte im gesamten Land intensiviert wurde, kam es zu einer Stärkung der paramilitärischen Gruppen.

Diese Politik wurde nicht nur im Land selbst, sondern auch international kritisiert. Unabhängig davon fingen die Kolumbianer an, zuerst in Karawanen und mit der Zeit immer mehr auf eigene Faust das Land zu bereisen. Mittlerweile trauen sich immer mehr Besucher mit dem Mietwagen eine Tour zurückzulegen, was vor einigen Jahren noch undenkbar war. Spätestens seitdem der aktuelle Präsident Juan Manuel Santos im Jahr 2012 die Friedensgespräche mit der ältesten Guerrilla-Organisation FARC begonnen hatte, die 2016 mit den Verträgen von Havanna endeten, ist eine touristische Zunahme im Land spürbar. Gabriel García Márquez, der kolumbianische Nobelpreisträger, sagte einmal, dass das Gedächtnis des Herzens die bösen Erinnerungen löscht und die guten speichert, und dass wir dank dieser Gabe befähig werden, die Vergangenheit hinter uns zu lassen. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit die letzten "sechzig Jahre Einsamkeit" Kolumbiens auf der Suche nach dem Frieden vergessen sein werden. Es scheint aber, dass die neue Generation von Kolumbianern alles tut, um das Land aus dem Dornröschenschlaf zu holen. Diese Entwicklung beflügelt die Bevölkerung zu einem Stimmungswechsel. Die mehr als 5 Millionen Besucher im Jahr 2016 zeugen von dieser neuen Epoche.

Viele Reisende, die in der letzten Zeit in Kolumbien waren, berichten von ihrem Eindruck, dass die Bevölkerung sich sehr bemüht, die Schönheit ihres Landes und die Gastfreundschaft der Menschen zu zeigen. Das Beste daran ist aber, dass sich die Kolumbianer nicht bemühen müssen gastfreundlich zu sein, denn sie sind es auch so. Ich jedenfalls identifiziere mich besonders jetzt mit dieser positiven Stimmung. Seitdem ich bei avenTOURa die Zuständigkeit für Kolumbien übernommen habe, ist das für mich nicht einfach eine Aufgabe von vielen. Die Einmaligkeit und Faszination Kolumbiens und seiner Menschen zu vermitteln ist vielmehr eine Herzensangelegenheit. Das Land hat viel zu bieten, denn Kolumbien ist an vielen Orten touristisch noch unentdeckt. Gabriel García Márquez schrieb in seinem Roman "Del amor y otros demonios" – "Von der Liebe und anderen Dämonen": "Je mehr ich es kenne, umso weniger kenne ich es" – und genau dieses Gefühl bekomme ich auch stets am Ende meiner Kolumbienreisen. Die heutige Realität Kolumbiens ist eine andere, als in den Jahren meiner ersten Touren dorthin. Ich nehme Sie nun mit auf meine Reise und lasse Sie mit den Augen eines Kolumbianers einen Blick auf den Geheimtipp Südamerikas werfen...

Foto: Dr. Wilson Cardozo

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